Werbung

Nachricht vom 13.04.2020    

Für Saisonkräfte: Abstand und Händewaschen – Mobil-WC ist tabu

Was auf den heimischen Feldern wächst, ist gefragte Ware im Landkreis Neuwied: „Regionale Produkte stehen ohnehin hoch im Kurs. Dazu kommt noch, dass während der Corona-Pandemie frisches Obst und Gemüse sowieso gut gehen – als Alternative zu den auf Vorrat gekauften Raviolidosen und Tütensuppen. Und natürlich als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie“, sagt Walter Schneider von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Koblenz-Bad Kreuznach.

Foto: IG Bauen-Agrar-Umwelt

Neuwied. Allerdings hätten viele Landwirte in der Region ein Problem, das sich durch die Corona-Pandemie nochmals massiv verschärfe: Es fehlen Helfer auf den Höfen, so die Agrar-Gewerkschaft IG BAU. Saisonkräfte aus Rumänien oder Bulgarien dürften wegen der Corona-Pandemie nur bedingt einreisen – zu wenige, um eine reibungslose Ernte zu garantieren. „Jetzt geht es darum, ein neues Wort zu entdecken: ‚Ernte-Solidarität‘. Wer aus dem Landkreis Neuwied zupacken kann, sollte das jetzt tun. Es ist die Chance, Geld nebenbei zu verdienen und die Zeit sinnvoll zu investieren. Spargel, Spinat, Porree … – das April-Gemüse wartet nicht“, so Walter Schneider.

Dabei gehe es nicht nur um die Ernte. Es sei auch die Zeit fürs Pflanzen und Säen: Karotten, Blumenkohl, Radieschen, Zwiebeln, Kopfsalat, Kohlrabi & Co. müssten jetzt auf die Felder. Im Mai nehme die Arbeit für Pflanz- und Erntehelfer dann noch einmal deutlich zu. „Durch die Corona-Krise ist die Landwirtschaft auf etwas angewiesen, was es schon lange nicht mehr gab: Darauf, dass alle vor Ort mit anpacken. Auf ein ‚Pflanzen und Ernten – zu (fast) 100 Prozent made by Kreis Neuwied ‘“, sagt Schneider von der IG BAU Koblenz-Bad Kreuznach.

Allerdings dürfe das nicht um jeden Preis geschehen, warnt die Agrar-Gewerkschaft: Lohn und vor allem auch Hygienestandards seien wichtig. „Wer Schüler, Studenten oder Flüchtlinge für die Arbeit auf dem Feld anheuert, der muss sie auch fair bezahlen“, verlangt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Koblenz-Bad Kreuznach. Auch in der Landwirtschaft gelte der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Zusätzlich fordert die IG BAU für Saisonarbeiter genauso wie für die Stammbelegschaften in Agrarbetrieben eine Erschwerniszulage. „Immerhin setzen sich die Beschäftigten in der Phase der Corona-Pandemie bei ihrer Arbeit auch einem gewissen gesundheitlichen Risiko aus“, so Walter Schneider. Landwirte in der Region sollten eingearbeitete Saisonkräfte daher „mit einem Lohn nicht unter 11 Euro pro Stunde vom Feld gehen lassen“.

Viele würden zunächst ohne Vorkenntnisse kommen, was die Arbeit in der Landwirtschaft angeht: „Laien werden die professionellen Handgriffe erst lernen müssen“, so der Gewerkschafter. Hier brauchten beide etwas Geduld – die Helfer, aber auch die Landwirte. „Schulen, Fachhochschulen und Unis, die geschlossen haben. Menschen in Kurzarbeit oder im Vorruhestand, die sich etwas hinzuverdienen wollen. Oder Beschäftigte, die schon ihre Kündigung bekommen haben. Und auch Geflüchtete, die ihre Chance sehen, an Arbeit zu kommen. – Die aktuelle Situation darf nicht dazu führen, dass Menschen bei der Erntearbeit auf den Feldern über den Tisch gezogen werden“, sagt Schneider.

