Werbung

Region | - keine Angabe -


Nachricht vom 30.10.2019    

Immer mehr kleine Kinder im Land brauchen Unterstützung

Alle drei Jahre ziehen die rheinland-pfälzischen Jugendämter und das Jugendministerium eine Bilanz bei den Hilfen zur Erziehung. Der Landesbericht gewährt einen aussagekräftigen Einblick in die soziale Wirklichkeit unseres Bundeslandes. Jugend- und Familienministerin Anne Spiegel hat die rund 300seitige Bilanz jetzt gemeinsam mit Burkhard Müller, Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, der Öffentlichkeit präsentiert.

(Symbolbild: Cheryl Holt/Pixabay)

Rheinland-Pfalz. „Ich möchte den rheinland-pfälzischen Jugendämtern für ihre wertvolle und gute Arbeit danken", erklärte Jugend- und Familienministerin Anne Spiegel. „Sie sind für viele Familien eine wichtige Unterstützung und helfen ihnen, schwierige Situationen gut zu bewältigen. Zudem sorgen sie in unzähligen Fällen dafür, dass Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen gut und sicher betreut werden." Spiegel ergänzte: „Der Hilfebedarf von Kindern, Jugendlichen und Familien ist anhaltend hoch. 2017 haben die 41 Jugendämter in Rheinland-Pfalz knapp 27.000 Hilfen in Familien, in Heimen oder Pflegefamilien gewährt. Dies zeigt, wie unverzichtbar die Arbeit der Jugendämter ist."

Burkhard Müller, Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, erklärte: „Die Jugendämter leisten eine wichtige Arbeit. Sie unterstützen Familien, die oft am Rande der Gesellschaft stehen und sind Garant, damit Kinder gut aufwachsen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Der Bilanzbericht ist eine wichtige Arbeitsgrundlage für unsere Jugendämter, um sich den ständig neuen Herausforderungen stellen zu können".

Fünf signifikante Entwicklungen
Aus dem Landesbericht zu Hilfen zur Erziehung lassen sich fünf signifikante Entwicklungen ablesen:

1. Familien in schwierigen Situationen erfahren zunehmend Hilfe und Unterstützung in ihrem eigenen Zuhause. Im Zuge des Ausbaus der Kinder- und Jugendhilfe hin zu familienunterstützenden Hilfen hat sich die Fallzahl der ambulanten Hilfen in Rheinland-Pfalz seit dem Jahr 2002 um über 9.000 Hilfen auf jährlich 14.000 Hilfen erhöht.

2. Die Kinder in den Erziehungshilfen werden immer jünger. Die stärksten Fallzahlentwicklungen sind bei den Kindern unter drei Jahren zu beobachten – hier haben wir in den letzten drei Jahren einen Anstieg von 14 Prozent. Jedes dritte Pflegekind ist zum Zeitpunkt der Unterbringung jünger als drei Jahre – in den Heimen ist jedes 9. Kind zum Zeitpunkt der Unterbringung unter 6 Jahren. Dazu erklärte Familienministerin Spiegel: „Eine der Ursachen dieser Entwicklung ist, dass die Nöte der Kinder früher erkannt werden. Das ist unter anderem auf den konsequenten Ausbau der Frühen Hilfen zurückzuführen. Gleichzeitig stimmt es mich besorgt, dass der Hilfebedarf schon bei den Kleinsten insgesamt deutlich wächst. Diese Thematik werden wir noch einmal intensiv mit den Jugendämtern besprechen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen."

3. Die Zahl der Pflegekinder steigt. Zugleich gibt es trotz einer hohen Zahl von Trennungen, knappem bezahlbarem Wohnraum in den Städten und einer gleichbleibend hohen Armutsquote von Familien immer mehr Familien, die bereit sind, ein Pflegekind aufzunehmen.

„Diese Bereitschaft zur Hilfe ist eine sehr erfreuliche Tendenz", betonte Familienministerin Spiegel. „Die Vollzeitpflege ist in den vergangenen 15 Jahren um fast 60 Prozent angestiegen. Die Offenheit, eines oder mehrere Pflegekinder aufzunehmen, ist beeindruckend. Wenn ein Kind nicht in der ursprünglichen Familie bleiben kann, ist es immer am besten, wenn es in einer neuen Familie echte Geborgenheit erfahren kann. Daher freut mich dieser Anstieg sehr."

