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Nachricht vom 06.02.2020    

Unverständnis der Generationen – wie sich Sichtweisen ändern

GASTBEITRAG | Ich hab schon damals meine Eltern nicht verstanden, und die mich auch nicht. Heutzutage als „Grandpa“ stelle ich zunehmend fest: Ich verstehe – immer noch nicht. Allerdings werde ich auch nicht verstanden, nicht von den Älteren, schon gar nicht von den Jüngeren und nicht mal mehr von Gleichaltrigen. Immer wieder muss ich mich zur Ordnung rufen bei der Betrachtung der Jüngeren, vor allem der Generation Z, oder wo stehen wir inzwischen? Und - da sind Tage, da verstehe ich nicht einmal mich. Eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung zum Altern vom „Grandpa“ aus dem Westerwald.

(Symbolbild: Pixabay)

Westerwald. In frühester Jugend nahm das Elend bereits seinen Lauf. Anfangs konnten meine Eltern meinen Musikgeschmack noch steuern. Dann der entscheidende Fehler: Taschengeld. Ich wurde Selbstversorger – natürlich auf ganz kleiner Flamme – und fortan drang ein für meine Eltern ohrenbetäubender Lärm aus meinem Zimmer. Mein erstes Album von Sserex (T. Rex, das mit dem Tyranosaurus und dass das T nicht für The stand und auch das mit dem Tie äitsch kam erst viel später) sorgte bei meinen Eltern für völliges Unverständnis und die Spaltung wurde Jahr für Jahr größer. Die Interessen driften immer weiter auseinander und ein ständiges Kopfschütteln stand am Ende jeder Diskussion – auf beiden Seiten. Verloren hab übrigens ich, denn „so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst,…..“ hab ich öfter gehört.

Es war für mich eher ausgeschlossen, dass man mit über 40 noch Spaß haben kann, oder das Leben überhaupt einen Wert hat. Alles Eicherustikal, Schlager, Flippers, Amigos, Roger Whittaker, Spießertum, Langweile und langweilige Autos. Im Sport haben wir uns immer mal wieder gefunden und ehrliches gegenseitiges Interesse bekundet. Das war‘s! Ich war sicher, ich mache alles anders und werde vor allem nie – also nie, nie, niemals – wie mein Vater. Sätze, die Tisch und Füße darunter verbinden – völlig tabu. Ich werde modern, jung geblieben, zukunftsorientiert und habe Geduld und völliges Verständnis für meine Kinder, erfolgreich und reich. Die Generation Traditionals, die meiner Eltern, hatte ausgedient.

Dann wird man Eltern
Die ersten Jahre laufen wirklich gut. Der Musikgeschmack wird bei den Kindern geprägt. Es läuft. Immer verständnisvoll und geduldig mit den Kindern! Nun ja, geht so. Manchmal könnte manchmal… Halt, das geht ja gar nicht! Selbstständigkeit soll natürlich gefördert werden. Die Mutter meiner Kinder stellt in Frage, ob Nina Hagen das Richtige für eine Sechsjährige ist. Warum nicht? Gut, ein kleines über den Schulhof tanzendes, lebensfrohes Mädel, die ein fröhliches Liedchen von Herrn Wichsmann – ich kann nix dafür! Nina Hagen – trällert… Ich hab‘s noch einmal überdacht. Gut, besser ACDC, das versteht sie nicht und die Lehrer vermutlich auch nicht. Dann der entscheidende Fehler : Taschengeld! Plötzlich dringt völliger Schrott aus den Kinderlautsprechern. Taketatt (Take That), E a st siebzehn (East 17), und ganz schlimm, wenn „Eternal Flame“ mitgesungen wurde. Was verdammt ist falsch gelaufen? Wir drifteten immer weiter auseinander. Kopfschütteln stand am Ende vieler Diskussionsrunden. Übrigens: Ich habe gewonnen. Klar, da war ja was mit Füßen und Tisch. Im Sport haben wir uns immer wieder gefunden und gemeinsame Aktivitäten entwickelt. Das war‘s. Ich bin so ein Zwischending aus Generation Babyboomer und Generation X. Nein, ich habe nicht ausgedient. Ich habe das Wissen, nein, die Weisheit, die Erfahrung, bin erfolgreich und modern und was die Generation Y da treibt, hat niemals Zukunft!

