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Nachricht vom 09.12.2020    

Seit 365 Tagen ist die Manege geschlossen

Von Eckhard Schwabe

Künstler und Artisten haben es in der jetzigen Zeit nicht wirklich einfach. So auch die Familie Karl Frank von der Dschungel-Show. Seit Dezember 2019 konnte der Zirkus keine einzige Vorstellung mehr geben. Die Kuriere sprachen mit Zirkusdirektor Karl Frank, wie es ihm und seinem Zirkus geht und wie es weitergehen kann.

Noch immer düstere Aussichten für den Zirkus. Fotos: Eckhard Schwabe

Neuwied „Es ist schon richtig schlimm, seit gut einem Jahr haben wir keine Vorstellung mehr geben können“, erzählt Karl Frank bei unserem Besuch im provisorischen Winterlager des Zirkus. Seit März haben er und seine rund 20-köpfige Familie ihre Wohnwagen und Zelte im Bereich des alten Reitplatzes hinter der Deichwelle in Neuwied aufgeschlagen. „Den Winter nutzen wir in der Regel, um uns auf die neue Spielzeit vorzubereiten, die Bühnenbilder zu bauen, die neue Show einzustudieren, doch dieses Jahr ist alles anders“, weiß Frank zu berichten. „Ich schlafe nachts so gut wie nicht mehr durch, die Gedanken sind bei meinem Zirkus, den rund 40 Tieren und wie ich den Zirkus am Laufen halten kann“, so Karl Frank auf dem Weg ins Zelt seiner Tiere.

Ruhig und wohlig warm
Wir betreten das große Zelt, in dem Karl Frank seine Tiere untergebracht hat. Eine angenehme Wärme kommt einem entgegen und es fällt sofort auf, dass es den Tieren sehr gut geht. „Es ist schon eine große Herausforderung das notwendige Futter für die Tiere zu besorgen. So kann die Giraffe, Sabu, nicht wie die anderen Tiere mit normalem Heu gefüttert werden, hier müssen wir „Luzerne-Heu“, welches reich an den notwendigen Vitaminen ist, kaufen, dies ist nicht ganz so einfach berichtet Frank. Für Sabus Futter fährt er bis nach Köln, damit es Sabu an nichts mangelt. Zwei große Rundballen Heu für die Kamele, Dromedare und Pferde werden pro Tag benötigt, dazu noch Kraftfutter und nicht zu vergessen, den Diesel für die Zeltheizung. Das Futter muss von guter Qualität sein, damit die Tiere nicht krank werden und mit ausreichend Nährstoffen versorgt sind berichtet der Zirkusdirektor.

Karl Frank hält kurz inne, als ob ihn etwas schwer belastet, dann erzählt er in Teilen verärgert und traurig, dass es Menschen gibt, die in seinem Namen von Haus zu Haus laufen, Gelder sammeln oder um Futterspenden bitten. „Wir gehen niemals von Haus zu Haus, oder stehen in der Innenstadt, um Gelder zu sammeln oder um Futterspenden zu bitten. Wir haben schon Anrufe von Spendern erhalten, warum wir nicht das versprochene Futter abholen würden, wir wussten davon nichts, dies ärgert uns enorm und ist nicht in unserem Interesse. Jede Spende, sei es Geld, eine Sachleistung, wie jetzt der Bagger, den wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, damit wir unsere Einfahrt zum Platz vom Schlamm befreien können, oder Rundballen Heu und Kraftfutter, wir sind um jede Spende dankbar und auch auf diese Art der Unterstützung angewiesen.“

Frank öffnet das Gehege seiner Giraffe Sabu, dass erhaben wirkende Tier lässt sofort von seinem in rund fünf Meter hoch hängenden Futternetz ab und senkt seinen Kopf um mit Frank auf Tuchfühlung zu gehen. Die zwei haben schon ein besonderes Verhältnis zueinander. Mit rund 15 Jahren ist Sabu im besten Alter. Im Hintergrund springt gerade wieder die Zeltheizung an und bläst warme Luft.



Nachwuchs steht ins Haus
Bei den Kamelen und Dromedaren sind die weiblichen Tiere zur Zeit alle tragend. „Wir züchten unseren eigenen Nachwuchs selbst und das schon seit Jahren,“ weiß Zirkusdirektor Frank zu berichten. Es ist ihm und seiner Familie sehr wichtig, dass es den Tieren an nichts fehlt und dafür arbeitet er jeden Tag hart.

Das nächste Programm ist in der Vorbereitung
„Weg vom reinen Zirkus mit seinen Tierdressuren, wir sind an einem ganz anderen Konzept dran. Hierbei werden Jamal (10 Jahre) und Chanty (12 Jahre) die tragenden Rollen spielen. Jamal und Chanty werden gemeinsam mit unseren Tieren eine Kindergeschichte in der Manege erzählen, wenn Jamal zu Bett geht und anfängt zu träumen wird er von Sabu geweckt und in die Welt des Dschungels „entführt“ und erlebt mit ihm so manches Abenteuer“ mehr möchte Karl Frank aber an dieser Stelle von der Geschichte nicht verraten.

Das Bühnenbild und die Wagen für die Dschungel-Show sind bereits fertig. Frank hat viel Geld für Bühnenbild und Werbung auf den großen Anhängern investiert, denn nur so kann er auf sich und die Geschichte von Jamal und Chanty aufmerksam machen. „Wenn wir mit voller Besetzung sind, haben wir mehr als 30 Mitglieder im Ensemble, dann wird aus unserer Familie eine richtig große Familie. Wir hoffen, dass wir im nächsten Frühjahr mit unserer Dschungel-Show durchstarten können.“

Wie kann geholfen werden?
Neben der jetzt schon vorhandenen Unterstützung durch Firmen aus Neuwied sind weitere Spenden gerne gesehen. Wer jemanden kennt, der wieder jemanden kennt um für ausreichend Kraftfutter, Heurundballen, Diesel oder Geld für die notwendigen Beschaffungen spenden möchte, der kann sich direkt an Karl Frank unter der Rufnummer 0177/9096329 wenden. Für Geldspenden bitte die nachfolgende Bankverbindung nutzen: DE 29 100 100 100 092 208 133

„Wir haben in der ganzen Zeit, in der wir hier in Neuwied sind viele, wirklich sehr viele Unterstützer gefunden, es hat sich sogar eine kleine Fangemeinde gebildet, sie besuchen uns fast jede Woche. Einige haben sich in unserer Tiere geradezu verliebt. Die Neuwieder sind vom Herzen sehr offen, dieser Zuspruch tut uns gut und lässt uns positiv in die Zukunft blicken. Für diese und die hoffentlich noch folgenden Hilfen sind wir alle mehr als dankbar, an erster Stelle unsere Tiere und wir wünschen allen eine geruhsame Weihnachtszeit und bitte bleiben sie alle gesund, damit wir uns im nächsten Jahr bei einer unserer Vorstellungen sehen“, meinte Karl Frank zum Abschluss.
Eckhard Schwabe


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