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Nachricht vom 11.09.2020    

Warum lief der erste deutschlandweite Warntag schief?

Von Eckhard Schwabe

Es sollten bundesweit am Donnerstag dem 10. September (künftig immer 2. Donnerstag im September) am ersten Warntag in Deutschland Sirenen und Apps auf Smartsphones ausgelöst werden, um die Bevölkerung auf die verschiedenen Warnmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Die meisten Sirenen können den auf- und abschwellenden Ton nicht wiedergeben. Foto: Eckhard Schwabe

Region. Vielerorts war es am gestrigen Donnerstag (10.September) um 11 Uhr so ruhig wie sonst auch um diese Tageszeit. Der in den Medien angekündigte Warntag war selbst laut Bundesinnenministerium ein Fehlschlag. Vielerorts heulten keine Sirenen und auch die digitalen Medien (Warn-Apps) versagten teils gänzlich ihren Dienst oder gaben ihr Meldung mit hoher Verzögerung an und dann auch nicht umfassend. Wir berichteten.

Was war passiert?
Der „Stresstest“ für die verfügbaren Warnmethoden zeigte die Schwachstellen in den jeweiligen Systemen sehr deutlich auf. Wo im Vorfeld noch von verfügbaren Warnmöglichkeiten gesprochen wurde, blieben vereinzelt nur die oben beschriebenen Warn-Apps. Wie aus gut unterrichteten Kreisen einen Tag nach diesem Fehlschlag zu hören war, konnten aus technischen Problemen die Sirenen, die eigentlich für die Alarmierung der Feuerwehren im Land installiert sind, den Auf- und abschwellenden Ton nicht wiedergeben, da sie nicht angesteuert werden konnten.

Warum ist das so?
Für den Auf- und abschwellenden Ton muss eine spezielle Steuerung an den jeweiligen Sirenen montiert sein. Einige neuere Sirenentypen haben diese Möglichkeit bereits, die restlichen im Land verbauten Anlagen hätten umgerüstet werden können. Da es sich jedoch um Sirenen für die Feuerwehren handelt und diese für die digitale Alarmierung umgerüstet werden müssen, die voraussichtlich 2022 realisiert werden könnte, hätten die Kommunen zweimal Geld für eine Umrüstung ausgeben müssen. Nach den uns vorliegenden Informationen ist bei der Steuerung für die digitale Alarmierung, eine Ansteuerung der Sirenen für den Bevölkerungsschutz möglich. Warum die digitale Alarmierung noch nicht im sogenannten Wirkbetrieb ist, hängt von den jeweiligen Ländern ab, die für den Ausbau verantwortlich sind.

Was die Warn-Apps angeht, so zeigte sich gestern, dass einzelne für diese Alarmierung zuständigen Leitstellen und oder Kommunen selbst versucht haben, die Apps auszulösen. Dies führte bei der Vielzahl von Zugriffen auf das System zu einer Überlastung. Da haben die Absprachen offenbar nicht funktioniert.

In den nächsten Monaten gibt es gerade auf Bundesebene viel zu klären, auch was die Kommunikation für solch einen Warntag angeht. Wenn man von verfügbaren Warnmitteln spricht und dann Sirenen anführt, ist für den „normalen“ Bürger klar, dass damit die Sirenen gemeint sind, über die auch die örtliche Feuerwehr alarmiert wird. Hier hätte durch ein paar Worte mehr, dass dies auch vom Sirenentyp abhängig ist, in den Ankündigungen schon vieles erklärt werden können. Durch diese nicht getätigten Erklärungen sind die Kommunen und Städte in eine Licht gerückt und für etwas verantwortlich gemacht worden, für das sie nur bedingt Verantwortung übernehmen können/müssen.
Eckhard Schwabe


Kommentar zum Warntag von Eckhard Schwabe: „Analog und digital haben versagt“
Viele Tage und Wochen wurde auf den ersten deutschlandweiten Warntag nach Ende des kalten Krieges hingewiesen. Banner für die sozialen Medien entwickelt, es wurden Hinweise gepostet. Und als es dann am Tag „X“ nicht klappte, gab es Reaktionen hüben wie drüben.