Generation Y war auf dem Vormarsch
Das macht auch alles keinen Sinn. Oft hab ich meine Gören gefragt, was der Quatsch soll. Die sitzen mit ihren Freunden am Wochenende bis 23, 24 Uhr bei uns zu Hause und fahren dann mit dem Taxi in die Disco. Da war ich früher schon auf dem Heimweg! „Ja, Papa! Da ist noch nix los. Da sind jetzt die 14-jährigen Kinder. Da ham wir kein Bock drauf!“ Und warum ist da nichts los? Weil ihr hier Eure Füße unter meinen Tisch stellt, mein letztes Bier austrinkt, die gute Luft weg atmet und diese furchtbare Musik hört. Ich war übrigens immer noch zu 100 Prozent sicher, dass ich nie wie mein Vater werde. Dabei hätte ich einfach nur mal mit Verstand in den Spiegel schauen müssen. Wieso mit 14 ein Handy herbei musste (das hatte ich mir doch auch erst mit 35 gegönnt, gab´s ja auch vorher nicht), ein Nintendo, ein Computer auch für Schularbeiten, ich fasse es nicht! Und dann diese ständige Simserei. SMS sind nicht effektiv, zudem noch teuer. Das ist mit einem kurzen Telefonat tausend Mal schneller erledigt. Aber auf mich hört ja keiner.

Die Generation Y oder auch „Why“ stellt einiges in Frage und kann aber letztendlich mit der immer schneller werdenden Welt besser umgehen als ich. „Papa, Karriere, ja schon. Aber Arbeit muss auch Spaß machen!“ Was? „Wenn ich dann weniger verdiene, ist das immer noch genug!“ Was?! Ich verstehe das nicht. Aber sie kriegen es prima hin, klingt komisch, ist aber so! Heute hat mein Schwiegersohn alles auf dem Handy, Flugticket, Scooter mieten, bezahlen, Filme, alles wird im Netzwerk erledigt. Ich werde irrsinnig.



Die Generation Z setzt noch mal einen oben drauf
Zudem hat mich das Universum noch mit einem Kind der Generation Z belohnt. Deutscher Rap! Dagegen hat sich Nina Hagen absolut gewählt ausgedrückt. Facebook, ach nee, das ist ja für die Alten, stimmt, da tummeln sich mein herzallerliebster Schatz, viele meiner Bekannten und – ich schäme mich. Twitter, Insta, Snapgedöhns. Wir haben uns Gedanken gemacht wegen der Abhörsicherheit unserer Telefone. Heute rennen Menschen durch die Stadt, durch den Wald (grummel), durch den Zug und nerven mit ihren Gesprächen, die ja gar keine sind. Lauthals werden Sprachnachrichten verschickt und/oder über den Lautsprecher abgehört. Ich muss diesen „Unsinn“ hören, will ich aber nicht. Irgendwelche Videos werden auch einfach angesehen, der Kumpeline, dem Kumpel (Achtung immer richtig „gendern“!) vorgespielt, na klar über Lautsprecher. Siri, Alexa und wie sie alle heißen machen Licht an und aus, bestellen Essen, oder telefonieren schon selbstständig mit dem Arzt, um Termine zu machen und tragen diese dann direkt mit Adressen im Kalender ein, übertragen diese auf das Fahrzeug und wenn DIE dann einsteigen geht direkt das Navi an.

