Werbung

Nachricht vom 08.12.2019    

Buchtipp: „Römische Naschkatzen“ von Marcus Junkelmann

Von Helmi Tischler-Venter

Römische Gerichte haben vor allem auf Festen entlang der Limesregion Konjunktur. Wer die Römerfeste etwa in Hillscheid und Rheinbrohl besucht, kann sich an frischem Fladenbrot mit „Moretum“ und Oliven oder dem Bohnentopf sowie gewürztem Wein laben. Nach antiken Rezepten zu kochen, hat einen Hauch von Abenteuer an sich, es liegt sowohl auf der Linie des Interesses für fremdes und exotisches Essen, als auch dem aktuellen Trend zum Nachvollziehen des Alltags früherer Zeiten.

Buchtitel. Foto: Verlag

Dierdorf/Oppenheim. Der Schwerpunkt des vorliegenden Bändchens mit dem vollen Titel „Römische Naschkatzen. Praktische Anleitung für die altrömische Küche“ liegt auf der praktischen Realisierung der ausgewählten 60 Rezepte, die ein möglichst repräsentatives Bild der römischen Küche vermitteln sollen, soweit das die schriftliche und archäologische Überlieferung zulässt.

Es gibt reichliche Quellen für römische Rezepte aus der Zeit vor Christi Geburt, von dem älteren Cato über Plautus, Terentius Varro und Columella bis zum älteren Plinius. Die weitaus größte Rezept-Fülle findet man im Kochbuch „De re coquinaria“ von Marcus Cavius Apicius. Dieser war ein bekannter Feinschmecker, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte und sich vergiftet haben soll, als er feststellte, dass ihm für eine menschenwürdige Ernährung nicht mehr genug Vermögen geblieben war. Obwohl bei Apicius Flamingobraten in Dattelsauce und gefüllte Haselmäuse vorkommen, sind die Rezepte mehrheitlich gutbürgerlich mit dem häufigen Einsatz von fermentierten Fischsaucen (garum, liquamen) und einigen exotischen Gewürzen.

Meistens fehlen in den römischen Kochbüchern die Mengenangaben, ähnlich Großmutters küchenerfahrener „Hand-Habung“ oder dem kreativen Variieren moderner Köche. Empfehlenswert ist schrittweises Abschmecken, daher sind die Mengenangaben nur als Leitwerte zu sehen. Die ungewohnten Ingredienzien sind im Fachgeschäft oder Internet erhältlich oder können selbst hergestellt werden. Zum Beispiel die häufig verwendete salzige Fischsauce „garum“ oder „liquamen“ war in römischer Zeit ein Fertigprodukt, es kann durch in Cetara erzeugte „clatura di alici“ oder in Salz eingelegte Sardellen ersetzt werden. Die oft empfohlenen ostasiatischen Fischsaucen lassen die Intensität des original „liquamen“ vermissen.

Standardzutaten für römische Gerichte sind grobes Meersalz, dazu „silphium“ oder „laser“, das durch in asiatischen Geschäften erhältliches „Asant“ ersetzbar ist, außerdem sirupartig eingekochter Traubenmost, dem heutigen Dessertwein „Vinsanto“ vergleichbar. Oft wurden zur Süßung getrocknete Früchte, vor allem Datteln und Pflaumen sowie Pinienkerne zugesetzt. Schwarzer Pfeffer war ein häufiges Würzmittel, da Pfefferschoten und Paprika aus Amerika noch völlig unbekannt waren.

Feldfrüchte waren „faba“, das sind Dicke Bohnen oder Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln und Lauch. Würzmittel wie Koriander und Kreuzkümmel, Wiesenkümmel, Dill, Raute, Bohnenkraut, Thymian, Sellerie, Minze, Petersilie, Lorbeer, Origano und Fenchel leben teilweise in der aktuellen italienischen Küche weiter. Das römische „ligustum“ könnte Liebstöckel oder Maggikraut entsprechen. Olivenöl kam in vielen Sorten und Qualitätsstufen vor, in der Volksküche wurden auch viel Schweineschmalz und Speck verwendet.

