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Nachricht vom 31.03.2020    

Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil

Die Unterhaltung zwischen der schrulligen Haushälterin Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof geht weiter. Mit den Episoden der beiden sympathischen Limburger Pfarrhausermittler möchten die Autoren Christiane Fuckert und Christoph Kloft den Leser/innen etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie Klara und van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.

Symbolfoto

Folge V vom 31. März
Region. Aufgeregt kam Klara in van Kerkhofs Büro. „Herr Pfarrer, ich habe gerade mit Anni telefoniert. Anni und Helmut aus dem Westerwald.“ Van Kerkhof sah von seinen Unterlagen auf. „Ich hoffe, es geht ihnen gut?“

„Ja, ihnen geht es gut. Aber ein anderer, der hat das!“ „Wer, ein anderer?“ „Sie stehen mal wieder auf der Leitung, Herr Pfarrer. Na, einer aus dem Westerwald eben.“ „Und wer ist das bitte?“ Klara ließ sich in den Bürostuhl ihm gegenüber sinken. „Nun, das kann ich Ihnen gleich sagen. Obwohl Sie den nicht kennen. Also: Die Anni hat eine Nachbarin, und von der der Sohn hat einen Arbeitskollegen. Und davon die Schwester der Freund, der hat das Corona!“

„Das ist ja wirklich sehr nahe“, antwortete van Kerkhof trocken. Klara verstand die Antwort nicht einzuordnen: „Sie machen sich jetzt nicht über mich lustig, Herr Pfarrer?“ „Keine Spur, meine Liebe“, erwiderte van Kerkhof. „Das will ich auch hoffen!“ „Und jetzt sind Sie ganz mitgenommen?“ „Ja natürlich. Überall hört man nichts anderes mehr!“

Der Pfarrer nickte nachdenklich. „Siggis Sohn Julian hat es auch“, sagte er dann. Klara fuhr erschrocken hoch: „Der Julian? Und dann lassen wir Siggi noch für uns einkaufen? Das müssen Sie mir doch sagen! Unverantwortlich von Ihnen!“ „Der Junge ist doch in Berlin. Siggi hat ihn Weihnachten das letzte Mal gesehen.“

Klara stieß hörbar die Luft aus. „Dann ist es ja gut.“ Sie besann sich einen Moment. „Wie geht es ihm denn?“, fragte sie dann. „Er hat kaum Symptome. Die jungen Leute stecken das besser weg als wir Alten!“ „Das ist wohl so. Wenn Sie das dagegen kriegen, Herr Pfarrer, dann ist Gefahr im Verzug!“

Van Kerkhof verzichtete auf eine Antwort, denn er hätte seine gute Haushälterin ohnehin nur darauf hinweisen können, dass sie noch ein paar Jahre älter war als er. Deshalb versuchte er, sie auf andere Gedanken zu bringen: „Wenn wir jetzt zusammenhalten und alle Leute die Vorschriften befolgen, dann wird uns auch nichts passieren, meine Liebe!“

„Da haben Sie recht. Aber gerade Sie gehen immer ohne meinen Mundschutz aus dem Haus.“ „Ich vergesse ihn halt immer“. Wie jedes Mal, wenn er eine Notlüge gebrauchen musste, kreuzte der Pfarrer die Finger unter dem Tisch. Klaras bunte Mundschutze sahen einfach zu seltsam aus. Aber das durfte er ihr niemals sagen.

Klara hingegen ging gar nicht mehr ohne solch ein kariertes Teil vor Mund und Nase aus dem Haus. Noch am selben Tag sah van Kerkhof sie damit auf dem Kiesweg neben dem Pfarrhaus. Mit der Gießkanne war sie zu der kleinen Pflanzsäule hinter der Kirche unterwegs, um die Tulpenzwiebeln zu benetzen.