Neben der Bezahlung sei aber auch die Hygiene bei der Arbeit auf den Feldern wichtig – sogar das A und O: Es komme darauf an, auch draußen das regelmäßige Händewaschen und Desinfizieren sicherzustellen. „Das bedeutet, dass die Toilette am Feldrand einen Wasseranschluss braucht. Das sonst übliche Mobil-WC reicht hier nicht. Denn ohne Wasser – kein Händewaschen“, macht Walter Schneider deutlich. Wenn Pflanz- und Erntehelfer in Unterkünften untergebracht werden, dann seien dabei Einzelzimmer notwendig. „Die Corona-Pandemie bedeutet das Aus der sonst üblichen Sammelunterkünfte. Denn dort gilt das gleiche wie auf den Feldern: Der Abstand von mindestens 1,5 Metern ist Pflicht. Besser ist eine ganze Zollstocklänge: also 2 Meter Abstand vom Nebenmann“, erklärt der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Zudem müssten Sozial- und Sanitärräume alle zwei Tage fachmännisch gereinigt werden.

„Was auch tabu ist: die Sammelfahrt von Feld zu Feld. Neun-Mann-Bullis dürfen nicht mehr voll besetzt zum Einsatz kommen“, sagt Schneider. Erntehelfer sollten möglichst alleine und mit dem eigenen PKW, Motorroller oder Fahrrad zur Feldarbeit fahren. Dafür müsse ihnen der Landwirt eine Entschädigung bezahlen. „Die Corona-Gefahr lauert überall. Pflanz- und Erntehelfer dürfen das bei ihrem Einsatz unter freiem Himmel nicht vergessen. Es ist die Pflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsplätze und Unterkünfte so einzurichten, dass die Hygienestandards einfach einzuhalten sind.

Wer Fragen und Probleme hat, sollte sich an die IG BAU oder an das örtliche Gesundheitsamt wenden“, so Walter Schneider. Wichtige Hygieneregeln für die Arbeit in der Landwirtschaft hat die Agrar-Gewerkschaft IG BAU online gestellt: www.igbau.de/Ploetzlich-Erntehelfer.html. Wer sich aus dem Landkreis Neuwied als Pflanz- oder Erntehelfer bewerben möchte, findet Jobs und weitere Infos unter www.agrarjobboerse.de. Stellenangebote gibt es auch auf dem Portal „Das Land hilft“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium: www.das-land-hilft.de.


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Neuwied auf Facebook werden!


Kommentare zu: Für Saisonkräfte: Abstand und Händewaschen – Mobil-WC ist tabu

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Die Polizei Neuwied musste sich mit diversen Straftaten beschäftigen

Die Polizei Neuwied berichtet in ihrer Pressemitteilung von diversen Delikten von Freitag, 18. bis Sonntag, 20. September. In einem Fall von Fahrraddiebstahl bittet die Polizei um Zeugenhinweise.


Gefälschte Rezepte in Bendorfer Apotheken vorgelegt

Die Polizei Bendorf berichtet, dass am Freitag ein Paar versucht hatte mit gefälschten Rezepten in den Besitz von starken Schmerzmitteln zu gelangen. Die Apotheker erkannten dies und riefen die Polizei. In Mühlhofen wurde ein Mann aufgegriffen, bei dem Restdrogen gefunden wurden.


Region, Artikel vom 20.09.2020

Obstdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt

Obstdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt

Jetzt im beginnenden Herbst locken am Wegesrand noch immer viele süße Früchte. Wer ungefragt sich an privaten Obstbäumen bedient, der begeht einen Diebstahl. Da ist die Menge ganz egal, ob ein Apfel oder ein ganzer Sack voll. Früher war es mal Mundraub, heute ist es Diebstahl, der eine Strafe, meist in Form einer Geldbuße nach sich zieht.


