Werbung

Nachricht vom 05.01.2020    

Forschungsprojekt „Wildkatze“ – Totfunde melden

Von Helmi Tischler-Venter

Naturschützer haben ein wachsames Auge auf Erhalt und Verbreitung von Wildkatzen. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) meldet in seinem aktuellen Magazin eine gute Nachricht für den Artenschutz: Die gefährdete Wildkatze breitet sich weiter in Deutschland aus. Erstmalig konnte der BUND im niedersächsischen Wendland mehrere Wildkatzen nachweisen. Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann von der Naturschutz-Initiative (NI) befasst sich seit Jahren mit den edlen Tieren.

Wildkatzen. Foto: BUND

Dierdorf. Neumann definiert auf der Homepage ihrer Initiative: Was ist eine „Wildkatze“? Bei der in unseren Breiten heimischen Europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris) handelt es sich um eine eigenständige Unterart der Art „Wildkatze“. Sie ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. Eine „Wildkatze“ ist keine verwilderte Hauskatze. Die Hauskatze (Felis silvestris catus) ist eine ebenfalls eigenständige Unterart der Art „Wildkatze“. Die beiden Unterarten unterscheiden sich in ihrer Genetik deutlich.

Naturnahe Wälder und Halboffenlandschaften – das sind die Lebensräume der Europäischen Wildkatze. Nachtaktiv und immer „in Deckung“ ist sie von Menschen nur selten zu beobachten. Als geschickter Mäusejäger verlässt sie meist nur bei Dunkelheit den Waldrand oder andere Versteckstrukturen.

Der BUND hofft, dass die Wildkatze auch die weitläufigen Wälder Norddeutschlands zurückerobert. Doch auf dem Weg droht allerhöchste Gefahr: „Der Straßentod bleibt die häufigste natürliche Todesursache für heimische Wildkatzen“, bedauert BUND-Expertin Silvia Bender. In Rheinland-Pfalz wurden seit Anfang 2018 (registriert) über hundert Wildkatzen überfahren. Für kleinere Populationen ist die Gefahr des Straßentods existentiell, daher fordern BUND und NI einheitlich dringend Grünbrücken und andere Querungshilfen.

Seit 2016 engagiert sich die Deutsche Wildtier Stiftung mit einem Forschungsprojekt für die Wildkatze. „Denn auch wenn sich der scheue Waldbewohner in den vergangenen Jahrzehnten bereits einen Teil seiner ehemaligen Lebensräume zurückerobert hat, ist die Wildkatze nach wie vor bedroht. In der Roten Liste des Bundes wird sie noch immer als gefährdet, in einigen Bundesländern sogar als vom Aussterben bedroht, eingestuft. Wir untersuchen, ob und in welchem Ausmaß Störungen der Wälder Auswirkungen auf Wildkatzen und ihr Raum-Zeit-Verhalten haben. So ist unter anderem zu klären, ob von erfassbaren Störungen betroffene Areale weiterhin ihre Funktionen im Wildkatzenlebensraum erfüllen – hierbei ist die Bereitstellung von Ruhe-, Jagd- und Reproduktionshabitaten gemeint.

Bereits seit 15 Jahren untersucht der BUND die Bestände der Wildkatze im Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“. Langsam erobert die Tierart Terrain zurück. Das Saarland gilt wieder als flächendeckend besiedelt, auch in Bayern wurden die Tiere vielerorts neu entdeckt. Insgesamt schätzt der BUND in deutschen Wäldern 6.000 bis 8.000 Wildkatzen.



Seit 2018 baut der BUND ein Wildkatzen-Totfundmonitoring in Rheinland-Pfalz auf. Gemeinsam mit einem Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfer/innen werden tot aufgefundene Tiere gesammelt und wissenschaftlich untersucht. Neben den bisher vorhandenen Informationen zum Vorkommen der Wildkatze sollen so weitere wichtige Informationen zur Verbreitung und vor allem über die Gefährdungsursachen der Wildkatzen gewonnen und Artenschutzmaßnahmen entwickelt werden. Das Projekt wird vom Land gefördert und wird auch 2020 weitergeführt.

