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Nachricht vom 30.01.2020    

Interview mit Reiner Meutsch (Teil 3): „Ich bin Westerwälder, hier sterbe ich“

Die nackten Zahlen heben eine Leistung heraus, die ihresgleichen sucht: In zehn Jahren des Bestehens eröffnete die Stiftung "Fly & Help" von Reiner Meutsch (Kroppach/64) 369 Schulen in 47 Ländern. 16 Millionen Euro wurden investiert. Im dreiteiligen Exklusivinterview mit den Kurieren offenbart der Stiftungsgründer viele private Aspekte. Lesen Sie im dritten und letzten Teil wie Meutschs Einstellung zu seiner Heimatgemeinde ist, ob er sich mit dem Gedanken trägt, die Leitung der Stiftung abzugeben, und was er sich für dieses Jahr wünscht.

Ist Reiner Meutsch einmal bei einem Schulbau vor Ort, gehört die Begrüßung der Handwerker natürlich dazu. (Foto: "Fly & Help")

"Fly & Help" ist eine einzige Erfolgsgeschichte: Hat es überhaupt einmal Rückschläge, vielleicht sogar persönlicher Natur, gegeben?

Toi, toi,toi bislang noch nicht. 369 Schulen sind fertiggestellt, alle sind in Betrieb. Wenn ich neue eröffne, lasse ich mich auch an älteren vorbeifahren und schaue sie mir noch einmal an.

Fühlen Sie sich immer noch als Westerwälder?

Ja, ich bin Westerwälder. Ich bleibe hier, hier sterbe ich, wenn ich nicht irgendwo vom Himmel falle.

Bekommen Sie mit, was in Ihrer Heimatgemeinde Sache ist?

Wir haben Gottseidank bei uns immer wieder in Kroppach freitags um 14 Uhr einen Kaffeeklatsch im Tennisheim. Da gehe ich hin und wieder hin, wenn ich zuhause bin. Dort bekomme ich das gesamte Dorfgetratsche mit, was so passiert ist. Der Bürgermeister hält mich auf dem Laufenden, wenn ich unterwegs bin. Wir haben eine eigene tolle Website über Kroppach, auf die ich immer schaue. Wir haben ein tolles Fest "100 Jahre FSV Kroppach" mit insgesamt 31 Stars und Sternchen gefeiert. Tausende von Menschen waren hier, drei Tage lang, da habe ich sie alle noch einmal wiedergesehen. Ich war Schirmherr und Sponsor. Es war ein geiles Fest.

Haben Sie irgendwann einmal mit Gedanken gespielt, woanders hinzuziehen?

Nein. Ich bin auf Heimat fixiert. Ich bin ein weltoffener Mensch. Ich bin bestimmt auch ein Weltenbürger, der alles akzeptiert, was woanders anders ist als bei uns. Aber Heimat ist schon etwas Besonderes. Ich habe über 175 Länder in meinem Leben bereist. Ich habe mich nirgendwo auf der ganzen Welt so wohl gefühlt wie hier im Westerwald. Da werde ich auch bleiben, auch wenn ich ganz wenige Tage hier bin.

Mit fast 65 Jahren: Inwieweit haben Sie sich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, ins Rentnerdasein zu wechseln?

Mit 65 Jahren, die ich bald werde, kann ich das machen. Wer 45 Jahre "geklebt" hat, darf das. Für mich ist das eigentlich aber nur ein Wort. Ich fühle mich nicht als Rentner, weil der Begriff oft auch Ruhe, Behäbigkeit, ein bisschen länger schlafen und früher ins Bett gehen beschreibt. Es gibt so viele aktive Rentner in meinem Umfeld, die sich ehrenamtlich und sozial in ihrer Gemeinde engagieren. So etwas gab es früher nicht. Das bewundere ich. Ich sehe heute sehr, sehr viele aktive Rentner. Als ich 20 Jahre alt war, war ein 65-Jähriger alt. Ich kann mich genau an die Namen erinnern, die Ottos, die Wilhelms, die Karls in meinem Dorf. Als ich 15 war, waren die 55-Jährigen schon alt, als ich 10 war, war ein 50-Jähriger für mich ein alter Mann. Heute gehen wir zu Feierlichkeiten, bei denen junge Leute mit dir anstoßen, ein Bier trinken wollen, als ob sie gleichgesinnt wären. Das hat sich Gottseidank verschoben. Die Rentner von heute gehen ganz anders auf die Jugend ein. Schauen Sie sich die Rentner an: Alle haben ein Smartphone, sie whatsappen, sie sind oftmals in Facebook vernetzt, sie wissen, was auf der Welt los ist, gehen zu Bundesligaspielen. Ich finde das toll, dass wir in der Gesellschaft auch im hohen Alter jung bleiben. Da sind aber auch die jungen Leute mit "schuld", weil die jungen Leute die alten wunderbar integrieren. Ich sehe das bei so vielen Aspekten und Veranstaltungen. Das ist ein tolles Attribut unserer Gesellschaft.