„Sie haben wohl Angst, sich auf den wenigen Metern hinter unserer Einfahrt etwas Gefährliches einzufangen?“, fragte er sie hinterher verschmitzt. „Man muss überall auf der Hut sein. Sie haben das ja gehört von dem Kollegen vom Sohn von Annis Nachbarin, also vom Freund der Schw...“ „Ja, davon haben Sie erzählt. Aber unser Grundstück ist doch nicht so überlaufen, dass wir uns fürchten müssten“, wollte der Pfarrer seine aufgeregte Klara beruhigen, wenngleich er auch dachte: Sie hat ja recht ...

„Nein, das nicht, aber unser Küster läuft jeden Tag ein paar Mal um die Kirche rum. Und Sie wissen ja, wie feucht seine Aussprache ist. Gerade heute hat er mir ausführlich etwas sehr Interessantes erzählt.“ „Ah ja? Und das haben Sie … zugelassen?“, fragte van Kerkhof erstaunt.

„Was soll das denn heißen? Ich höre doch unserem Küster gerne zu! Als ich gesagt habe, er solle mal schön ein paar Meter von mir weggehen, hat er das gleich getan. Und ich hatte ja mein Gesicht noch bedeckt, da ging das.“ Klara rieb sich die Schläfen. „Was wollte ich denn jetzt noch sagen? Sie bringen mich mit Ihren Zwischenfragen aber auch immer wieder raus ...“

„Na, Sie wollten mir erzählen, was der Küster Ihnen erzählt hat.“ „Genau. Also das war wirklich eine gute Sache. Er hat im Fernsehen einen Pfarrer gesehen, der in einer leeren Kirche gepredigt hat. Das wurde aufgenommen. Aber alleine war er nicht, nein, trotz leerer Kirche waren alle Bänke besetzt. Jetzt gucken Sie aber, was?“, nickte Klara. „Und dahinterkommen werden Sie sowieso nicht. Deshalb verrate ich Ihnen die Lösung: Alle Gemeindemitglieder hatten von sich selbst ein großes Foto für ihn ausgedruckt, das er auf die Bankreihen geklemmt hatte, so zwischen die Gesangbücher und die kleinen Leisten der Rückenlehnen. Er wusste genau, wo jeder normalerweise saß, und all die bekannten Gesichter haben ihn dann während des Gottesdienstes angeschaut.“

Van Kerkhof hatte dunkelrote Wangen, als er gerührt ausstieß: „Das war wirklich eine wunderschöne Idee.“ Klara klatschte in die Hände. „Sollen wir das auch mal anregen? Ich würde freiwillig die Fotos aufstellen, wenn Sie alle anschreiben und die Sache erklären.“ Als der Pfarrer nicht gleich antwortete, wandte sie sich ab und beschloss brummend: „Nur die von Gegenüber, die säße dann mal nicht vorn neben mir, das Foto von ihr käme ganz hinten hin.“

Klara erschrak, als ihr Chef ihr ziemlich laut in den Rücken fragte: „Warum das, meine Liebe? Unsere Nachbarin ist doch so eine treue Kirchenbesucherin?“ „Das verstehen Sie nicht, Herr Pfarrer, weil Sie noch nie neben ihr gesessen haben. Erstens singt sie falsch. Zweitens wippt sie dauernd mit dem Fuß und drittens isst sie anscheinend morgens schon Knoblauch.“ „Oh ja, das sind verständliche Gründe. Dann sollten Sie das Foto von ihr wirklich ganz weit hinten aufstellen“, bestätigte van Kerkhof und sprach daraufhin genau das aus, was Klara gerade selbst hatte sagen wollen: „Und trotzdem würden Sie Ihre Banknachbarin auf der Stelle wieder in Kauf nehmen, wenn wir unsere kleine Kirche wieder für alle öffnen könnten ...“

Klara nickte. „Aber wir beide dürfen doch mal rüber in die Kirche gehen und unsere Kerzen anzünden, für all die, denen es zur Zeit nicht gut geht und die Angst haben“, sagte sie leise, und der Pfarrer nickte ebenfalls. (Kloft und Fuckert, http://www.christoph-kloft.de)

Bisher erschienene Fortsetzungen:
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise



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