Die Römer kochten auf Holzfeuer, vor allem aber auf der Glut der Holzkohle, die Herde bestanden aus Ziegelstein-Flächen. Die tönernen oder metallenen Kochtöpfe und Pfannen hingen an Haken oder standen auf Dreibeinen und Rosten. Der Mörser (mortarium) ist die römische Küchenmaschine, daneben gab es diverse Messer und tönerne Reibschalen.

Neben gutem Wasser galt nur Wein als menschenwürdiges Getränk. Weine wurden oft mit Zutaten verändert oder mit Wasser gemischt. Sie bildeten auch einen Standardbestandteil der Saucen, ebenso der Weinessig. Salate pflegte man, wie auch heute noch in Italien, mit Essig, Öl und Salz zu würzen. Milch wurde nicht getrunken sondern zu einer Fülle von Käsesorten verarbeitet.

Die Hauptmahlzeit (cena) fand am Abend statt und konnte sich beträchtlich in die Länge ziehen. Sie zerfiel gewöhnlich in drei Hauptgänge: mensa prima, secunda, tertia. Man begann mit Eiern, Appetithappen und Salaten, ging dann über Fleisch, Fisch und Gemüse zu Süßigkeiten, Käse und Obst als Nachtisch vor. Zum Aufnehmen der Saucen diente das stets vorhandene Brot. Frühstück (prandium) und Mittagessen (cibus meridianus) waren mehr ein Imbiss.

Die Rezepte beginnen mit solchen aus der frührömischen Kultur, das waren Breie und Backwaren, Käse und Oliven sowie einige Süßigkeiten. Der Gerstenbrei „polenta“ und das Militärbrot „panis militaris“ kommen vertraut vor, das Mostbrot „mustaceus“ eher exotisch. Raffinierte Gerichte wie Mohnknödel (globi) oder die geschichtete Käsetorte (placenta) reizen zum Nachkochen. Natürlich fehlen nicht saurer Brotbrei (sala cattabia) und zwei Rezepte für „moretum“, einer Paste aus Käse, Knoblauch und Kräutern. Mehrere Rezepte mit Oliven, Bohnen und Hülsenfrüchten werden von Gemüse oder Salat von Roten Rüben, gekochten Blumenzwiebeln mit Rauke, Pilzpfanne und Spargelauflauf gefolgt. Eiergerichte und raffinierte Rezepte mit Meeresfrüchten zeigen die kulinarische Vielfalt der Römer. Bei „Spanferkel mit Thymian“ (porcellum timo sparsum), Schweinebraten nach Art von Ostia (ofellas ostiensis) und mit Lorbeer und Milch zubereitetes Zicklein (haedus laureatus ex lacte) beispielsweise läuft das Wasser im Mund zusammen. Bene vobis!

Das Buch ist bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media erschienen, ISBN 978-3-96176-089-3. htv


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Kommentare zu: Buchtipp: „Römische Naschkatzen“ von Marcus Junkelmann

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Elf Fahrzeuge missachten deutliche Absperrungen der Polizei nach Verkehrsunfall

Im Rahmen einer Verkehrsunfallaufnahme mit einem verletzten Motorradfahrer am 4. August gegen 13:30 Uhr musste die B 256 in Fahrtrichtung Neuwied, Höhe Ausfahrt Neuwied Zentrum voll gesperrt werden.


Coronafall in Kita Erpel - Tests durch Gesundheitsamt laufen

In der Kita Erpel (Verbandsgemeinde Unkel) gibt es einen bestätigten Coronafall. Dies teilte die Kreisverwaltung Neuwied mit. Die Eltern wurden durch die Kita-Leitung informiert und eine Coronatestung von Eltern, Kindern und Erzieherinnen in der Fieberambulanz Neuwied in Absprache mit dem Gesundheitsamt Neuwied veranlasst. Einen weiteren Fall gibt es in der Stadt Neuwied


Der Eingang vom Zoo Neuwied erstrahlt in neuem Glanz

Vor sechs Jahren wurde der Eingang des Zoos neu gestaltet: Ein großer Torbogen mit verschiedenen Fellmustern und Bilder der Zootiere verschönerten den Eingangsbereich. Nun waren ein paar bauliche Veränderungen im Eingangsbereich notwendig.


