Werbung

Nachricht vom 07.04.2020    

Hilfe für Wald: Jagdpächter können Antrag auf früheren Jagdbeginn stellen

Durch den Klimawandel beginnt der Blattaustrieb bereits jetzt. Damit beginnt das Wild früher als bisher jungen Bäumen durch Wildverbiss zu schaden. Für das Entstehen neuer Wälder sind diese jedoch immens wichtig.

Frühjahrstriebe an einer Lärche; © Landesforsten RLP/Jonathan Fieber

Region. Der Landesbetrieb Landesforsten Rheinland-Pfalz will den Wald vor den Folgen des Klimawandels schützen. Daher hat der Landesbetrieb einen Antrag an die Obere Jagdbehörde gestellt, den Jagdbeginn zwei Wochen früher, nämlich ab 15. April, einzuleiten. Dieser Antrag wurde auf Grundlage der entsprechenden Regelungen im Landesjagdgesetz genehmigt. Damit kann einjähriges Reh-, Rot- Dam- und Muffelwild in der staatlichen Regiejagd im laufenden Jahr bereits zwei Wochen früher bejagt werden. Grundsätzlich nicht bejagt werden dürfen weiterhin die erwachsenen Tiere dieser Wildarten, abgesehen von Rehböcken. Für Wildschweine gilt ohnehin bereits eine ganzjährige Jagdzeit. Muttertiere, gleich welcher Wildart, dürfen nach wie vor nicht bejagt werden.

Die Möglichkeit, einen entsprechenden Antrag nach dem Landesjagdgesetz zu stellen, ist nicht auf den staatlichen Forstbetrieb beschränkt, sondern steht allen Jagdpächter/innen sowie Jagdrechtsinhabern und damit auch privaten und kommunalen Grundeigentümern offen. Darauf weist auch der Gemeinde- und Städtebund hin. Bislang sind über 40 solcher Anträge bei der Zentralstelle der Forstverwaltung eingegangen – sowohl von Gemeinden als auch von Privatleuten.

Viele Waldbesitzenden stehen vor der Herausforderung, die vor allem durch Borkenkäferbefall und Dürre entstandenen Freiflächen wieder aufzuforsten und für widerstandsfähige, naturnahe Mischwälder zu sorgen. Da Wild, vor allem Rehwild, bevorzugt junges Blattgrün, Triebe und Blattknospen vor deren Austrieb frisst, werden junge Bäume oftmals verbissen und sterben ab. Diese Bäume sind für eine Wiederbewaldung von Freiflächen enorm wichtig.

Die Pflanzung von Waldbäumen und die natürliche Verjüngung der Wälder kann nur gelingen, wenn dieser Jungwald nicht durch das Vorhandensein einer zu großen Zahl von Rehen, Hirschen oder Wildschafen (Muffelwild) am Wachstum gehindert wird.

Dabei kann es durchaus einen Unterschied machen, ob die Jagdsaison 14 Tage früher stattfindet als bislang üblich. Klimawandelbedingt setzt die Vegetationszeit früher ein. Der Blattaustrieb hat vielerorts bereits begonnen. Damit beginnt zugleich die Zeit, in der vor allem das Rehwild sich die noch zarten Blätter schmecken lässt. Dies führt bei jungen Bäumen oftmals zu deren Absterben.

Sobald der Blattaustrieb sich voll entfaltet hat und die Vegetation höher geworden ist, sind die Tiere weniger gut sichtbar und damit auch schwerer zu erlegen. Dies kann bereits Anfang Mai, also zum Beginn der regulären Jagdzeit, vielerorts der Fall sein. Der Schwerpunkt der vorgezogenen Bejagung liegt auf dem Rehwild. Bei der Bejagung von Rot-, Dam- und Muffelwild werden die für diese Wildarten gebildeten Hegegemeinschaften in die örtlichen Entscheidungen der Forstämter einbezogen.



Es ist seitens Landesforsten ausdrücklich nicht beabsichtigt, dass das Wild nun keine Ruhezeiten mehr hat. Diese sollen zu einem Zeitpunkt erfolgen, wenn die Jagd weniger effektiv ist, etwa wenn die Vegetation im Wald ohnehin sehr hoch ist. Dies kann je nach Region verschieden sein. Daher bleibt den Forstämtern je nach örtlicher Situation die Entscheidung überlassen, ob im Staatswald nunmehr bereits zum 15. April die Jagd aufgenommen und in welchem Umfang im Gegenzug zu späteren Phasen im Jahr trotz gesetzlich gegebener Jagdzeit die Jagdausübung ausgesetzt wird.

Hintergrund: Auswirkung der Klimakrise im Wald
Die Klimakrise hat zu einem bislang unbekannten Ausmaß an kranken und abgestorbenen Bäumen geführt. Im vergangenen Jahr mussten allein aufgrund des massiven Borkenkäferbefalls 3,05 Millionen Festmeter Fichtenholz notgeerntet werden. Das entspricht rund 3,5 Millionen Bäumen. Dazu kamen weitere 350.000 Festmeter aufgrund des Sturmtiefs Eberhard im März 2019. Daraus ergibt sich eine Aufforstungsfläche von 6.500 Hektar.

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Dieses Jahr sind bereits 500.000 Festmeter Schadholz wegen Borkenkäferbefall angefallen, weitere 500.000 aufgrund von Windwurf. Dazu kommen tausende Bäume, die wegen Wassermangel zum Teil oder ganz abgestorben sind sowie Bäume, die von anderen Baumkrankheiten befallen sind, etwa dem Eschentriebsterben oder der Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen.

