Werbung

Nachricht vom 19.11.2020    

Krankenhausgeschäftsführer wertet Gesetzvorlage als verbesserungswürdig

„Was ist der eigentliche Plan? Wertschätzung sieht anders aus!“ Guido Wernert, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaften St. Vincenz Limburg und Evangelisches Krankenhaus Dierdorf-Selters gGmbH, sieht in den aktuellen Gesetzesvorlagen zur Unterstützung der bundesdeutschen Kliniken (3. Bevölkerungsschutzgesetz) keine ehrlich gemeinte Hilfe.

Guido Wernert, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaften St. Vincenz Limburg und Evangelisches Krankenhaus Dierdorf-Selters gGmbH. Foto: privat

Dierdorf/Selters/Limburg. Seiner Ansicht nach ist dies die verdeckte Absicht, die Krankenhauslandschaft durch die Hintertür zu bereinigen: „Was den Abgeordneten aktuell zur Abstimmung vorliegt ist die Finanzierung von Katastrophenmedizin“, so Wernert. Der Gesetzgeber unterstütze die bloße Spitzenbelastung, nicht die allgemeine medizinisch-therapeutische Vorhaltung. „Deshalb sind die Berliner Pläne ein vergiftetes Geschenk an die bundesdeutschen Kliniken. Bevölkerungsschutz geht anders“, sagt Wernert.

Die geplanten Ausgleichszahlungen seien beispielsweise für eine Klinik wie das St. Vincenz Limburg tatsächlich nicht erreichbar: „Auch bei Vollauslastung unserer Intensivkapazitäten lägen wir unter den Gesetzesvorgaben und bekämen keine Ausgleichszahlungen.“ Denn die Zahlung sei neben der Inzidenz stets mit der Auslastung der Intensivkapazitäten aller Krankenhäuser eines Landkreises verbunden. Sie berücksichtige also in keinster Weise die Finanzierung der Vorhaltekosten bei allgemein schwindenden Patientenzahlen. Darüber hinaus seien die geplanten Zahlungen zeitlich sehr eng begrenzt. „Von einer wertschätzenden Vorhaltefinanzierung wie zu Beginn der Pandemie sind wir damit meilenweit entfernt“, so der Geschäftsführer, der für insgesamt vier Krankenhausstandorte verantwortlich zeichnet, die mit 2.400 Mitarbeitern jährlich 37.000 stationäre und 90.000 ambulante Patienten versorgen. Kleinere Häuser blieben komplett außen vor, darüber hinaus bleibe der Weg in und aus der Krise außerhalb des Blickwinkels: „Die Einflüsse einer Pandemie auf die Betriebsversorgung sind deutlich anspruchsvoller, als es der Gesetzgeber wahrhaben möchte.“

Der Gipfel der Ignoranz sei die Beibehaltung der Vorgaben zu den Pflegepersonaluntergrenzen (PpuGV): „Wie sollen wir unter solchen Bedingungen flexibel auf die enorme Herausforderung Corona reagieren können? Wie sollen wir so vorausschauend planen und die notwendige Intensivkapazität sichern“, fragt Wernert. „Ein völlig falsches Signal an die Gesellschaft“, nennt der Geschäftsführer die politischen Absichten. Letztlich werde nicht den Kliniken selbst, sondern den Kassen die Steuerungshoheit qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung übertragen: Es ist doch geradezu grotesk, wenn wir Krankenhäuser den Kassen gegenüber verpflichtet werden, einen Ausnahmezustand nachzuweisen“, empört sich der Krankenhausmanager. Das grenze fast an Planwirtschaft: bürokratisch, unflexibel, unkreativ. Sein Fazit ist eindeutig: Die Bewältigung der Krise wird auf dem Rücken der Kliniken ausgetragen.

„Was kommt nach dem Applaus? Das ist hier die Frage. Und die Antworten sind bislang mehr als ernüchternd,“ konstatiert der Geschäftsführer. „Es fehlt eine Perspektive, die den Krankenhäuser endlich den Stellenwert zuweist, den sie immer und unabhängig von Pandemien haben: Sie sind das Rückgrat der guten Gesundheitsversorgung der Republik. Bei ihnen liegt die Expertise und die Kompetenz, der Bevölkerung regional abgestimmt gute Medizin auf hohem Qualitätsniveau zu sichern.“ Dem liefen sämtliche Vorgaben der Regierung zuwider: „Das alles ist kein Zufall“, sagt Wernert. So seien im vergangenen Jahr ernsthaft die Ergebnisse dubioser Studien diskutiert worden, nach welchen die Anzahl bundesdeutscher Krankenhäuser um mehr als die Hälfte zu reduzieren sei. „Diese Strategien sind mehr als durchsichtig“, ist sich Wernert sicher: „Die Bundesregierung plant nur scheinbare Hilfen. Das ist unehrlich und kann ganz eindeutig nicht zur Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit gerade kleinerer und mittelgroßer Kliniken nicht funktionieren.“

Daher appelliert der Krankenhausgeschäftsführer erneut an Politiker in Bund und Land: „Wirken Sie bitte unter anederem auf eine Vorhaltefinanzierung der nicht belegten Betten sowie auf ein weiteres Aussetzen der Pflegepersonal-Regelungen ein. Alles Andere wird für viele Kliniken das Aus bedeuten.“ (PM)


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Die neuesten Beschlüsse zu Corona und die Auswirkungen für Rheinland-Pfalz

Angela Merkel hat mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in einer Videoschalte über neue Corona-Regeln sehr lange beraten. Malu Dreyer kam mit einer Verspätung von dreieinhalb Stunden zur angesetzten Pressekonferenz und nannte die wichtigsten Eckpunkte der Absprachen.


