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Nachricht vom 11.07.2019    

Lisa Fitz spottete sehr unterhaltsam über Männer, Politik und Ängste

Einen feministisch-fulminanten Schlusspunkt unter die Rommersdorfer Festspiele des Sommers 2019 setzte die bayrische Kabarettistin, Schauspielerin, Autorin und Sängerin Lisa Fitz. Sie analysierte mit Witz und semantischer Kreativität Politiker und deren verbale Seifenblasen, aus denen sie pfeifend die Luft herausließ. Dabei bewies sie Mut zur konkreten Aussage, lautstark und eindeutig, nicht geflüstert. Trotz des Programmtitels „Flüsterwitz“.

Lisa Fitz in der Abtei Rommersdorf. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Neuwied. Der Flüsterwitz kommt aus autoritären Staaten, unsere Demokratie produziere keine Flüsterwitze, weil alle Komiker in der Regierung sitzen, daher sollten wir die freie Rede praktizieren, solange es noch geht. Aber das freie Äußern braucht Mut. Den forderte die Kabarettistin auch von ihrem Publikum, mit dem sie zur Mutsteigerung gleich eine Energieübung durchführte: Hu-ha-hu!

Sechzig Prozent der Theatergänger seien Frauen, wusste die Künstlerin. In Rommersdorf war der Frauenanteil noch höher, die anwesenden Männer vermutlich großenteil widerwillig mitgeschleppt. Erkennbar sei das an dem verklemmten Sitz der Männer, der aber ungesund sei, weil die Haltung das Wurzelchakra einklemme.

Auch die Frauen bekamen ihr lästerliches Fett weg, speziell die buddhistisch stoisch weiterregierende „Mutti“ und die „verkniffenen Frauen in hässlichen Klamotten im Parlament“. Grinsend bekannte Fitz, diese Aussage sei frauenfeindlich, mache aber Spaß. Das politische Herumgezerre vorwärts-rückwärts macht dagegen keinen Spaß. Fein differenziert die Autorin, dass Wahlbetrug das verbotene Beeinflussen von Wahlergebnissen nach der Wahl ist, Wahlversprechen das Gleiche vor der Wahl. „Mir macht diese Politik Angst“, bekannte sie.

Aber Mut heißt sich seinen Ängsten zu stellen, zum Beispiel den vielen Phobien, von denen einige politisch motivierte anschaulich dargestellt wurden. Angst vor dem Islamismus sei für sie selbst unbegründet, weil im Koran stehe, dass ältere Frauen sich nicht verschleiern müssen – das lohnt sich nicht! Konservativen Türken will Lisa Fitz eintrichtern: „Wahre Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn der Mann verschleiert hinter der Frau hergeht und die Einkaufstüten trägt.“ Die mühsam errungene und noch immer unvollkommene junge Gleichberechtigung lassen sich die Frauen in unserem Land nicht wegnehmen. Auch wenn das Mut erfordert. Männer werden oft zu Mut erzogen, Frauen zur Demut oder Anmut. Und aus eigener Erfahrung weiß die Vorort-Münchenerin: „Der Bayer ist halb Mensch, halb Bier.“



„Bildung ist der Schlüssel aus der Falle“, lautete das Credo der Kabarettistin, „in Afrika, in Afghanistan, in Niederbayern…“ Das Fernsehprogramm verdummt, die vorsätzlich triviale Unterhaltung heißt nach US-Politikberater Zbigniew Brzeziński im Fachjargon „Tittytainment“, oder mit Fitzscher Prägnanz “Depperte bleibt deppert!“ Die Menschheit hat ein großes Wissen und wüsste genug, um eine schöne Erde zu schaffen, aber der Geist, der Spirit, die geistige Reife fehlt. Hatte Gott Burnout?

Die Fitz profilierte sich auch als Sängerin mit Gitarre und Jodelkompetenz zum Beispiel bei dem Song „Welche Partei soll ich wählen?“ oder bei der Peking-Oper, die zu amerikanischem Rock mutierte und – mit schwarzer Jacke und Kappe – beim Rap „Revolution“, einem politisch Lied, garstig Lied, das im Helene-Fischer-dressierten Land pfui ist. Beim Schlusslied „Die Gedanken sind frei“ sang das Publikum mit.

Zu dessen Freude gab es als urkomische Zugabe und „Wellness für’s Gehirn“ das Lied vom Kamel, das auch noch das schauspielerische Talent von Lisa Fitz deutlich machte. Die Ballade endet: „So, das schöne Lied ist jetzt aus. Und das Kamel geht nach Haus'. Erst sieht man noch das ganze Kamel - von hinten, dann ein halbes Kamel - von hinten, dann ein viertel Kamel - von hinten, dann kein Kamel mehr - aus!“ Leider war danach auch die mutig-unterhaltsame Vorstellung von Lisa Fitz in der Abtei Rommersdorf aus. htv


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