Werbung

Nachricht vom 16.01.2021    

Nicole nörgelt – über die Freuden des Fernunterrichts

Von Nicole

GLOSSE | Im Hintergrund rumst es und ich sehe, wie die Schultern meiner Freundin auf der anderen Seite der Handykamera einen gefühlten Meter Richtung Boden sinken.

Derzeit ist Homeschooling angesagt. Foto: Wolfgang Tischler

Region. „Ich muss Schluss machen“, piepst sie mit Grabesstimme. „Meine… ähm… Schüler nehmen anscheinend grade das Klassenzimmer auseinander. Glaub mir, du kannst froh sein, dass du keine Kinder hast… Fernunterricht ist die Hölle!“

Froh sein, dass ich keine Kinder habe? Irgendwie ist das ein trauriger Satz, finden Sie nicht auch? Aber ich fange an zu begreifen, wo diese Frustration herkommt. Mutter von drei schulpflichtigen Kindern sein und einen Vollzeitjob stemmen, der sich nur teilweise im Home-Office erledigen lässt – das schlaucht, auch in „normalen“ Zeiten. Und jetzt kommt noch der Lehrer-Job dazu.

Für die Kinder muss es anfangs wie der Jackpot gewesen sein. Dauerferien! Zuhause abhängen! Netflix und Playstation den ganzen Tag und pffft, paar Arbeitsblätter und Hausaufgeben zwischendurch, wen schert das, kann ja eh keiner kontrollieren. Mehr als einmal habe ich die Klagen meiner Freundin gehört, wenn sie nach der Arbeit nachhause kam und ihre Große im Gammelklamotten auf dem Sofa vorfand, den „Unterricht“ schön auf „jaja, später“ verschoben. „Ich kann halt nicht die ganze Zeit daneben sitzen“, muss sich die Mutter rechtfertigen. Und selbst, wenn sie es tut – die Technik versaut alles. Stundenlang auf einen Ladekreis zu starren, wenn landesweit Schüler gleichzeitig versuchen, auf viel zu kleine Server zuzugreifen, macht wirklich keinen Spaß. Das ist wohl wie Weihnachten: Keiner hätte ahnen können, dass das kommt. Ironie aus.



Und die „echten“ Lehrer? Auch die tun mir grade nur leid. Sie werden aufgerieben zwischen den berechtigten Bedürfnissen von Eltern und Schülern, der Sisyphos-Arbeit, einen Unterricht vorzubereiten, der nötig und erwartet ist und doch irgendwie nicht stattfinden kann, der Sorge um die eigene Gesundheit und die der Kollegen, und das auch noch garniert mit „Wir haben gerade technische Schwierigkeiten, bitte schalten Sie Ihr Gerät nicht aus“.

Da muss es doch was Besseres geben. In unserer hochdigitalisierten Zeit, in der alles so einfach scheint und wir am Handgelenk mehr Megabyte tragen als 1969 für die Mondlandung nötig waren, fällt etwas Essentielles wie Schulunterricht durchs Raster? Davon, dass Schule mehr ist als Lernen und im Klassenzimmer sitzen, will ich gar nicht anfangen.

Also gut, vielleicht sollte ich doch ein bisschen froh sein, keine Kinder zu haben. So traurig das auch ist.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und tapfer,
Ihre Nicole


Hier finden Sie weitere Glossen von Nicole.


Mehr dazu:   Nicole nörgelt  
Lokales: Dierdorf & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Gutenberg-Schule feiert 60-jähriges Bestehen

Am 21. März 2026 begeht die Gutenberg-Schule ein besonderes Jubiläum. Die Feierlichkeiten beginnen mit ...

Big House stellt "Berufe in Uniform" vor: Info-Nachmittag lädt am 12. März ins Neuwieder Jugendzentrum

Fast 330 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland, hinzu kommen tausende Studiengänge an Unis ...

Informatik-Talente aus Neuwied: WHG-Schüler überzeugen beim Bundeswettbewerb Informatik

Fünf Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Neuwied erzielten Erfolge beim Bundeswettbewerb ...

Zeugensuche nach schwerem Unfall in Erpel

Am Donnerstagnachmittag (26. Februar) ereignete sich ein Verkehrsunfall in der Ortslage Erpel. Ein Fußgänger ...

Neue DNA-Methoden entdecken alten Tatverdächtigen im Cold Case "Amy Lopez": Festnahme nach 31 Jahren

Anlässlich der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall der ermordeten Amy Lopez fand in Koblenz eine ...

Tag der offenen Tür im neuen Schöppche 2.0 in Neuwied

Nach einem Jahr Bauzeit öffnet das "Schöppche 2.0" des Caritasverbands Neuwied seine Türen. Am Samstag, ...

Weitere Artikel


Verkehrsunfälle durch Eisplatten und unter Betäubungsmitteleinfluss

Die Polizeiautobahnstation Montabaur meldet einen Verkehrsunfall durch von einem LKW abgerutschte Eisplatten ...

Werbung mit skandalösen Preisen für Lebensmittel verbieten

Angesichts der aktuellen, dramatischen Butterpreissenkung im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) fordert der ...

Familie aus Kleinmaischeid wird 100. Mitglied der Wäller-Markt-Genossenschaft.

Der Vorstand der im September gegründeten Wäller Markt Genossenschaft, Andreas Giehl, erfreut sich auch ...

RWG-Infotag in Zeiten der Pandemie

Der RWG-Infotag fand am Samstag, 16. Januar, in etwas anderer Form als üblich statt. In Zeiten der Corona-Pandemie ...

Zoo Neuwied ist wichtig für Neuwieder Schulleben

"Zoo Neuwied angeschlagen und von Schließung bedroht" - diese Nachricht hat die Schulgemeinschaft des ...

DRK-Bilanz zur Impfung in Pflege- und Altenheimen

DRK-Präsident Rainer Kaul zieht erste Bilanz von aufsuchenden Impfungen und Testungen von Alten- und ...

Werbung