Kultur, Artikel vom 05.08.2020

Biergarten an der Wied statt Wied in Flammen

Biergarten an der Wied statt Wied in Flammen

Der Junggesellenclub „Gemütlichkeit“ e. V. freut sich sehr darüber, eine Alternative für Wied in Flammen 2020 anzukündigen. In diesem Jahr leider ohne Flammen aber trotzdem mit mindestens genauso schöner Atmosphäre auf unserem Eventgelände an der Wied in Waldbreitbach.


Region, Artikel vom 04.08.2020

Weiterer Corona-Fall in VG Linz aufgetreten

Weiterer Corona-Fall in VG Linz aufgetreten

Am heutigen Dienstag, den 4. August ist ein neuer Positiv-Coronafälle im Kreis Neuwied registriert worden. Die Summe aller Fälle steigt somit auf 245 an. Betroffen ist die Verbandsgemeinde Linz.




Aktuelle Artikel aus der Kultur


Rainer in Rommersdorf: „Für mich ist Karneval mein Leben“

Neuwied-Rommersdorf. Im malerischen Pfortenhof der Abtei Rommersdorf konnten am 4. August rund 80 Zuschauer die Premiere ...

Biergarten an der Wied statt Wied in Flammen

Waldbreitbach. Am 15. und 16. August wird es einen gemütlichen Biergarten mit verschiedenen Livemusikern und „Wiedklang“ ...

Beim Wandern Wichtiges über Wein erfahren

Neuwied. Der Wanderführer leitet die Teilnehmer von Feldkirchen rund vier Kilometer über den Rheinsteig in den beliebten ...

Keramikkünstlerpaar Angerer zeigt Arbeiten in Kulturwerkstatt

Unkel. Tine Angerer, ihre keramischen Arbeiten sind wunderbar, wundersam. Da flirten grünäugige Damen mit allerlei grellem ...

Sängerin Kathy Kelly zieht in „Big Brother“-Container

Rennerod. Selbst Kellys Dornburger Gesangslehrer Erwin Stephan hat bis zuletzt nicht geahnt, dass seine bekannte Schülerin ...

Buchtipp: „Kelten Kochbuch“ von Ingeborg Scholz

Dierdorf. Was wir gemeinhin für keltisch halten – König Artus, die Volkskulturen Irlands und Schottlands, wo die gälische ...

Weitere Artikel


Schowen hat den Mini-Superstar

Dierdorf-Giershofen. Viele fleißige Frauen hatten auch ein riesiges Kuchenbüffet gestaltet. Verbandsbürgermeister Horst Rasbach ...

Der Angstgegner hat wieder zugeschlagen

Neuwied. Zum letzten Heimspiel in der 2. Volleyball Bundesliga Süd Frauen in 2019 hatte der VC Neuwied`77 am Samstagabend ...

Dreister Diebstahl von Zigarettenautomat und Trunkenheitsfahrt

Dreister Diebstahl eines Zigarettenautomaten
Neuwied. Am Freitagnachmittag meldete eine Mitarbeiterin eines Neuwieder Gastronomiebetriebes, ...

Rotarischer Kunstpreis 2019 im Roentgen-Museum Neuwied

Neuwied. 2003 gab es den ersten Kunstpreis, durch den damaligen Präsidenten Dr. Bernhard Reuther ins Leben gerufen. War es ...

Zwölfjähriger mit entwendetem Fahrrad aufgegriffen

Neuwied-Innenstadt. Der Junge war wenige Stunden zuvor aus einer Jugendhilfeeinrichtung als vermisst gemeldet worden und ...

Mehr als 1.000 Einsendungen bei Ministeriums-Malwettbewerb

Mainz/Region. „Der Malwettbewerb hat vor allem eines ganz deutlich gezeigt: Rheinland-Pfalz ist ein Land begabter Nachwuchskünstlerinnen ...

Werbung