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Nachricht vom 03.02.2021    

Spezieller Friseurbesuch beim Landtagspräsidenten: „Die Lage ist tiefschwarz“

Von Daniel-David Pirker

An diesen Friseurtermin wird sich Landtagspräsident Hendrik Hering noch länger erinnern. Eine ganze Abordnung des Landesverbands Friseure und Kosmetik machte in dem Vorgarten seines Abgeordnetenbüros in Hachenburg auf die existenzbedrohende Situation der Branche aufmerksam. Bei dem SPD-Politiker stießen sie auf offene Ohren.

Mehrere Friseure machten mit Plakaten im Vorgarten des Wahlkreisbüros von Hering auf die prekäre Situation ihrer Branche aufmerksam. (Foto: ddp)

Hachenburg/Rheinland-Pfalz. Wenn der Vorsitzende des Landesverbandes Friseure und Kosmetik Rheinland den Zustand seiner Branche beschreibt, muss der ein oder andere erst mal schlucken. Am Dienstag, den 3. Februar, besuchte Guido Wirtz gleich mit einer ganzen Abordnung an Kolleginnen und Kollegen den rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Hendrik Hering vor seinem Wahlkreisbüro in Hachenburg. Und die Botschaft war unmissverständlich: Der Lockdown trifft die Friseure besonders hart. Seit Mitte Dezember haben die Salons geschlossen.

Im Gespräch mit den Kurieren macht Guido Wirtz unmissverständlich klar: „Es ist tiefschwarz. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen stehen kurz vorm Ruin.“ Angekündigte Staatshilfen seien bis dato nicht geflossen, zeigt sich der Verbandsvertreter aus der Eifel enttäuscht. Noch nicht einmal die Anträge könnten gestellt werden. Das entsprechende Portal werde erst Ende Februar geöffnet. Mit den Auszahlungen könne dann – vielleicht – im März oder April gerechnet werden.

Viele seiner Kolleginnen und Kollegen hätten schlicht nicht die finanziellen Rücklagen, um diese Durststrecke zu überstehen. Zahlreiche Friseure hätten bereits ihre Altersvorsorge aufgebraucht. Nun erwartet Wirtz von der Politik, die Zusage endlich wieder am 15. Februar öffnen zu dürfen. Wenn dies nicht möglich ist aufgrund der Pandemieentwicklung, müsse alternativ dann aber zumindest Geld fließen.

Gleichzeitig warnt Wirtz vor der Gefahr von Schwarzarbeit in seiner Branche. Er hätte bereits zahlreiche Menschen mit frischem Haarschnitt beobachten können. An entsprechenden Angeboten scheint es aus seiner Sicht nicht zu mangeln. Für die Friseure, die hier nachgeben, zeigt er Verständnis: „Ein Ertrinkender klammert sich an jeden Strohhalm.“ Seine große Sorge ist, dass in der Folge Corona-Hotspots in Privathäusern entstehen. Die Friseursalons hätten hingegen mit wirksamen Hygieneschutzkonzepten aufgewartet vor ihrer Schließung. Mediziner hätten ihm sogar OP-Standards bestätigt.



Zwar hat auch Wirtz Klage gegen die Zwangsschließung seines Salons beim Verwaltungsgericht Trier eingereicht. Allerdings fände er es unfair, nur auf die Politik draufzuhauen. Klar, einige Fehler seien passiert, aber nun müsse nach vorne geschaut werden.

Bei Hendrik Hering scheint er offene Türen einzurennen. Der Landtagspräsident und Abgeordnete zeigt Verständnis im Gespräch mit den Kurieren. Die Friseure seien mit am stärksten von der Krise betroffen. Die Aufwartung der Branchenvertreter sieht er als Chance, sich persönlich mit deren Schicksal vertraut zu machen. Bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer wolle er sich dafür einsetzen, die Verbandsforderungen bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin vorzustellen. Konkret will sich Hering für die zeitnahe Auszahlung von Abschlagshilfen einsetzen.

Auf Facebook unterstrich der SPD-Politiker im Nachgang seine Hoffnung, dass die Friseursalons unter den Ersten sein müssten, die wieder öffnen dürfen. „Bis es soweit ist, müssen die zugesagten Hilfen deutlich schneller fließen. Es ist schwer erträglich erleben zu müssen, dass das Wirtschaftsministerium in Berlin es anscheinend nicht schafft, dass Antragsportal vor Ende des Monats freizugeben. Mir fehlt jede Phantasie, was da so lange dauert“, so Hering in dem entsprechenden Beitrag auf dem sozialen Netzwerk. In einem P.S. betont der Hachenburger schließlich mit einem Augenzwinkern, dass dieser spezielle Friseurbesuch nicht mit einem Haarschnitt verbunden gewesen sei – was man nicht nur bei ihm sehen könne. (ddp)


Mehr zum Thema:    SPD   
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