Neben den bisher vorhandenen Informationen zum Vorkommen der Wildkatze sollen so weitere wichtige Informationen zur Verbreitung und vor allem über die Gefährdungsursachen der Wildkatzen gewonnen und Artenschutzmaßnahmen entwickelt werden. Die Bevölkerung wird gebeten, tote Wildkatzen unter wildkatzenfund@wildkatze-rlp.de oder wildkatze@naturschutz-initiative.de zu melden.

Um Verwechslungen zu vermeiden, seien hier noch einmal die Unterschiede zwischen Wild- und Hauskatzen aufgelistet: „Die Unterscheidung einer Wildkatze von einer wildfarbenen, also getigerten Hauskatze kann sehr schwierig sein. Ganz besonders schwierig ist die Unterscheidung bei Jungtieren. Wildkatzenwelpen sehen getigerten Hauskatzenkindern zum Verwechseln ähnlich. Hier deuten ein großer Kopf mit großen Ohren und auffallend große Pfoten auf „Wildkatze“ hin. Insbesondere das ausgeprägte Abwehrverhalten der Jungtiere mit Beißen, Kratzen und Spucken unterscheidet sie von den deutlich zahmeren Hauskatzenkindern.“ (NI)

Einen ausführlichen Steckbrief findet man unter www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wildkatze/steckbrief.html. htv


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Kommentare zu: Forschungsprojekt „Wildkatze“ – Totfunde melden

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Westerwaldwetter für das Wochenende: Wolken, Nebel und Sonne

Region. Von der frühen Donnerstagnacht bis zum Nachmittag hielt uns ein Sturmtief über dem Westerwald in Atem. Verwirrung ...

Hochwasser und Sturzfluten-Vorsorgekonzept vorgestellt

Großmaischeid. Eins wurde direkt von Anfang an von dem vortragenden Diplom-Ingenieur Eckhard Hölzemann klargemacht: Einen ...

Tragehilfe für den Rettungsdienst: Drehleiter aus Dierdorf unterstützte in Pleckhausen

Pleckhausen. Beim Eintreffen der Feuerwehren wurde der Patient bereits durch den Rettungsdienst betreut. Der Einsatzleiter ...

Elektromobilitätskonzept ist fertig

Unkel. Das interkommunale Elektromobilitätskonzeptes für die LEADER-Region Rhein-Wied ist nunmehr fertiggestellt. Das rund ...

Einladung zur Weihnachtswerkstatt im Bürgertreff Dernbach

Dernbach. In den kommenden Wochen ist der Bürgertreff Dernbach regelmäßig dienstags und donnerstags geöffnet. Kinder und ...

Herzgesund essen - mediterrane Küche mit Genuss

Neuwied. Dann lädt die Familienbildungsstätte Sie am Donnerstag, 11. November, von 18 bis 21 Uhr, zum Kochabend in Theorie ...

Weitere Artikel


Grün-Weiss ließ es in der Raiffeisenturnhalle krachen

Neuwied. Auf der Grün-Weissen Narrensitzung konnten die Heddesdorfer Karnevalisten in der bereits vor Weihnachten ausverkauften ...

Drunken Raptorz gewinnen 6. Nachtturnier der Amboss-Kickers Döttesfeld

Puderbach. In der ersten Halbzeit spielten die Amboss-Kiddis stark auf und gingen mit einem souveränen 5:0 Vorsprung die ...

Lauftreff Puderbach traf sich zum Silvesterlauf

Puderbach. Wie immer konnten die Ausdauersportler wählen, ob sie die 10, 14 oder 21 Kilometer lange Strecken durch den Naturpark ...

Karneval beim Bonifaz in Niederbieber

Neuwied. Ein erster Höhepunkt wird der Auftritt des Neuwieder Prinzenpaares sein - sicher ein Heimspiel, da der Prinz aus ...

Buchtipp: „Tödliches Erbe“ von Tom Ice

Dierdorf/Wissen. Der Prolog ist origineller Weise „einen Monat vor der Gegenwart“ datiert und befasst sich mit einem Brief, ...

Polizei Linz: Frau in Notlage und weitere Einsätze

Seniorin in Notlage
Linz. Am Samstag, dem 4. Januar wurde der Polizei in Linz mitgeteilt, dass sich der Anrufer um seine ...

Werbung