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Nachricht vom 17.10.2025    

Dreikirchenweg Westerburg: Spirituelle Rundtour durch die Stadtgeschichte

Von Katharina Kugelmeier

Der Dreikirchenweg in Westerburg ist eine spirituelle und kulturhistorische Entdeckungsreise auf 3,4 Kilometern. Diese besondere Rundwanderung verbindet drei bedeutende Kirchen der Stadt und führt dabei durch die schönsten Winkel von Westerburg. Somit ist der Dreikirchenweg eine besondere Tour für alle, die Kultur, Geschichte und Spiritualität miteinander verbinden möchten.

Wer zwischen Turm und Kirchenschiff der Christkönig-Kirche hindurchschaut, kann die Schlosskirche in Westerburg sehen. (Foto: Katharina Kugelmeier)

Westerburg. Wer einen kurzen, aber gehaltvollen Spaziergang sucht, der Geschichte und Kultur miteinander verbindet, wird auf dem Dreikirchenweg begeistert sein. Seit 2021 ist der Weg mit gelben Kirchensilhouetten auf schwarzem Grund frisch ausgeschildert und lädt ein zu einem "Stadtbummel der besonderen Art". Die drei Eckpunkte - die evangelische Schlosskirche, die katholische Christkönig-Kirche und die Wallfahrtskirche Liebfrauen - erzählen zusammen über 500 Jahre Westerburger Kirchengeschichte. Dazu kommen weitere kulturelle Stationen wie das Burgmannenhaus, der historische Rathausplatz und die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge.

Foto: Katharina Kugelmeier

Startpunkt ist die weithin sichtbare evangelische Schlosskirche, die majestätisch über der Stadt thront. Um 1300 wird erstmals für die "Capell in dem Dail" ein Kaplan genannt - diese Kapelle gilt als Vorgängerbau der heutigen Kirche. Der Bau der heutigen Schlosskirche begann 1517, die Fertigstellung erfolgte nach 1540. Besonders beeindruckend ist die Geschichte der Reformation: 1564 führte Graf Reinhard II. die lutherische Reformation in der Grafschaft ein, und die Westerburger Kirche wurde zur Pfarrkirche für das selbstständige Kirchspiel Westerburg mit den Dörfern Halbs, Hergenroth und Stahlhofen am Wiesensee.

1817 vereinigten sich die lutherische und reformierte Kirche zur evangelisch-christlichen Kirche. Die Grafen konnten einst vom Schloss aus den Hang hinunter zur Kirche gelangen und sie über die rückseitige Tür betreten. Unter dem Chor befindet sich eine Gruft, die mehr als drei Jahrhunderte die Grablege der Grafen von Leiningen-Westerburg war. Die Bildnisgrabsteine aus dem 16. Jahrhundert, die bemalte Holzempore und die farbigen Fenster des Künstlers Eugen Keller aus Höhr-Grenzhausen verleihen der Kirche ihre altehrwürdige Atmosphäre.

Foto: Katharina Kugelmeier

Von ihr führt der Weg bergab über die Treppchen am Trotzeberg, wo auch einige Petermännchen-Schilder zu entdecken sind, über den schönen Rathausplatz zur katholischen Christkönig-Kirche. Diese moderne Pfarrkirche wurde 1964 eingeweiht und löste die Liebfrauenkirche als Pfarrkirche für die katholischen Christen Westerburgs ab. Die Christkönig-Kirche ist ein Beispiel für die Kirchenarchitektur der 1960er Jahre und beherbergt als besondere Kostbarkeit das mittelalterliche Gnadenbild der "Thronenden Madonna" aus der ersten Kapelle auf dem Reichenstein. Dieses historische Marienbildnis wurde hier aufgestellt, als die Liebfrauenkirche 1964 ihren Status als Pfarrkirche verlor. Ein großes Marienbild an der Kirchenrückwand zeigt das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter aus der Liebfrauenkirche mit der erkennbaren Westerburger Oberstadt und Schlosskirche im Hintergrund - ein eindrucksvoller Bezug zur örtlichen Wallfahrtstradition.



Eine weitere architektonische Besonderheit ist der nicht mit dem Kirchenschiff verbundene Kirchturm. Dieser steht einige Meter neben der Kirche. Schaut man von weiter oberhalb zwischen Turm und Kirchenschiff hindurch über Westerburg, sieht man am gegenüberliegenden Hang die Schlosskirche.

Foto: Katharina Kugelmeier

Bergauf führt der Weg über den Hubenberg zur Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau vom Reichenstein, liebevoll "Liebfrauenkirche" genannt. Hier wartet die bewegendste Geschichte der drei Kirchen: Bereits 1310 wurde auf dem Reichenstein eine Marienkapelle errichtet, die nach ihrem Bauherrn Reinhard I. von Westerburg "Reinhardskapelle" genannt wurde. 1350 wurde dieser Kapelle eine "Thronende Madonna" gestiftet, und noch im 14. Jahrhundert entwickelte sich diese Madonna zum Ziel lokaler Wallfahrten. 1430 kam das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter dazu, das dem in der Abtei Marienstatt ähnelt.

Die Kapelle wurde im späten 15. Jahrhundert zur heutigen Kirche erweitert und 1498 konsekriert. Fünf Bruderschaften organisierten damals Pilgerreisen aus dem gesamten Rheinland nach Westerburg. Mit der Einführung der Reformation wurde die Wallfahrtskirche 1564 aufgehoben, das Gnadenbild entfernt und das Gebäude verfiel zur Ruine - doch die Wallfahrten rissen nie völlig ab. Ab 1860 betrieb die aus Österreich stammende Gräfin Seraphine von Leiningen den Neubau einer katholischen Kirche, und 1899 wurde die heutige Liebfrauenkirche konsekriert. Von 1925 bis 1964 war sie Pfarrkirche für Westerburg, heute ist sie wieder reine Wallfahrtskirche und ein Ort der Stille und Besinnung.

Foto: Katharina Kugelmeier

Der Rückweg führt über die Kastanienallee in Serpentinen bergab, vorbei an der ehemaligen Mühle Jung zurück in die Stadt. Dabei passiert man die alte Landratsvilla Hotel Bender und steigt die Langgasse hoch in die Altstadt. Auf halber Höhe zweigt der Weg zum Burgmannenhaus ab, wo sich ein schöner Rastplatz mit Spielplatz befindet. Auch die ehemalige Synagoge wird sichtbar, und eine Gedenktafel erinnert an die ehemaligen jüdischen Mitbürger Westerburgs.

Der Dreikirchenweg ist größtenteils asphaltiert und führt über Treppen auf und ab. Beide katholischen Kirchen sind tagsüber geöffnet und laden zur Besichtigung ein.

Informationen:

Art: Rundweg
Schwierigkeit: leicht/mittel
Strecke: 3,4 km
Dauer: rund 1,5 Stunden
Steigung: einige Höhenmeter und viele Stufen
Familiengeeignet: Ja, mit Einschränkungen (Treppen)
Beschildert: Ja, gelbe Kirchensilhouetten auf schwarzem Grund
Beschaffenheit: überwiegend Asphalt, Treppen
Besonderheiten: Drei historische Kirchen, Rathausplatz, ehemalige Synagoge, Burgmannenhaus
Startpunkt: Schlosskirche Westerburg oder Liebfrauenkirche (Marienweg 12, 56457 Westerburg)
Zielpunkt: wie Startpunkt

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

Weitere Infos und Kontakt für Kirchenführungen


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