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Nachricht vom 27.01.2020    

Auschwitz-Gedenken: Gemeinsam und kreativ gegen rechten Terror

Mit einer gemeinschaftsstiftenden Kunstaktion gedachte die Neuwieder Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International am 26. Januar der Opfer des Faschismus den Gequälten und Getöteten der Nazi-Diktatur. Anlass hierfür war der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, dessen Überlebende die Rote Armee am 27. Januar 1945 aus menschenverachtenden Verhältnissen gerettet hatte. Auch der Feuerwehrverband meldet sich zu dem Thema zu Wort.

Fotos: privat

Neuwied. Den Rahmen der Gedenkversammlung bildete dieses Jahr ein Konzept des Bildenden Künstlers Elmar Hermann. Ziel war es, ein sichtbares Zeichen für die kreative Kraft der Gemeinschaft gegen faschistische Ideen und Gruppierungen – damals wie heute - zu setzen. Mit bunten Stoffen gestaltete die Amnesty-Gruppe einen Kranz für das Mahnmal, um dem grauenvollen rechtsextremen Terror ein hoffnungsvolles Zeichen der Vielfalt entgegenzusetzen. Große silberne Banner links und rechts um den Kranz forderten eindringlich: „NIE WIEDER!“

Hermann selbst verfolgt das Erstarken der neuen Rechten in seinem Heimatort seit Langem mit großer Sorge. Somit entschloss er sich, seine künstlerische Erfahrung als Absolvent der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie und Teilnehmer zahlreicher internationaler Ausstellungen zu nutzen, um stärker für das Problem zu sensibilisieren. Sein künstlerisches Konzept bereitete hier den Raum für diverse Redebeiträge engagierter Neuwieder, die gemeinsam den Opfern des Holocaust gedachten und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft stark machten.

Inge Rockenfeller eröffnete die Gedenkstunde und begrüßte die Teilnehmer. Rockenfeller: „Wir dürfen nie vergessen, dass unter Hitler ein Völkermord an den Juden begangen wurde. Aber auch politisch Andersdenkende, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und Christen wurden gequält und ermordet. Damit dies nie wieder geschieht, werden wir jedes Jahr an diese schreckliche Zeit erinnern.“

Manfred Kirsch erinnerte in seiner Ansprache an die rechtsradikalen Verbrechen des vergangenen Jahres und nannte hierbei insbesondere den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, sowie an den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle und an die Morddrohungen gegen Politikerinnen und Politiker, wie Claudia Roth und Cem Özdemir. Betroffen von Morddrohungen war auch der Sozialdemokrat Manfred Kirsch selbst. Kirsch: „Solange jüdische Gotteshäuser und andere jüdische Einrichtungen, wie Friedhöfe, von den Untaten der Neonazis nicht sicher sind, bleibt der Makel der braunen Gesinnung und Handlungsweise wie ein Kainsmal auf dem deutschen Volk liegen.“

Bürgermeister Michael Mang und der SPD-Kreisvorsitzende Fredi Winter sprachen in ihren Grußworten die Notwendigkeit an, an der Erinnerungskultur, wie sie auch in Neuwied praktiziert werde, festzuhalten und diejenigen zu unterstützen, die ihre Energie dafür einsetzten, den Kampf gegen Rechts zu führen. Fredi Winter bedankte sich ausdrücklich bei der Neuwieder Amnesty Gruppe-für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Menschenrechte und gegen politische Gewalt.

Gruppensprecherin Susanne Kudies sprach in Vertretung von Hubert Wölwer. Sie erläuterte in ihrer Rede die historischen Zusammenhänge, die zur Machtergreifung Adolf Hitlers und zum zweiten Weltkrieg mit über 63 Millionen Opfern führte. Sie rief dazu auf jederzeit bereit zu sein, Widerstand gegen Rechts zu leisten, so wie die Mitglieder der „Weißen Rose“ im Nationalsozialismus.

Auschwitz-Gedenken auch für Feuerwehr wichtig: Gefährdungen aktiv entgegentreten
Anlässlich des Gedenkens an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945 betont der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, auch eine Bedeutung für die Feuerwehren: „Die Beschäftigung mit den unfassbaren Gräueln und Fakten, die uns gerade anlässlich der aktuellen Erinnerung um die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz besonders vor Augen stehen, kann auch eine gesellschaftliche Bewegung wie die Feuerwehren nicht wegsehen lassen.“ Seiner Auffassung nach könne in ihren Einrichtungen und Gruppen, „egal an welcher Stelle“, nur eines die klare Haltung all derer sein, die Verantwortung in den örtlichen Einheiten genauso wie in den Interessenvertretungen in den Verbänden tragen: „Jeder Form von Extremismus, jeder Gefährdung unserer Demokratie, muss entschieden eine Absage erteilt werden!

Bei aller gebotenen parteipolitische Neutralität dürfen Strömungen, Einflüsse und Einstellungen, die unsere gemeinsame freiheitliche demokratische Verfassung bedrohen, keine Chance haben, in den Feuerwehren Fuß zu fassen!“ Hachemer weiter: „Allen Tendenzen, Menschen etwa wegen ihrer Herkunft, Religion, Einstellung, ihres Geschlechts oder ihrer Orientierung zu diskriminieren, ist eindeutig und aktiv entgegenzutreten! Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich auch die Feuerwehren nicht verschließen dürfen. Wir alle müssen mit darin aktiv sein, damit nicht auch nur annähernd je wieder eine Entwicklung erfolgreich sein kann, die am Ende gar im Grauen der Konzentrationslager gipfelt, aber schon lange vorher viel heimlicher und scheinbar harmloser beginnt.“

Der Landesfeuerwehrverband bietet seit Jahren entsprechende Weiterbildungen für Führungskräfte an, ebenso Material für Integration und Inklusion, die die Feuerwehren nutzen können. Auch die grundlegenden Werte, die Engagierte im Feuerwehrwesen antreiben, wurden bereits in Meinungsbildungsprozessen ermittelt und dokumentiert. „Neben Grundlagen ist aber auch das aktive Handeln wichtig: Unser Verband hat ausgebildete ehrenamtliche Beraterinnen und Berater, die bereit stehen, um vor Ort als Helfer und Unterstützer zu wirken, wenn Probleme in Feuerwehren diese Hilfe erfordern“, so der Präsident. Auch eine Analyse der tatsächlichen Verhältnisse sei wichtig: „Behauptungen und Warnungen sind das eine, und sie sind für das Stärken der Sensibilität sicher wichtig. Aber ohne Fakten geht es nicht: wir benötigen Zahlen und Informationen über Tatsachen. Wo gibt es wie viele Fälle von Extremismus? Wie muss man sie einordnen und wie ist mit ihnen umzugehen? Dies gilt es zu erfassen, wenn man wirkungsvoll handeln will.“ Hier sei man im Verband dabei, Möglichkeiten zu prüfen.


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