Haben Sie sich überhaupt ein Alter/einen Zeitpunkt gesetzt, die Stiftung in jüngere Hände zu legen?

Meine Kinder haben mir ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Vor zwei Jahren kamen sie und sagten: Papa, wenn du vom Himmel fällst, was wir nicht hoffen wollen, aber du fliegst im Jahr über 100-mal, sollst du wissen, dass wir die Stiftung in diesem und deinem Sinne weiterführen. Meine ältere Tochter ist in dem Controlling- und Schulbaubereich tätig, selektiert die Schulprojekte, testet sie, checkt sie, prüft sie. Meine jüngere Tochter macht das komplette Reisethema. Ich nehme immer zu den Schuleröffnungen Menschen mit, die sehen sollen, was wir vor Ort tun. Jeder kann mitfliegen. Ich nehme maximal 24 Leute mit, bin zu solchen Delegationsreisen zwölfmal im Jahr unterwegs. Dazu kommen zwei große Reisen unter dem Motto "Die Nacht des deutschen Schlagers", bei denen Geld zusammenkommt, das wir der Stiftung zuführen. Das organisiert meine jüngere Tochter. Wenn sie es fortführen, müssen es nicht mehr 100 Schulen im Jahr sein. Das können auch 20 sein. Das kann auch nur 1 sein. Aber das Gebaute und das Erarbeitete bleiben erhalten. Es geht nur in jüngere Hände.

Es gibt also keinen feststehenden Zeitpunkt für einen Abschied von "Fly & Help"?

"Fly & Help" ist so eine fantastische Arbeit, die möchte ich so lange machen, so lange ich gesund bin. Ich denke an einen meiner sehr guten Freunde, den Schauspieler Karlheinz Böhm. Er hatte die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" aufgrund einer verlorenen Wette bei "Wetten, dass…" gegründet. Ich war oft bei ihm, er war oft Gast in meiner Radiosendung. Er ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er hat bis ins 80. Lebensjahr operativ seine Stiftung in Äthiopien geleitet. Ich möchte unsere Stiftung so lange machen, so lange Menschen an uns glauben und meine Gesundheit es mir erlaubt und ich auch Spaß dabei habe.

Das neue Jahr ist gerade mal ein paar Tage alt: Was wünschen Sie sich für die Zeit bis zum 31. Dezember 2020?

Zu allererst, dass meine Mutter wieder gesund wird. Sie hatte einen Schlaganfall kurz nach Silvester. Das ist mein größter Wunsch, so dass wir noch schöne Jahre haben können. Meine Mutter hat über 250 Reisen mit mir gemacht. Und ich möchte, dass sie noch einiges erlebt. Sie ist 88 Jahre, und heute ist es keine Kunst, gesund 100 Jahre alt zu werden. Der zweite Wunsch, den ich habe: Ich möchte jetzt so viel Zeit, wie ich im Ausland verbringe, zuhause verbringen. Wenn das im Jahr 180 Tage sind, die ich weg bin, dann werde ich auch 180 Tage haben, in denen ich hier bin. Ich möchte einfach mit meinen Freunden und Kumpels weiterhin ein Bier in Ruhe trinken können und möchte nicht nur draußen sein. Ich werde die Termine sehr genau selektieren, zu den ich draußen sein muss, und werde gewiss genauso viele Schulen eröffnen, werde das aber noch effizienter gestalten, um viel Zeit auch in meiner Heimat verbringen zu können. Ich merke immer, wenn ich hier bin: Diese Heimat erdet mich - egal wo ich im Westerwald bin, egal ob in Montabaur, im Hohen Westerwald, in Westerburg oder in Altenkirchen. Diese Menschen sprechen meine Sprache. Das sind Menschen, mit denen ich groß geworden bin. Ich genieße das. Ich merke, dass ich jetzt mehr gehe. Ich werde den Westerwald-Steig einfach mal für mich gehen wollen. Den Rhein-Steig werde ich mir 2021 vornehmen. (hak)

Lesen Sie auch:
Im ersten Teil unseres Exklusivinterviews sprach Reiner Meutsch über seinen Abschied vom Unternehmen "Berge & Meer", über eine neue Charaktereigenschaft und wie er lernte, sich in höchsten Politikkreisen und in der High Society zu bewegen.

Im zweiten Teil lesen Sie, wie Reiner Meutsch mit der Vielzahl von Termin umgeht, wo er Kraft tankt und dass ihm hin und wieder auch Neid entgegengebracht wird.



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