Werbung

Nachricht vom 06.07.2020    

Kein Schmerzensgeld für Verletzungen bei unbekanntem Kistenwerfer

Haftet eine im Rahmen eines Firmenlaufs für die Beleuchtung zuständige Firma für Verletzungen durch eine ihr gehörige, von einem Denkmal dem Kläger auf den Kopf fallende PVC-Box auf Schmerzensgeld? Mit dieser Frage hat sich die 6. Zivilkammer des Landgerichts Koblenz beschäftigt.

Symbolfoto

Koblenz. Zum Sachverhalt:
Der Kläger befand sich anlässlich eines Firmenlaufs auf einer Bierbank unterhalb eines Denkmals als von dort eine PVC-Kiste herabfiel und den Kläger am Kopf traf. Der Kläger erlitt hierdurch Schnittverletzungen im Bereich des Gesichts. Bei der PVC-Kiste handelte es sich um eine circa 60 mal 40 Zentimeter große Box der beklagten Firma. Ursprünglich befanden sich in der Kiste Lampen für die Beleuchtungstechnik.

Nach Erledigung der Installation der Beleuchtung hatten der Beklagte, der Geschäftsführer der gleichfalls beklagten Firma, und seine Mitarbeiter die Kiste hinter der ungefähr 1,20 Meter hohen, abgerundeten Brüstung des Denkmals so abgestellt, dass sie von unten nicht zu sehen war. Zum Zeitpunkt des Vorfalls etwa 30 Minuten später befand sich kein Mitarbeiter der Firma mehr im Bereich der Brüstung. Der Zugang zum oberen Teil des Denkmals ist durch Ketten abgesperrt. Wie es zum Herabfallen der Kiste kommen konnte, konnte nicht im Einzelnen aufgeklärt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass ein unbekannter Dritter die Kiste herabgeworfen hat. Der Kläger verklagte die für die Beleuchtungstechnik zuständige Firma und deren Geschäftsführer auf Zahlung eines Schmerzensgelds.

Die Entscheidung:
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen, weil keine Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht durch die beklagte Firma oder dessen Geschäftsführer nachgewiesen wurde.

Im Einzelnen:
Eine Verletzungshandlung durch den Beklagten selbst ist ausgeschlossen, da er weder die Kiste heruntergeworfen hat noch sie auf der Brüstung gestanden haben kann, weil diese so stark gerundet war, dass eine Kiste sicherlich bereits bei einem kleinen Windstoß herabfallen würde und nicht erst 30 Minuten später herabgefallen wäre. Für ein Aufwirbeln und anschließendes Herabfallen der Kiste durch Sturmböen war für das Gericht bei einer Brüstungshöhe von etwa 1,20 Meter nichts ersichtlich.



Es bleibt nach Auffassung des Gerichts als einzige Ursache für den Vorfall, dass sich ein unbekannter Dritter Zutritt zu dem Denkmal verschafft haben muss und die dort von Mitarbeitern des Beklagten abgestellte Kiste herabgeworfen hat. Eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch den Beklagten ist nach Ansicht des Gerichts bei einem solchen Geschehen nicht anzunehmen. Da das Denkmal für den öffentlichen Zugang abgesperrt war, musste der Beklagte hier keine weitere Absperrung vornehmen oder sonstige Sicherungen gegen einen unbefugten Zugriff auf die Kiste treffen. Er musste nicht damit rechnen, dass sich Unbefugte Zutritt zum Denkmal verschaffen und aus nicht unerheblicher Höhe eine Kiste in eine Menschenansammlung herunterwerfen würden.

Die Verkehrssicherungspflicht erfordert es auch nicht, dass Kisten sogleich in einem Transportfahrzeug unter Verschluss genommen werden. Ein solcher Aufwand erschien dem Gericht unverhältnismäßig, da die Lichtanlage nach dem Event wieder abgebaut wurde und die Kisten nur für die Dauer der Veranstaltung in dem abgesperrten und von unten nicht einsehbaren Bereich abgestellt waren.
(Urteil des Landgericht Koblenz – 6 S 258/19 (rechtskräftig))


Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Neuwieder Streetballturnier geht in die dritte Runde

Am Samstag, 29. August 2026, wird der Streetballplatz in Neuwied erneut zum Schauplatz eines sportlichen ...

Schwerer Unfall auf der L255 bei St. Katharinen: Motorradfahrer kollidiert mit Felswand

Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Sonntag (9. August) auf der L255 bei Als-Au in St. Katharinen. ...

Von Rhein in Flammen ins Gefängnis: Missglückte Heimfahrt endet hinter Gittern

Am Wochenende kam es im Dienstgebiet der Polizeiinspektion Neuwied zu einigen Vorfällen, die die Beamten ...

Glanz und Glamour auf Rädern: Unvergesslicher Oldtimertag in Oberdreis

Bei strahlendem Sonnenschein kamen von allen Seiten mindestens 20 Jahre alte Fahrzeuge am Sonntag, dem ...

Aktualisierung: Schwerer Verkehrsunfall auf der K19 bei Vettelschoß – zwei Todesopfer

Am Sonntag, 9. August, ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall auf der K19 bei Vettelschoß, bei dem ...

Sommer im KulturWerk Wissen: 60-jähriges Bühnenjubiläum der Band "The Rhythmics"

In Wissen bildeten sich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zahlreiche Jugendgruppen mit unterschiedlichen ...

Weitere Artikel


Live-Satellitenbilder zeigen Schülern der Realschule Asbach Klimawandel

Der Klimawandel, verdeutlicht mit Live-Satellitenbildern des Wissenschaftlers der Geoscopia – Umweltbildung/ ...

SPD Ortsverein Maischeid wählte neuen Vorstand

Bei der Mitgliederversammlung des SPD Ortsvereins Maischeid am 3. Juli im Dorfgemeinschaftshaus in Großmaischeid ...

Brimmer Group zählt zu besten Mittelstandsberatern Deutschlands

Die Brimmer Group Sachverständige und Auditoren, mit Sitz in Bendorf am Rhein zählt zu den besten Mittelstandsberatern ...

Motorradfahrer rasen im Bereich der Alteck

Im Zeitraum von Freitag, 3. bis zum Sonntag, 5. Juli teilten Zeugen der Polizei Neuwied wiederholt mit, ...

Reiner Meutsch zeigt sich im Fernsehen zu Tränen gerührt

„Ein kleiner Junge ist im Westerwald auf die Welt gekommen und träumt vom Fliegen…eines Tages erfüllt ...

Trunkenheitsfahrt mit "Beinahe-Unfall" auf der A 3- Zeugenaufruf

Am heutigen Sonntag, 5. Juli, gegen 13:30 Uhr, wurde der Autobahnpolizei in Montabaur ein unsicher fahrender ...

Werbung