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Nachricht vom 11.03.2015    

Emmausgang nach Leutesdorf: Sitte seit alter Zeit

Die Bibel berichtet, wie der auferstandene Jesus zwei Jüngern begegnet, die unterwegs nach Emmaus sind. An dieses biblische Geschehen knüpft der vielerorts übliche Emmausgang zu Ostern an. Die Leutesdorfer Wallfahrtskirche Heiligkreuz ist wieder traditionelles Ziel vieler Emmausjünger, die besonders aus Andernach kommen.

Leutesdorf. Es gibt auch wieder eine Fährverbindung nach Leutesdorf. Nach der Wallfahrtsmesse um 11 Uhr in der Kreuzkirche besteht die Möglichkeit in einem Winzerbetrieb oder einer Gaststätte einzukehren. Um 15 Uhr spielt die Leutesdorfer Organistin Elvi Hubert auf der historischen Stummorgel in der Pfarrkirche „Festliche Orgelmusik zum Emmausgang“. Auch das Dorfmuseum ist geöffnet. Natürlich wird an diesem Tage in gebührender Weise dem Leutesdorfer Wein zugesprochen; die Verbindungen zwischen Andernach und Leutesdorf sind durch den Weinbau seit alters her recht vielfältig. Das soll für uns einmal Gelegenheit sein Rückschau zu halten.

Rechtsrheinisch erstreckt sich gegenüber Andernach die Leutesdorfer Weinbergsgemarkung. Bereits Venantius Fortunatus berichtet im 6. Jahrhundert in der Beschreibung seiner Moselfahrt zur Königspfalz Ander¬nach, dass der König von seiner Tafel aus sehen könne, wo der Wein wachse, den man ihm kredenze. Damit haben wir einen indirekten Hinweis auf den Leutesdorfer Weinbau auf den Hängen gegenüber Andernach. Professor Schwab, Lehrer am damaligen Stiftsgymnasium, berichtet in der Andernacher Volkszeitung vom 24. April 1937 über die Beziehungen zwischen Andernach und Leutesdorf in alter Zeit und weist dabei daraufhin, dass "auch Andernacher Stiftungen in der Leutesdorfer Gemarkung Güter besaßen. So hatte zum Beispiel das Andernacher Hospital im Engwetterberg ein großes Weingut, das ihm von seinen Stiftern geschenkt worden war und das es nach mehr als 500jährigem ungestörtem Besitze (nach der Säkularisation im Jahre 1802) verlor.

Dieses Gut pflegten Leutesdorfer Bürger zu bebauen, die dem Hospital eine jährliche Pachtsumme in natura oder in Geld entrichteten." Zur Erinnerung an den Weinbergsbesitz Andernacher Kirchen und Klöster steht am Neuen Weg in der Leutesdorfer Weinbergsgemarkung der symbolische Andernacher Weinberg: Zwei Weinstöcke, gekennzeichnet durch einen Andernacher Wappenstein. Sein Ertrag wurde früher alljährlich am Andernacher Weinfest am ersten Oktoberwochenende von den Andernachern in einem großen Festzug abgeholt.

Leutesdorf war früher nach Andernach hin orientiert und durch eine Fähre mit der Bäckerjungenstadt verbunden. Auch die Kreuzkirche in Leutesdorf war nicht nur beim Emmausgang am Ostermontag Ziel Andernacher Wallfahrer. Hier taten zeitweise Franziskanermönche aus Andernach in der Pilgerseelsorge Dienst. Sie sahen die Pellenz als ihre Kornkammer und Leutesdorf als ihr Weinfass an.



Schließlich weist Professor Schwab noch auf die Hilfe der Leutesdorfer bei der Verteidigung der Stadt hin. 1465 wurde ein solcher Schutzvertrag erneuert, der offensichtlich schon älter war. In einer unsicheren Zeit mit schwacher Zentralgewalt kam es immer auf ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und den Beistand in Gefahr an. Für das rechte Rheinufer bestand ja auch ein solcher Schutzvertrag, die Linzer Eintracht. 1475 wurden die Leutesdorfer von den Andernachern bereits in die Pflicht genommen, als sie im Burgundischen Krieg den Andernachern bei der Bewachung der Stadt Hilfe leisten mussten.
Ebenso 1639, im Dreißigjährigen Krieg, als Schweden und Franzosen das Rheinland unsicher machten, mussten wieder 14 Leutesdorfer Männer den Andernachern Waffenhilfe leisten.

Sicher gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen hüben und drüben, wie sehr der Rhein auch eine Trennungslinie darstellen mag - und solche Verbindungen gibt es wohl heute noch. Andernach war als Einkaufsstädtchen bei den Leutesdorfern beliebt und wurde von ihnen gern als "Schmuckkästchen" bezeichnet. Leutesdorf wiederum stellte für viele Andernacher ein lohnendes Ziel seines Weines wegen dar. So mancher Andernacher brachte seinen „Selbstgezogenen“ mit dem Leiterwägelchen zur Fähre. Leutesdorf war im Sommer ein beliebtes Ziel für die Sonntagsspaziergänge der Andernacher; das begann am Ostermontag mit dem Emmausgang. Leider ist die jahrhundertealte Fährverbindung seit Jahren stark eingeschränkt. Dass die Verbindung trotzdem nicht ganz abgerissen ist, zeigt sich daran, dass die Leutesdorfer Weinkönigin von den Andernachern gern in Anspruch genommen wird und die Andernacher Bäckerjungen in keinem Leutesdorfer Winzerfestzug fehlen dürfen.


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