Es ist schon interessant, dass man dann zu lesen bekommt, dass man in Vorankündigungen doch mit dem Satz „verfügbaren Warnmitteln“ alles gesagt hat.

Hmmm, wer bitte ist in der Lage aus den Worten „verfügbaren“ Warnmitteln ohne weitere Erklärung herauslesen zu können, dass nicht alle Sirenen den Auf- und abschwellenden Heulton wiedergeben können? Ich frage mich, warum man bei den Vorankündigungen nicht auf die Möglichkeit, dass gewisse Sirenentypen es nicht wiedergeben können, eingegangen ist. Lediglich mit dem Hinweis in einem kurzen Text mit „verfügbaren“ zu umschreiben, um dann im Nachgang sich darauf zu berufen ist ein durchaus „stilles“ herausziehen. Eine etwas ausführlichere Information, man nennt es auch Hintergrundinformation, wäre da in meinen Augen zielführender gewesen und hätte so manchen hämischen Kommentar vermeidbar gemacht.

Rächt es sich jetzt, dass die großen Sirenentürme des Katastrophenschutzes in den vergangenen Jahren flächendeckend demontiert wurden? Ich finde ja. Selber habe ich in jungen Jahren das Heulen der sehr großen Luftschutzsirene bei uns im Ort erlebt, damals gab es noch kein Mobiltelefon, auch zu Hause gab es damals noch keine schnurlosen Telefone, ist also schon eine ganze Zeit her. Dann war sie weg, die große Sirene, die einmal im Jahr heulte, der Ton war anders wie der der Feuerwehr. Aber diese Sirenen sind Geschichte. Seinerzeit sah man für sie keine Verwendung mehr, ach, was sehne ich mir jetzt hierfür die alten Zeiten zurück.

Die technische Entwicklung schreitet weiter fort. Man kann nur hoffen, dass die Politik jetzt durch den Fehlschlag wachgerüttelt wurde, denn der Schutz der Bevölkerung ist auch im Verantwortungsbereich der Politik, denn diese stellt die finanziellen Mittel zur Verfügung. Es auf die Städte oder Kommunen abzuwälzen ist nicht der richtige Weg.

Natürlich können Sirenen umgerüstet werden mit neuen Steuerungen, man sollte auch das vorhandene nutzen. Doch wie bei allem, wird es wohl noch etwas dauern, denn die Kassen sind nicht gerade prall gefüllt.

Alles in allem kann man aus diesem Fehlschlag nur lernen und dahingehend ist es dann als Erfolg zu werten, denn wenn nicht jetzt, wann könnte man sich besser um die Behebung der technischen Schwierigkeiten kümmern. Dazu zählt auch eine Kommunikation, die mögliche Schwachstellen im Vorfeld aufzeigt.

Jetzt ist das „Kind in den Brunnen“ gefallen und die in Teilen eindeutigen Reaktionen zeigen dies. Es war nicht nur ein örtliches, regionales Phänomen, nein es war flächendeckend zu vernehmen. Jedoch und das ist gleichfalls eine Frage, die sich manch einer stellen muss, wo waren denn die Warnmittel, die es wiedergeben konnten und was waren es für welche. Vielleicht ist es doch kein so guter Entschluss gewesen, die bewährten Luftschutzsirenen zu demontieren.

Man kann gespannt sein, was man aus den entsprechenden Ministerien in Bezug auf den Warntag zu lesen bekommt, welche Erklärungen und für den ein oder anderen auch Ausflüchte kommen werden. Es kann nur gelernt werden, damit beim nächsten deutschlandweiten Warntag auch wirklich wesentlich besser klappt.


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