Corona: Kreis Neuwied erhält Unterstützung durch die Bundeswehr

Im Kreis Neuwied wurden 26 neue Positivfälle registriert. Die Summe aller Positivfälle steigt auf 1.821 an. Der Inzidenzwert liegt gemäß aktueller Berechnung durch das Landesuntersuchungsamt RLP bei 111,6. Damit liegt der Kreis Neuwied weiterhin in der Warnstufe „rot“ und gilt als Risikogebiet.


Region, Artikel vom 26.11.2020

Exhibitionistische Handlungen in Bendorf

Exhibitionistische Handlungen in Bendorf

Am Mittwoch, den 25. November 2020 gegen 20:10 Uhr kam es zu einer exhibitionistischen Handlung auf dem Parkplatz in der Mühlenstraße in Bendorf. Zu dem Vorfall sucht die Polizei Bendorf Zeugen.


Region, Artikel vom 25.11.2020

31 neue Coronafälle in der Stadt Neuwied

31 neue Coronafälle in der Stadt Neuwied

Die Kreisverwaltung meldet am heutigen Mittwoch, den 25. November 38 neue positive Coronafälle im gesamten Kreis. Die Summe aller Positivfälle steigt auf 1.795 an. Aktuell sind 321 infizierte Personen in Quarantäne. Der Inzidenzwert liegt gemäß aktueller Berechnung durch das Landesuntersuchungsamt RLP bei 111,0.


Angebot von „Amalie“ gibt es in der Tourist Information

Ohne Knuspermarkt keine Verkaufsstände. Das trifft natürlich auch auf den beliebten „Regionalladen Amalie“ zu. Daher hat das Team vom Neuwieder Stadtmarketing in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises für „Amalie“ einen neuen Verkaufsort gesucht und gefunden.




Aktuelle Artikel aus der Region


Neue Uferpromenade Neuwied nimmt konkrete Gestalt an

Neuwied. Das Verlegen des Pflasters läuft noch, abgeschlossen auf der kompletten Strecke wurden dagegen die Asphaltarbeiten. ...

Unfallflucht in St. Katharinen-Noll

St. Katharinen. Auf Grund von verengten Straßenverhältnissen, wartete ein LKW um den Gegenverkehr passieren lassen zu können. ...

Neue Outdoor Terminals im Wiedtal und Rengsdorfer Land

Waldbreitbach. Das dritte Terminal kommt ans Rathaus in Rengsdorf. Hier stehen noch Umbauarbeiten am Eingangsbereich bevor, ...

Erhalt und Ergänzung des bedrohten Lebensraums Streuobstwiese

Neuwied. Organisiert wurde die Aktion wieder vom Geschäftsführer der Abtei Rommersdorf-Stiftung, Dr. Reinhard Lahr gemeinsam ...

Corona: Kreis Neuwied erhält Unterstützung durch die Bundeswehr

Neuwied. Steigende Corona-Fallzahlen bedeuten auch steigende Herausforderungen bei der Ermittlung von Kontaktpersonen. Zudem ...

Nebengelenktiere „Lino“, „Pippa“ und „Evita“ in Prinz-Max-Halle

Neuwied. Die sympathischen Faultiere sind Laubfresser, welche sich fast ausschließlich in Baumkronen aufhalten und nur ausnahmsweise ...

Weitere Artikel


Förster Georg Pieper: Richtiges Verhalten zum Schutz des Waldes

Bad Honnef. Voraussetzung zum Betreten der Wälder ist das richtige Verhalten der Besucherinnen und Besucher, betont der Förster ...

Deichstadtvolleys vor wichtiger Aufgabe in Holz

Neuwied. So belastend sei das Heimspiel gegen die TG Bad Soden nicht gewesen, konstatierte VCN-Trainer Dirk Groß am Sonntag ...

Stadtwerke Neuwied warnen vor Telefonbetrug

Neuwied. „Mit den Daten ist es leicht, Kunden in neue Verträge bei einem anderen Anbieter zu locken“, erklärt Vertriebsleiterin ...

Sachspenden umgewandelt in 4.500 Euro für die VOR-TOUR

Neuwied. „Die Unterstützung ist einzigartig. Wahrscheinlich, weil jeder mitmachen und etwas Gutes tun kann." Der Spendenbetrag ...

Kreistag beschließt einen deutlich verbesserten Nachtragshaushalt

Neuwied. Damit konnte der positive Trend seit 2018 gehalten werden. Auch dort ergaben sich Jahresergebnisse von je rund 8,5 ...

So feierte Brückrachdorf Sankt Martin

Brückrachdorf. Die Helfer haben sich sehr gefreut, dass an vielen Haustüren sie mit selbstgebastelten Laternen und leuchtenden ...

Werbung