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Nachricht vom 29.03.2020    

So wirkt sich die Corona-Krise auf das Leben unserer Leser aus

Von Regina Morkramer

„Kita geschlossen, Regale in den Läden leer, man wird schief angeschaut, wenn man nur hustet“: Wir haben unsere Leser bereits vor zwei Wochen gefragt, welche Auswirkungen das Corona-Virus auf ihr Leben hat. Seitdem sind die einschränkenden Maßnahmen deutlich verschärft worden. Was bedeutet das für die Menschen im Westerwald und wie gehen sie damit um?

(Symbolbild: Pixabay)

Region. Gearbeitet wird im Home Office, die Kinder gehen nicht zur Schule oder in die Kita, die Landesregierung schreibt weitestgehende Kontakteinschränkungen vor und der Einkauf im Supermarkt wird plötzlich zur Herausforderung: Die Corona-Krise hat das Leben aller zurzeit fest im Griff. Wie wirkt sich das auf den Alltag und die Lebenswirklichkeit unserer Leser aus? Wir haben nachgefragt.

Die Probleme, von denen eine Leserin im Hinblick auf die wegen der Schul- und Kitaschließungen zu organisierende Kinderbetreuung berichtet, dürften stellvertretend für die vieler Menschen stehen: „Ich arbeite in der Alten- und Krankenpflege, bin alleinerziehend. Mein Chef kann mich natürlich nicht freistellen, wer betreut meine 3-Jährige in dieser Zeit? Der persönliche Druck ist enorm. Hier auf dem Land bezweifel ich, dass es Notbetreuungen geben wird. Meine Zukunft ist ungewiss. Einzige Option ist unbezahlter Urlaub, finanziell jedoch nicht umsetzbar.“ Dies war die erste Antwort, die uns auf unsere Frage hin erreichte – und sie verdeutlicht bereits, welche gravierenden finanziellen Konsequenzen die Corona-Krise für die Bevölkerung hat.

Genau diese Verunsicherung bringt auch diese Leserantwort zum Ausdruck: „Das Unternehmen, bei dem ich arbeite, ist für die Unterhaltsreinigung von vielen Kitas und Schulen zuständig. Da diese aber nun alle geschlossen haben, stehen viele Mitarbeiter ohne Arbeit da. Sie müssen aber natürlich weiter bezahlt werden. Welche finanziellen Einbußen macht das Unternehmen dabei? Wie können wir das Unternehmen weiter aufrechterhalten? Wie können wir die Arbeitsplätze erhalten? Es stehen so viele ungeklärte Fragen im Raum, die einfach alle verunsichern.“

„Dann hatte ich ein schönes Leben!“
Keine Panik – das war vor allem zu Beginn der sich ausbreitenden Pandemie in Deutschland der Tenor. Entsprechend pragmatisch sieht dieser Leser die Situation und die damit verbundenen Auswirkungen auf sein Leben: „Der Virus verlangt die Kontakte zu anderen Menschen einzuschränken. Man sollte etwas mehr auf Sauberkeit achten. Und sich vor allem nicht verrückt machen zu lassen. Wir haben schon vieles überlebt, auch das. Und wenn‘s mich erwischt, bin 63 und Risikopatient, dann hatte ich ein schönes Leben!“

Die Angst vor der Ansteckung ist dennoch allgegenwärtig, das zeigt unsere Umfrage sehr deutlich. Während zu Beginn der sich ausbreitenden Virus-Erkrankungen im Land viele Menschen die Lage noch längst nicht ernst nahmen, wurden sie schnell von der Realität eingeholt, wie es auch diese Antwort unseres Lesers zeigt: „Da ich viel unter Menschen bin, habe ich Angst, dass man mich ansteckt. (…) Man traut sich kaum die Nachrichten zu lesen im TV und oder im Internet. Es vergeht kein Tag ohne eine Corona-Meldung. Manche sagen, das ist reine Panikmache. Die nehmen es einfach nicht ernst, was im Moment los ist auf der Welt. Ich hoffe, dass es bald mit diesem Virus vorbei ist, und dass ich ruhiger schlafen kann.“




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Die Sorge um die Angehörigen, auch darunter leiden unsere Leser, wie diese Antwort stellvertretend deutlich macht: „Ich sorge mich um meine Großeltern.“ Gleichzeitig bringt sie eine weitere Problematik in der Gesellschaft zum Ausdruck: „Sie nehmen den Virus leider nicht ernst genug. Aber das Problem haben glaube ich sehr viele Menschen.“ Der Schutz der älteren Generation hat zurzeit immense Auswirkungen auf das Familienleben, von denen uns etwa diese Leserin berichtet: „Ich bedauere, dass ich nicht Großmutter sein kann – bzw. der Tochter in der Situation nicht wirklich hilfreich sein kann.“

„Um Milchpulver für mein Kind muss ich kämpfen“
Der Alltag steht nicht nur komplett auf dem Kopf, sondern stellt für viele eine wahre Herausforderung dar, wie uns diese Leserantwort zeigt: „Zur Zeit führe ich kein Leben... Ich kann nicht anständig kochen, weil die Hälfte fehlt... Um Milchpulver für mein Kind muss ich auch jeden Tag kämpfen...“ Hamsterkäufe stoßen auf Unverständnis, schreibt uns diese Leserin, aber was, wenn man selbst dann am Ende leer ausgeht: „Wir machen keine Hamsterkäufe, allerdings fordert mich das wahrnehmen dieser bei Mitmenschen zur Herausforderung meine Haltung zu überprüfen.“ Auch dieser Leser steht Hamsterkäufen ablehnend gegenüber, „weil z. Teil doch sehr arg Panik verbreitet wird und offensichtlich ein großer Teil der Bevölkerung dafür empfänglich ist.“

Soziale Kontakte sollen weitgehend vermieden werden, so die Vorgabe der Politik. Aber was ist mit den Menschen, die sich nicht daran halten können? Von dieser Problematik berichtet uns ebenfalls eine Leserin: „Da mein Mann zum gefährdeten Personenkreis zählt, haben wir die Kontakte zu anderen Menschen soweit es geht reduziert. Einkäufe machen mich sehr nervös. Mein Mann hat Pflegegrad 4. Das bedeutet, wir haben alle 3 Monate eine verpflichtende Pflegeberatung, die der Pflegekasse gegenüber nachgewiesen werden muss. Der Gesetzgeber sollte darüber nachdenken, sie zum Schutz der Kranken vorübergehend auszusetzten. Absolut notwendige Arztbesuche tragen auch nicht zu unserer Beruhigung bei.“
Eine Frage, die auch viele unserer Leser umtreibt, ist die nach den tatsächlich Infizierten, die womöglich gar nicht getestet werden, weil die Kapazitäten derzeit schlicht nicht vorhanden sind: „Selbst wenn Anzeichen da sind, wird man vom Gesundheitsamt nicht getestet. Da man ja nicht sagen kann, ob man mit einem Infizierten in Verbindung stand. (…) Die Dunkelziffer der Infizierten wird viel höher sein.“

Unsere – natürlich nicht repräsentative – Umfrage zeigt deutlich, mit welchen Herausforderungen und Problemen die Menschen im Westerwald, wie überall in Deutschland, zurzeit zu kämpfen haben. Wenn auch Sie uns von Ihren Erfahrungen berichten wollen, können Sie das gerne hier tun. Mit der Einsendung setzen wir voraus, dass das Einverständnis zur Veröffentlichung vorliegt.








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