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Nachricht vom 29.02.2020    

SGD Nord: Vorsicht! Kröten und Frösche gehen auf Wanderung

Witterungsbedingt startet in diesem Jahr die Wanderung der Kröten und Frösche etwa zwei bis drei Wochen früher. Die wärmeren Temperaturen locken zahlreiche Frösche und Kröten aus ihren Winterquartieren, die ersten Grasfrösche haben bereits abgelaicht. Daher bittet die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord als Obere Naturschutzbehörde alle Autofahrer, in den nächsten Wochen besonders aufmerksam zu sein.

Erdkröte beim gefährlichen Überqueren der Fahrbahn. Fotos: SGD Nord

Region. Frühlaichende Amphibienarten wie die Erdkröte oder der Grasfrosch wandern meistens im Schutz der Nacht und oft in Massen von ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern. Molche, Salamander und weitere Froschlurcharten werden in Kürze nachfolgen.

Auf ihrem Weg müssen die Tiere in unserem dicht besiedelten Raum oft auch Straßen überqueren. Wenn man berücksichtigt, dass wandernde Erdkröten für das Überqueren einer „normalen" Straße bis zu 15 Minuten benötigen, wird selbst bei einer geringen Verkehrsdichte deutlich, dass der Weg zu den Gewässern lebensgefährlich für sie ist. Neben den Verlusten durch das eigentliche Überfahren sterben viele Tiere aber auch durch einen Unterdruck, der technisch bedingt im normalen Fahrbetrieb unter den Autos entsteht und für die Tiere auch bei vorsichtiger Fahrweise leider oft tödliche Folgen hat. Schon Fahrgeschwindigkeiten ab circa 30 Stundenkilometer reichen aus, um bei den Amphibien durch den unter dem Auto auftretenden Unterdruck schwerste innere Verletzungen wie die Zerstörung der inneren Organe, Knochenbrüche oder dergleichen hervorzurufen. Dazu muss es nicht zu einer Berührung durch einen Autoreifen kommen.

Die SGD Nord will Autofahrer – wie bereits erwähnt – dementsprechend sensibilisieren und bittet sie, die entsprechenden Hinweisschilder zu beachten. Wo es gefahrlos möglich ist, können Autofahrer schon durch eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit zum Überleben der Tiere beitragen. Optimal wäre natürlich das Ausweichen auf alternative Fahrstrecken.

Die SGD Nord unterstützt den Amphibienschutz in vielfältiger Weise, denn viele heimische Amphibienarten sind stark gefährdet. Neben der Förderung des ehrenamtlichen Amphibienschutzes werden zum Beispiel im Rahmen von Artenschutzprojekten unterschiedliche Schutzmaßnahmen ergriffen. Auch in diesem Jahr werden wieder Maßnahmen eines mehrjährigen Amphibienschutzprojektes im Westerwald umgesetzt. Zielarten sind dabei die besonders stark gefährdeten Amphibien wie beispielsweise die Gelbbauchunke, der Kammmolch und der Laubfrosch. Aber auch viele andere Amphibienarten profitieren von diesen Maßnahmen.

Weitere Informationen unter: www.sgdnord.rlp.de.

Kurzprofil Grasfrosch (Rana temporaria) als Beispiel für eine frühlaichende Art:
Allgemeines:
Der zu den Braunfröschen gehörende Grasfrosch galt früher als „Allerweltsart", landete bis ins 20. Jahrhundert hinein auch schon mal – bevorzugt während der Fastenzeit – auf dem heimischen Teller und ist heute noch fast überall in Deutschland anzutreffen. Dennoch sind auch bei dieser neben der Erdkröte bei uns häufigsten Amphibienart leider seit Jahren sehr starke Bestandsrückgänge zu verzeichnen, die regional ganz zum Verschwinden der Art geführt haben. In Rheinland-Pfalz ist die Art auch schon auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten aufgeführt.

Kurzsteckbrief:
Größe: Grasfrösche haben eine Größe zwischen circa 6 und 11 Zentimetern.
Alter: Die Tiere können bis zu 12 Jahre alt werden.
Besondere Merkmale: Der Grasfrosch zeichnet sich durch eine variable braune Farbgebung (oft mit dunklen Flecken) aus. Die Tiere haben hinter den Augen im Trommelfellbereich eine auffällige, dunkle Zeichnung. Die runde Schnauze und der plumpe Körperbau unterscheiden ihn von anderen Braunfröschen.

Ernährung: Die Tiere ernähren sich von Insekten, Würmern, Nacktschnecken et cetera.
Jahresrhythmus: Grasfrösche sind Ende Februar/Anfang März die ersten Amphibien, die an den Gewässern auftauchen. Unmittelbar nach dem Ablaichen wandern die ersten Tiere in die zum Teil entfernt liegenden Sommerlebensräume (Wälder, Weideflächen, Gebüsche) ab, in denen sie sich die meiste Zeit aufhalten. Ab Oktober suchen die Tiere die Winterquartiere auf, zum Teil überwintern sie auch im Gewässer.

Fortpflanzung: Die Fortpflanzungszeit dauert nur wenige Tage, man spricht daher vom „Explosivlaicher". Während des Ablaichens werden die Weibchen von den Männchen umklammert und die frisch abgesetzten Eier werden direkt befruchtet.

Laich: Der Laichballen besteht aus mehreren hundert, manchmal auch mehreren tausend Eiern, die oft als „Laichteppich" ausgebildet sind.

Larven: Nach circa 7 bis 10 Tagen schlüpfen die Larven aus den Eiern, bei kühler Witterung kann es auch länger dauern. Die Metamorphose erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten.

Gefährdungen:
Die zum Teil erheblichen Bestandsrückgänge sind auf das bei uns immer stärkere Verkehrsaufkommen, die zunehmende Zerstörung und Zerschneidung der Lebensräume, den Verlust von Laichgewässern aller Art aber auch auf den flächenhaften Einsatz von Pestiziden in der Agrarlandschaft zurückzuführen. Auch das Insektensterben wird sicher Konsequenzen für die Amphibien haben, denn Insekten sind schließlich eine der Hauptnahrungsquellen des Grasfrosches. (PM)


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