Gerade durch die entstandenen Freiflächen vergrößert sich für Reh-, Rot- und Dammwild das Nahrungsangebot etwa in Form junger Triebe und Baumknospen. Werden diese zu intensiv verbissen, drohen sie abzusterben oder in der Konkurrenz zu anderer Vegetation zurückzubleiben. Bei diesem Prozess spielt vor allem das Rehwild eine wesentliche Rolle, welches sehr selektiv besonders die seltenen Baumarten als Nahrungsgrundlage auswählt und damit mancherorts dazu beitragen kann, dass gerade solche Baumarten, die im Klimawandel dringend benötigt werden, verloren zu gehen drohen.


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Wissen auf Facebook werden!


Kommentare zu: Hilfe für Wald: Jagdpächter können Antrag auf früheren Jagdbeginn stellen

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Leuchtende Aussichten für historisches Industriegelände

Ab 24. September wird sich das in Teilen stillgelegte ehemalige Rasselstein-Gelände in Neuwied für rund sechs Wochen in eine leuchtende Zauberwelt verwandeln.


Natur-Schwimmbad in Niederhonnefeld öffnet am 3. Juli

Wegen der fleißigen Mithilfe der Feuerwehrmänner und -frauen der Feuerwehr Oberraden-Straßenhaus, die das Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken gereinigt haben, kann ab Samstag, 3. Juli, das Naturschwimmbad in Niederhonnefeld für die diesjährige Badesaison nach langer Corona-Pause geöffnet werden.


Region, Artikel vom 19.06.2021

Paraglider landet in Roßbach im Baum

Paraglider landet in Roßbach im Baum

Die Einheiten Roßbach, Waldbreitbach und Hausen der Feuerwehr VG Rengsdorf-Waldbreitbach wurden am Samstagnachmittag, den 19. Juni um 15:54 Uhr zu einem Gleitschirmflieger im Baum alarmiert.


Der Erzquellweg in Mudersbach: Erlebnisweg mit Bergbau, Bier und Baumriesen

Nicht nur für Bierliebhaber ist der Erzquellweg, welcher zu den Erlebniswegen der Naturregion Sieg gehört, eine tolle Strecke. Auf knappen zwölf Kilometern lernt man die Schatzkammer des Giebelwaldes kennen, in welcher neben Erzvorkommen und Quellwasser auch der Wald eine wirtschaftliche Bedeutung hat.


Neuwied: „Kunst im Karree“ noch für dieses Jahr geplant

VIDEO | „Kunst im Karree“ ist ein fester Bestandteil in der Neuwieder Kulturszene. Wenn alles gut geht und es rechtlich möglich ist wollen Ulrich Adams und Volker Frohneberg im Spätsommer/Herbst ein reduziertes Programm anbieten.




Aktuelle Artikel aus der Region


Geführte Wanderung auf den Spuren der Römer in Hillscheid

Hillscheid. Manfred Knobloch arbeitet seit vielen Jahren „in Diensten der Römer“ am Limesturm 1/68, der 1994 nach der neuesten ...

Paraglider landet in Roßbach im Baum

Roßbach. Vor Ort stellte sich heraus, dass ein Paraglider sich in einem Baum in etwa acht Meter Höhe verfangen hatte. Der ...

Der Erzquellweg in Mudersbach: Erlebnisweg mit Bergbau, Bier und Baumriesen

Mudersbach. Eine Rundwanderung mit Kulturgeschichte, so könnte man den Erzquellweg beschreiben. Seit 1885 wird das wertvolle ...

Leuchtende Aussichten für historisches Industriegelände

Neuwied. Magische Fabel- und Naturwesen, ein illuminierter Zirkuszug, wunderbare Klänge, die sich mit funkelnden Kugeln zu ...

Kurze Wege überbrücken und das Miteinander stärken

Straßenhaus. Mit Hilfe von entsprechenden Schildern kann der Zielort angegeben werden. Möglich ist es, sich Richtung Ortsmitte ...

Strom- und Heizkosten im Blick – Monatlicher Zähler-Check

Region. Welche anderen neuen Geräte sind im Haushalt verwendet worden? Welche Geräte sind häufiger genutzt worden als im ...

Weitere Artikel


In der Nacht zu Mittwoch in den Supermond schauen

Region. Supermond klingt magisch. Doch der Begriff beschreibt umgangssprachlich den Zeitpunkt, wenn ein Vollmond der Erde ...

Stillstand in der Hausinstallation gefährdet die Trinkwasserhygiene in Gebäuden

Hachenburg. Als örtlicher Wasserversorger appellieren die Verbandsgemeindewerke Hachenburg, Betriebszweig Wasserwerk an ...

Wie sieht die aktuelle Situation in Pflege- und Seniorenheimen aus?

Region. Ein kompetenter Gesprächspartner ist der Landtagsabgeordnete Sven Lefkowitz, der bis Mitte letzten Jahres die Senioren-Residenz ...

Online-Workshop zur Erstellung eines Ausbildungsplans

Koblenz. Der betriebliche Ausbildungsplan ist zwingend zur Eintragung des Berufsausbildungsverhältnisses bei der zuständigen ...

Geschäfte werden an Sonn- und Feiertagen wieder zu bleiben

Region/Mainz. Die Geschäfte in Rheinland-Pfalz sollen nach dem Willen der Landesregierung an Sonn- und Feiertagen wieder ...

Service mit Sicherheitsabstand in St. Clemens Dierdorf

Dierdorf. Das katholische Pfarramt hat als besonderen Service gesegnete Palmzweige und gesegnete Kerzen für das Hausgebet ...

Werbung