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Nachricht vom 25.05.2014    

Das Leben im Frauengefängnis

Geschichte in Lehrbüchern ist lehrreich, aber lange nicht so anschaulich wie erlebte Berichte von Zeitzeugen. Nach diesem Muster traf sich die Klasse 10rb der Nelson-Mandela-Realschule plus in Dierdorf mit einer ehemaligen Inhaftierten des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck.

DDR-Frauengefängnis Hoheneck - hier wurden Menschenrechte mit Füßen getreten. Foto: Wikimedia/Oxensepp

Bis zu 1.600 Frauen waren zeitweise in dem Gefängnis in Sachsen eingesperrt. Platz war dort eigentlich nur für 600 Gefangene. Die Frauen mussten teilweise auf dem Boden schlafen. Die Verhöre wurden nachts geführt, tagsüber war es bei Strafe verboten zu schlafen.

Hoheneck war das zentrale Gefängnis der DDR für Frauen, die wegen ihrer politischen Meinung auf der roten Liste des diktatorischen Regimes standen. In den Zellen wurden diese Frauen ganz bewusst mit Gewaltverbrecherinnen und Mörderinnen zusammen untergebracht. 2001 wurde das Gefängnis Hoheneck geschlossen. Ein Geschäftsmann wollte einen Freizeit- und Erholungspark daraus machen. Das scheiterte an wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Widerstand der Opferverbände. Seitdem steht das Gefängnis leer, kann aber auf Anfrage besichtigt werden.

Elke Schlegel kam 1958 in Jena zur Welt. Mit etwas über 20 Jahren wollte sie – zusammen mit ihrem Freund – aus der DDR ausreisen und in der Bundesrepublik leben. Sie stellte immer wieder Ausreiseanträge, die abgelehnt wurden. Dann demonstrierte die sie mit Gegnern des DDR-Regimes gegen das Ausreiseverbot. Im März 1983 wurde sie verhaftet, obwohl man ihr wenige Tage zuvor versprochen hatte, dass sie jetzt ausreisen dürfe.

Als sie verhaftet wurde, hatte die junge Frau bereits einen zwei Jahre alten Sohn. Der wurde in der Haftzeit von Elkes Mutter versorgt. Wegen „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ wurde Elke Schlegel zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis in Hoheneck verurteilt. Im Gefängnis wurde sie untergewichtig. 1984 wurde die 26-Jährige von der Bundesrepublik freigekauft und durfte ausreisen. Ihr vier Jahre alter Sohn durfte ihr ein Jahr später nachfolgen. Sie hatte ihn zwei Jahre lang nicht mehr gesehen.




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Im April kam Elke Schlegel auf Einladung von Lehrerin Andrea Ruhl nach Dierdorf. In der 10rb berichtete sie vom Leid der Frauen im Gefängnis Hoheneck. Ihr wurden viele Fragen gestellt: „Hatten Sie Freunde im Gefängnis?“, „Wie übersteht man diese schwere Zeit?“, „Konnten Sie telefonieren?“, „Gibt es heute noch Probleme wegen Ihres Aufenthalts in Hoheneck?“, „Was haben Sie nach Ihrer Entlassung getan?“. Elke Schlegel beantwortete alle Fragen ausführlich. So wurde es für die Jugendlichen der 10rb eine der interessantesten Geschichtsstunden ihrer Schullaufbahn.

Während ihrer Schulabschlussfahrt nach Berlin kurze Zeit später konnte sich die Klasse einen persönlichen Eindruck verschaffen, wie es in einem DDR-Gefängnis aussah. Die Schülerinnen und Schüler machten einen Ausflug zur Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR. Der Besuch hinterließ ein beklemmendes Gefühl bei den Jugendlichen.


Lokales: Dierdorf & Umgebung
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