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Nachricht vom 27.05.2026    

IW-Gemeindecheck: So unterschiedlich sind die Lebensbedingungen in unserer Region

Von Regina Morkramer

Wo gibt es genug Ärzte und Schulen, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindung und Freizeitangebote? Der neue IW-Gemeindecheck vergleicht bundesweit alle 10.817 Gemeinden. Wie steht es um die Versorgung in den Kreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwald?

Betzdorf wird in der Gesamtbewertung als "gut" versorgt eingestuft. (Foto: rm)

Region. Der neue Gemeindecheck "Daseinsvorsorge" des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von Philip Morris zeigt in seiner Grafik schon auf den ersten Blick: So richtig gut scheint es um die Versorgung im nördlichen Rheinland-Pfalz nicht bestellt zu sein. Aber: Es gibt auch noch weitaus schlimmere Regionen im Land. Bewertet wurden unter anderem Ärzteversorgung, Schulen, ÖPNV, Breitband, Freizeitangebote und Erreichbarkeit zentraler Infrastruktur. Im bundesweiten Vergleich lässt sich festhalten, dass Rheinland-Pfalz mit Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zu den Schlusslichtern gehört. Das Nachbarland Nordrhein-Westfalen dagegen schneidet am besten ab. Mehr als jede zweite NRW-Gemeinde fällt in die Kategorie "sehr gut" versorgt, insgesamt 86 Prozent in eine der beiden Top-Kategorien ("sehr gut" und "gut"). Im Mecklenburg-Vorpommern gilt mehr als jede zweite Gemeinde als "sehr schlecht" versorgt.

Zur Methodik: Für den Gemeindecheck hat das IW alle 10.817 Gemeinden in Deutschland untersucht - anhand von 17 Indikatoren in fünf Bereichen: Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit), Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen), Mobilität (Qualität von Brücken, Verbindungen Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahn und Flughafen), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen) und Bildung (Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführende Schulen, Gymnasien, Versorgung mit Kitas). Bewertet wurde in den Einstufungen "sehr gut", "gut", "mittel", "schlecht" und "sehr schlecht". Hinzu kommt eine repräsentative Umfrage unter 5.455 Personen, die das Marktforschungsinstitut Bilendi vom 24. Juni bis 6. Juli 2025 durchgeführt hat. Hier zeigt sich: 53 Prozent der Menschen in Deutschland bewerten ihre Daseinsvorsorge positiv, nur jeder Vierte ist unzufrieden. Unter Anhängern von SPD, Union und Grünen hält rund jeder Zweite die Versorgung vor Ort für zuverlässig. Allein bei AfD-Anhängern überwiegt die Unzufriedenheit: 39 Prozent halten ihre Daseinsvorsorge für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig. Dieser Unterschied bleibt bestehen, auch wenn Lebensumfeld und sozio-demographische Merkmale herausgerechnet werden.

Gemeindecheck im Westerwald
Für die Region Westerwald zeigt sich ein differenziertes Bild der kommunalen Versorgungslage. Schaut man sich die Gesamtbewertung der Gemeinden in den Kreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwald an, fällt auf: Als „sehr gut“ bewertet wurden vor allem die Gemeinden im südlichen Westerwald (zum Beispiel Montabaur, Wirges, Molsberg), in der Nähe von Koblenz. Im Westen der Region profitieren Gemeinden von der Nähe zur (als „sehr gut“ bewerteten) Kreisstadt Neuwied; auch die Nähe zu Bonn spielt eine Rolle. So wurden beispielsweise Erpel, Linz am Rhein oder Unkel mit „sehr gut“ bewertet. Im Kreis Altenkirchen dagegen finden sich nur zwei Gemeinden mit der Gesamtbewertung „sehr gut“: Die Kreisstadt Altenkirchen und die Gemeinde Mudersbach in unmittelbarer Nähe zu Siegen. Im Kreis Altenkirchen finden sich auch die meisten mit „sehr schlecht“ bewerteten Gemeinden der Region. Dazu gehören etwa Harbach, Katzwinkel, Idelberg, Mittelhof, Fensdorf, Ölsen, Helmeroth, Hemmelzen, Mauden oder Seifen. Im Kreis Neuwied wurden die nebeneinander liegenden Gemeinden Rodenbach bei Puderbach, Ratzert, Niederwambach sowie die Gemeinde Thalhausen als „sehr schlecht“ bewertet. Auch im Westerwaldkreis gelten nur vier Gemeinden als „sehr schlecht“ versorgt: Kundert, Mörlen, Niedersayn und Stein-Wingert.



Die drei Kreise profitieren insgesamt von ihrer Lage zwischen den Ballungsräumen Köln/Bonn und Rhein-Main. Dennoch zeigt die Grafik ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: größere Zentren und Mittelstädte = gute bis sehr gute Versorgung, kleine, abgelegene Gemeinden = häufig nur durchschnittliche oder schwache Versorgung. Die größten Unterschiede bestehen bei: ÖPNV, Gesundheitsversorgung, digitaler Infrastruktur, Freizeit- und Kulturangeboten.

Kreis Altenkirchen
Der Kreis Altenkirchen zeigt insgesamt eine eher mittlere bis durchwachsene Versorgungslage. Städte und größere Verbandsgemeinden wie Wissen, Betzdorf oder Altenkirchen profitieren von besserer Infrastruktur, Bahnanschlüssen und medizinischer Versorgung. Kleinere, ländlich geprägte Gemeinden im Norden und Westen des Kreises schneiden schwächer ab – insbesondere bei ÖPNV, Gesundheitsversorgung und Freizeitangeboten. Die Nähe zu Nordrhein-Westfalen wirkt sich teilweise positiv auf Pendler- und Verkehrsanbindungen aus.

Kreis Neuwied
Der Landkreis Neuwied gehört innerhalb der drei betrachteten Kreise tendenziell zu den besser versorgten Regionen. Besonders die Rheinschiene mit Neuwied, Linz oder Bad Hönningen verfügt über vergleichsweise gute Infrastruktur, medizinische Angebote und Verkehrsanbindung. Gemeinden im Wiedtal oder im westlichen Kreisgebiet weisen dagegen eher durchschnittliche bis schwächere Werte auf. Insgesamt profitiert der Kreis stark von der Nähe zu Koblenz und Bonn.

Westerwaldkreis
Der Westerwaldkreis zeigt ein gemischtes Bild: Die urbaneren Zentren wie Montabaur, Hachenburg oder Wirges schneiden vergleichsweise gut ab. Vor allem Montabaur profitiert von ICE-Anbindung, Autobahnnähe und digitaler Infrastruktur. Kleinere Ortsgemeinden im hohen Westerwald liegen dagegen häufiger in den unteren Bewertungskategorien. Besonders bei Mobilität und Erreichbarkeit öffentlicher Angebote zeigen sich Unterschiede zwischen den zentralen Verbandsgemeinden und peripheren Orten.

>>Hier<< geht es zum neuen IW-Gemeindecheck. Eine Suche nach einzelnen Gemeinden ist möglich.


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