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Nachricht vom 18.06.2012    

Wirtschaftsethiker Dr. Ulrich Thielemann in Rengsdorf zu Gast

Thielemann ist Verfechter für eine menschliche Marktwirtschaft – Rengsdorfer Publikum zeigte sich sehr interessiert und diskussionsfreudig

Rengsdorf. Der Kulturkreis Rengsdorf und der Arbeitskreis Lokale Agenda 21 der Verbandsgemeinde hatten zu einem besonderen Vortrag eingeladen. Gast war Dr. Ulrich Thielemann, der Gründer und Direktor des "MeM - Denkfabrik für Wirtschaftsethik" in Berlin. Zuvor war er Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen (Schweiz).

Die Macher des Abends: Marie-Luise Dingeldey, Dr. Ulrich Thielemann, Rainer Dillenberger und Monika Edling (v.l.). Fotos: Wolfgang Tischler

Einem breiterem Publikum bekannt wurde Thielemann durch Stellungnahmen in Presse, Radio und Fernsehen sowie durch sein Buch „System Error. Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt“. Dr. Thielemann tritt für eine menschliche Marktwirtschaft ein.

Verbandsbürgermeister Rainer Dillenberger meinte bei seiner Begrüßung: „Wir sind immer nah dran an den Problemen unserer Zeit.“ Es war keine einfache Kost, die der Referent den Zuhörern in Rengsdorf präsentierte. Schnell standen Wirtschaftsfachbegriffe, gepaart mit den globalisierten Finanzmärkten im Raum, die der Referent mit Grafiken und Kurven anschaulich machte.

“Die Finanzkrise, die heute in der Euro- und Staatsverschuldungskrise ihre Fortsetzung findet, ist das Ergebnis einer jahrzehntelang betriebenen Politik der „Hofierung“ des Kapitals“, ist die Meinung von Thielemann und „die Finanzmärkte wurden dereguliert“. Zudem wurde der Managementnachwuchs an „Kapitaluniversitäten“ konsequent auf Gewinnmaximierung eingeschworen. Hinzu kommt: Statt das Kapital angemessen zu besteuern, haben sich die Staaten bei ihm immer weiter verschuldet. Thielemanns Grafiken zeigten eindeutig diesen Trend.

Dr. Thielemann geißelte auch die Abhängigkeit der Politik von den Kapitalmärkten. Schließlich wurden die gigantisch angewachsenen Vermögensbestände immer dann, wenn die Blase zu platzen drohte, durch Bürgschaften, weitere Staatsverschuldungen oder Geldmengenausweitungen zu retten versucht. Der tiefere Hintergrund dieser Politik ist der Glaube, dass die Hofierung des Kapitals der Schaffung von Arbeitsplätzen und damit „der Realwirtschaft“ dient.



Zur Untermauerung seiner Einschätzung zitierte Thielemann den ehemaligen Bundesbankpräsident Hans Tietmayer, der bereits 1996 gesagt hat: „Ich habe bisweilen den Eindruck, das sich die meisten Politiker immer noch nicht im klaren sind, wie sehr sie heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“

Der einstündige Vortrag mündete in eine rege, 90minütige Diskussion der 50 Besucher mit dem Referenten, obwohl zeitgleich das Fußballländerspiel gegen Holland lief. In der Diskussion gelang es Dr. Ulrich Thielemann einiges zu konkretisieren und auch für die nicht wirtschaftspolitisch fitten Besucher verständlich zu machen. Marie-Luise Dingeldey, die Vorsitzende des Rengsdorfer Kulturkreises, als Mitveranstalterin, freute sich über den sehr informativen Abend, der die Zuhörer doch sehr nachdenklich machte und Denkanstöße gab. Wolfgang Tischler


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