Ich hab das Gefühl, ich brauche auch ‚nen Arzt Termin
Die Psychiater sind aber völlig ausgebucht. Da sitzen vermutlich die Schnelleren meiner Generation, oder die, die sich inzwischen auch Alexa angeschafft haben. Die Bolzplätze sind verwaist, der Nachwuchs in den Fußballvereinen schwindet. Einige wenige spielen da noch, angetrieben von ehrgeizigen Eltern, in der Hoffnung den nächsten Franz Beckenbauer, Quatsch, Messi auszubilden. Was machen wir denn verkehrt? E-Sport ist der Renner. Die jungen, modernen Menschen spielen Fußball am TV, oder reiten mit einem Pferd, das vorher am Bildschirm handzahm gemacht wurde, durch die Prärie. Erledigen Aufgaben, jagen, trinken in irgendwelchen Spelunken und töten. Andere schaffen LKW-Ladungen von Mailand nach Stockholm. Alles in heimischen Räumen, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen, oder draußen nass zu werden. Um sich zu verbessern, sehen sie sich Videos von anderen an, die es bereits können. Livestreams werden gesendet, damit ich den Strategen beim Spielen zusehen könnte. Da gibt es sogenannte Gamer, die nehmen sich Urlaub, wenn ein neues Spiel online erscheint und die erste Nacht kostenlos gespielt werden kann. Dann daddeln die die ganze Nacht, solange es geht, nutzen die kostenlose Zeit, um früh morgens ins Bett zufallen und den Urlaubstag zu verpennen.

Die Ausstattung mit Smartphone wird immer eher vorgenommen
Mein Enkelsohn, der zwar noch keine zusammenhängenden Sätze von sich gibt, bedient ein Tablet definitiv besser als meine Mutter. Ich fürchte, da erhält Grandpa noch vor der Einschulung einen Geschenktipp. Wenn ich Jugendliche beim Schreiben auf dem Handy beobachte, registriere ich schnell, hier bin ich sogar auf der Tastatur des Computers langsamer. Übrigens Computer, was für ein Quatsch! Tablet, ein Laptop ist schon ‚ne Zumutung. Bankgeschäfte werden natürlich auch auf dem Handy erledigt. „Ich hab dir neue Stützstrümpfe im Internet bestellt, sollten morgen ankommen. Schick mir das Geld über Pay…“ Wie morgen, wie Paywas, was ist mit dem guten, alten Geschäft um die Ecke? Da werde ich noch beraten! „Hab das alles in Videos im Netz gecheckt. Das sind die Besten für dich!“ Ich würde immer noch mal gern zum lokalen Händler gehen. Aber am Schaufenster hängt ein Zettel: „Geschäftsaufgabe!“ Ich muss mich wohl doch mal mit den kriegerischen Damen befassen, Amazonen, heißt das, glaub ich, so ´n online Lieferdienst. Da klingelt es gerade an der Tür – Moment, der Paketdienst. Einhundert Zahnbürsten sind angekommen, hab wohl bei der Anzahl in dem kleinen Feld nicht aufgepasst. Die Brille war auch wieder verschwunden. Na ja, werden ja nicht schlecht. Hoffentlich halten die Zähne noch solange. Ich glaub: „Ich bin zu alt für diese Schei…..!“ LG Euer Grandpa



Kommentare zu: Unverständnis der Generationen – wie sich Sichtweisen ändern

2 Kommentare

Toller Artikel, manches ändert sich nie. Ich kann aber von mir sagen dass Tisch und Füße von mir nicht mehr gebraucht wurde, hatte den Satz in meiner Jugend mehr als genug gehört. Ich finde die heutige Jugend nicht schlimmer als zu unserer Zeit. Ich bin überzeugt davon dass es den Spruch "Die Jugend wird immer schlimmer" so alt ist wie die Menschheit.

#2 von Kornelia Kohlenbeck, am 08.02.2020 um 13:47 Uhr
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Ich erkenne mich zu 100% wieder. Ja, ja, die üblichen Sprüche wie Tisch und Füße usw. sind auch mir hinreichend bekannt, sowohl als Kind als auch als Mutter. Super!!
#1 von Birgit Jung, am 07.02.2020 um 09:38 Uhr

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