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Nachricht vom 25.08.2020    

NI: Im Bendorfer Wald sind Windindustrieanlagen nicht genehmigungsfähig

Der Bielefelder Energieparkentwickler UKA ist am Rande des Großbachtals im Bendorfer Wald nahe Höhr-Grenzhausen auf der Suche nach Grundstücken, um einen Windindustriepark errichten. Grundstückseigentümer wurden angeschrieben. Der Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI) positioniert sich.

Rotmilan im Sturzflug. Foto: Ingo Kühl/NI,

Bendorf. "Der Windindustriepark im Bendorfer Wald würde intakte Natur, bedeutende Wanderwege für die Europäische Wildkatze sowie Flugkorridore für Fledermäuse und Zugvögel zerstören", erklärte Biologe Günter Hahn, Wissenschaftlicher Beirat und Sprecher der Naturschutzinitiative e.V. (NI), der seinen heimatlichen Wald wie die eigene Westentasche kennt.

"Die Errichtung eines Windparks an dieser Stelle ist mit geltendem Naturschutzrecht nicht vereinbar, die artenschutzrechtlichen Konflikte sind zu groß", so Günter Hahn. Er habe zahlreiche Daten zum Rotmilan und weiterer windenergiesensibler Großvogelarten den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt. Außerdem seien die Menschen durch den Lärm der A3, des Rheintals mit seinem nächtlichen Güterverkehr schon genug gebeutelt. Der Lärm der Windindustrieanlagen käme dann noch hinzu. Dies sei nicht akzeptabel, so die NI.

Der Rotmilan, dessen Vorkommen besonders empfindlich sind und auch aufgrund der besonderen tiergeografischen Bedeutung nicht beeinträchtigt werden dürfen, brütet hier mit mindestens zwei Paaren. Mittlerweile sind Windindustrieanlagen für den Rotmilan Todesursache Nummer eins. Ebenso werde das Gebiet auch als Nahrungshabitat genutzt. Auch der streng geschützte Schwarzmilan und der Wespenbussard wären von den Plänen betroffen.

Zugvögel wie zum Beispiel der Kranich queren das Gebiet alljährlich in großer Zahl. Dabei rasten sie im Frühjahr je nach Wetterlage oft auf den vorgelagerten Feldern des "Langenbergs" und des "Nonnenbergs", um dann in geringer Höhe ihren Zug weiter nach Norden zu starten – diese streng geschützten Vögel würden geradewegs in den Windpark geraten.

Überwiegende Teile des beabsichtigten Gebietes liegen im FFH-Gebiet "Brex- und Saynbachtal", das gerade für die gegenüber Windkraftnutzung empfindlichen Fledermäuse eingerichtet wurde - 16 Arten wie das Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus leben hier.

Eine Besonderheit stellt das Vorkommen der streng geschützten und FFH-Art Europäische Wildkatze dar. Sie besitzt im oberen Großbachtal mit seinen Wiesen, strukturreichen Waldrändern und naturnahen Laubwäldern einen optimalen Lebensraum. Mehr noch: "Hier befindet sich das Nadelöhr für den Populationsaustausch im nördlichen Westerwald", betont Günter Hahn.

"Die optimalen Habitatbedingungen hier und in der angrenzenden Weitersburger Gemarkung garantieren die Vernetzung der Populationen südlich und nördlich der Autobahn A48, indem die Wildkatzen nur zwei Durchlässe zur Querung nutzen. Für den nördlichen Teil des Westerwaldes, der durch zwei Autobahnen sowie der ICE-Strecke durchtrennt wird, ist dieser Abschnitt das Nadelöhr für die dauerhafte Besiedlung mit der Wildkatze, die erst in den 90er Jahren von Süden her einwanderte. Der geplante Windpark würde mit seinen bau- und betriebsbedingten Wirkungen die Habitate zunichte machen und damit den Populationsaustausch verhindern, also eine Barriere für den nördlichen Westerwald darstellen."

„Das Gebiet ist ein Hotspot an Biodiversität, die nicht noch weiter zerstört werden darf. Schutzgebiete dienen dem Schutz von Wildtieren und nicht ihrer Industrialisierung. Wir raten den Projektierern daher dringend, ihre Pläne aufzugeben“, erklärten Harry Neumann, Landesvorsitzender der NI und Günter Hahn.

Der NR-Kurier hat bei der Stadt Bendorf diesbezüglich nachgefragt und folgende Antwort erhalten: „Der Stadt Bendorf ist bekannt, dass Grundstückseigentümer Post von dem besagten Unternehmen aus Bielefeld erhalten haben. Das Unternehmen sucht nach eigenen Angaben Flächen für drei Windkraftanlagen im Bereich oberes Großbachtal.

Mit dem Bürgermeister haben Vertreter der Firma nicht gesprochen und die Stadt hat als Eigentümer von Flächen in diesem Bereich auch keine Anfrage erhalten.“
(PM/red)



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