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Nachricht vom 30.01.2021    

Nicole nörgelt… über kindische Schneekriege

Von Nicole

GLOSSE | Ich habe mir diese Woche einen Kindheitstraum erfüllt: Einmal einen Iglu bauen! Endlich gab es ja genug Schnee dafür und da mein Nachbar so freundlich war, mir die ganze weiße Pracht aus seiner Auffahrt vor meiner aufzutürmen, konnte ich mir diese Steilvorlage nicht entgehen lassen.

Foto: Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Region. Eigentlich bin ich ja kein Wintertyp. Ich mag es nicht, mich bis an die Nasenspitze einmummeln zu müssen, bevor ich rausgehe, und dann trotz dicker Stiefel und Stricksocken doch kalte Füße zu kriegen. Ich mag diese ewige Kälte nicht und den Westerwald-Wind, der durch jede Ritze bis auf die Haut fegt. Vielleicht war ich als Kind deshalb geradezu versessen darauf, mir einen eigenen Iglo zu bauen, denn die Eskimos müssen es ja wissen, die in meiner Kinderfantasie das ganze Jahr mit Schnee und Eis lebten und es sich in kuscheligen, kleinen Häuschen ganz in Weiß gemütlich machten. Jahr für Jahr habe ich beim ersten Flöckchen auf der Wiese hinter dem Haus versucht, mir einen Schneepalast zu bauen und dabei regelmäßig meine Mutter zur Verzweiflung gebracht, weil ich ihr den Rasen zermatscht und mich selber in das Moddermonster verwandelt habe.

Überflüssig zu sagen, dass es nie geklappt hat. Entweder verließ mich nach den ersten mühsam zusammengemanschten Brocken die Lust oder es war schlicht nicht genug Schnee im Garten, um aus dem ganzen eine „runde Sache“ zu machen. Hach, waren das noch Zeiten. Ich habe schon ewig nicht mehr an diese Kindheitserinnerungen gedacht, als Schnee noch Grund zu purer Freude war und ein Schlitten nach dem anderen durchgerutscht wurde statt sich über abgefahrene Winterreifen und morgendliches Eiskratzen zu ärgern.

In diesem Winter hatte ich kaum noch mit weißem Puderzucker über der Landschaft gerechnet. Bis ich letzte Woche vom lieblichen Kratzen der Schneeschieber über Bürgersteige geweckt wurde. Sie kennen dieses ratschende Geräusch, wenn die Schaufel über Gehwegsteine scheuert, rhythmisch wie die Ruderschläge von Galeerensklaven, während sich die Nachbarschaft einen Wettstreit liefert, wer am schnellsten vor der eigenen Haustür – und nur da, bloß keinen Zentimeter weiter als bis an die Grundstückgrenze! – alles freigeschaufelt hat.




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Mein Nachbar zur Rechten macht es sich da immer einfach und türmt seinen Schnee von seiner Einfahrt vor meiner auf. Reicht ja, wenn er mit dem Auto rauskommt, bei mir ist das nicht so wichtig. Gut. Spielen wir! Ich habe ihm den Gefallen getan und meinen Schnee gleich mit auf den Haufen geschmissen, der – was für ein Zufall! – zu einem guten Teil auf seiner Seite gelandet ist. Das ganze dann noch halbkugelförmig richtig schön festgeklopft, einen angedeuteten Eingang reingedrückt und voilà – der wahrscheinlich schönste Iglo seit meiner Kinderzeit war ruckzuck fertig, so fest zusammengebacken, dass er bis April nicht schmelzen wird. Gut, betreten konnte man ihn zwar nicht, geschweige denn, es sich darin bequem machen. Aber wer will denn so kleinlich sein?

Was höre ich da? Kindisch finden Sie das, mit den Nachbarn so einen albernen Schneekrieg anzuzetteln und sich auch noch darüber zu freuen? Pfft. Ich wollte eh nicht so schnell erwachsen werden und eine gescheite Schneeballschlacht schien mir in Zeiten des Social Distancing irgendwie zu gewagt. Also lassen Sie mir doch meine kindische Freude und genießen auch Sie das bisschen Weiß, solange es da ist. Und dann freuen wir uns wieder gemeinsam auf den Frühling.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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