Kultur, Artikel vom 19.09.2020

"Kölsche Tön" in historischem Ambiente

"Kölsche Tön" in historischem Ambiente

Neuwieder "Früh im Landratsgarten" präsentiert die Musikgruppe Rabaue. Über die anstehende Karnevals-Session in Corona-Zeiten wird derzeit heftig diskutiert. Umso mehr freuten sich am 18. September die zahlreichen Gäste beim Besuch im Biergarten des "Früh im Landratsgarten" über das Konzert der Kölner Musikformation Rabaue, die vor allem durch zahlreiche Auftritte und Erfolgstitel im Rheinischen Karneval bekannt sind.


Ärger beim Stromversorgerwechsel - Preisänderung trotz Garantie

INFORMATION | Wer schon einmal den Strom- oder Gasanbieter gewechselt hat, weiß: Viele Anbieter locken neue Kunden neben den Zauberworten wie „Neukundenbonus“ und „Sofortbonus“ auch mit der verheißungsvollen „Preisgarantie“. Dass der Strompreis in Deutschland aber aus mehreren Bestandteilen besteht und sich Garantien oft nur auf einen Teil des Preises beziehen, ist vielen nicht bekannt.




Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


Ärger beim Stromversorgerwechsel - Preisänderung trotz Garantie

Koblenz. Viele Anbieter erläutern das allenfalls in den vertraglich vereinbarten Allgemeinen Geschäftsbedingungen – dem sogenannten ...

Handwerk spricht mit Azubispots potenzielle Lehrlinge an

Koblenz. Corona hat auch auf dem Ausbildungsmarkt tiefe Spuren hinterlassen. In Handwerksbetrieben mussten organisatorische ...

Bad Honnef: Vitale Innenstädte 2020

Bad Honnef. An insgesamt vier Tagen freuen sich Interviewer auf auskunftsfreudige Besucher der Bad Honnefer Innenstadt. Die ...

Mehr Geld für Dachdecker gefordert

Neuwied. „Die Auftragsbücher im Dachdeckerhandwerk sind voll, die Wartezeiten für Kunden lang. Für die Beschäftigten muss ...

Heimat shoppen ist wichtiger denn je

Puderbach. Im Kreis Neuwied beteiligen sich lediglich die Werbegemeinschaften Deichstadtfreunde Aktions-Forum Neuwied e.V., ...

Geldsäcke für den Kinderschutz

Neuwied. Es werden unter anderem alte Handys, Druckerpatronen sowie Restdevisen und lässt diese verwerten, sodass der Erlös ...

Weitere Artikel


BUND hat Wildbienenberatungsstelle eingerichtet

Region. Bienen sind vor allem durch den Verlust von Nistplätzen und Nahrung bedroht. Durch Bebauung oder Versiegelung, „ordentliche“ ...

Kostenfrei Software für Fieberambulanz Neuwied zur Verfügung gestellt

Neuwied. Das Corona Lagezentrum dient als zentrale Stelle für alle beteiligten Stäbe und Helfer. Die Feuerwehren des Landkreises, ...

Sondereinsatz Carfriday der PD Koblenz, Montabaur und Neuwied

Region. Um dem vorzubeugen wurde in diesem Jahr ein gemeinsames Modell der Direktionen Koblenz, Neuwied und Montabaur unter ...

Roberto Capitoni: Künstler gehen auf die Barrikaden

Region. Der Comedian Roberto Capitoni hat die nachfolgende Nachricht an die Ministerpräsidentin wegen der Soforthilfe in ...

The Voice Kids: Björns Traum vom Finale ist leider ausgeträumt

Neuwied. Bei den Battles wurden Teams, bestehend aus drei Sängern/innen, zusammengesetzt, die sich ebenfalls bei den „Blind ...

Kolumne „Themenwechsel“: Was ist eigentlich der Ostermontag?

Ein sonniges Osterwochenende liegt hinter uns. Wir alle wissen: An Ostersonntag soll Jesus von den Toten auferstanden sein. ...

Werbung