4. Mehr Kinder sind gefährdet. 2017 sind über 7000 Gefährdungsmeldungen bei den Jugendämtern eingegangen. Jede Meldung wird nach einem festen Ablaufplan geprüft und bewertet – in mehr als jedem dritten Fall (34 Prozent) wurde eine akute oder latente Gefährdung des Kindeswohls festgestellt. Dazu Jugend- und Familienministerin Anne Spiegel: „Diese Entwicklung erfüllt mich mit Sorge. Im Jahr 2017 wurden in Rheinland-Pfalz knapp 1.400 junge Menschen in Obhut genommen. Das ist die weitest gehende Maßnahme des Jugendamtes im Fall einer Kindeswohlgefährdung."

5. In der Bundesrepublik leben schätzungsweise bis zu 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit einem psychisch oder suchterkrankten Elternteil. Diese Entwicklung ist auch hier im Land wahrnehmbar. Familienministerin Anne Spiegel nennt rheinland-pfälzische Zahlen: „Bis zu 220.000 Kinder leben bei einem psychisch erkrankten oder einem suchterkrankten Elternteil. Eine psychische Erkrankung oder eine Suchterkrankung eines Elternteils stellt einen besonderen Risikofaktor für eine Kindeswohlgefährdung dar."

Schwerpunkt bei den Präventionsmaßnahmen
Jugend- und Familienministerin Spiegel zieht Konsequenzen aus dem jüngsten Bericht zu Hilfen zur Erziehung: „Ich werde einen Schwerpunkt bei den Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche setzen, die unter erschwerten familiären Belastungssituationen aufwachsen wie psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen der Eltern. Dazu werden wir 750.000 Euro zusätzlich für den Kinderschutz zur Verfügung stellen. Diese zusätzlichen Mittel sollen insbesondere für Maßnahmen und Projekte zur Unterstützung von Kindern psychisch und/oder suchterkrankter Eltern in den Kommunen eingesetzt werden."

Zudem setzt Ministerin Spiegel sich für eine Pflegekinderkampagne ein. „Wir werden eine solche Kampagne 2020 gemeinsam mit den Kommunen ausarbeiten. Ziel muss sein, die Akzeptanz und Wertschätzung von Pflegefamilien zu stärken und 2021 zu einem landesweiten Pflegefamilientag nach Mainz einzuladen", so Spiegel. (PM)



Kommentare zu: Immer mehr kleine Kinder im Land brauchen Unterstützung

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Zusammenführung fehlgeschlagen – Tigerin Kimberly erlag ihren Verletzungen

Bei der Zusammenführung der beiden Tiger im Zoo Neuwied kam es zu einem Angriff des Männchens Ivo auf Weibchen Kimberly. Trotz der vorbereiteten Sicherungsmaßnahmen dauerte es einigen Sekunden, ehe der aggressive Tiger von seiner potenziellen Partnerin abließ und sich umsperren ließ.


Region, Artikel vom 27.01.2021

Corona: Zwei Todesopfer und 40 neue Fälle

Corona: Zwei Todesopfer und 40 neue Fälle

Im Kreis Neuwied wurden 40 neue Positivfälle sowie zwei weitere Todesfälle registriert. Die Summe aller Positivfälle steigt auf 4.554 an. Aktuell sind 321 infizierte Personen in Quarantäne.


Corona: 31 Mitarbeiter der Kamillus Klinik in Asbach infiziert

Aus dem Umfeld der Kamillus-Klinik in Asbach gab es in den letzten Tagen immer wieder Informationen über Infektionen mit Covid 19 von Mitarbeitern und Patienten. Die Klinikleitung hat auf unsere Nachfrage hin Stellung bezogen.


Region, Artikel vom 27.01.2021

Mit dem Winterdienst am frühen Morgen auf Tour

Mit dem Winterdienst am frühen Morgen auf Tour

Bürgermeister Martin Buchholz wollte sich mal persönlich ein Bild vom Winterdienst in seiner Gemeinde und den immer wieder mal vorgetragenen Problemen machen. Sein Resümee lesen Sie nachstehend.


Klimaschutz: Friedrichstraße in Neuwied wird umgebaut

53.000 Euro nimmt die Stadtverwaltung in die Hand, um den zwischen Engerser Straße und Kirchstraße gelegenen Teil der Friedrichstraße zu begrünen. Er bietet wegen ausreichend vorhandener Flächen die idealen Voraussetzungen dafür.




Aktuelle Artikel aus der Region


Klimaschutz: Friedrichstraße in Neuwied wird umgebaut

Neuwied. Die vorbereitenden Bauarbeiten beginnen in der ersten Februarwoche und sollen zum 19. Februar abgeschlossen sein. ...

Corona: Zwei Todesopfer und 40 neue Fälle

Neuwied. Der Inzidenzwert liegt gemäß aktueller Berechnung durch das Landesuntersuchungsamt RLP bei 129,6 und ist damit nicht ...

Evang. Krankenhaus Dierdorf/Selters von DDG re-zertifiziert

Dierdorf/Selters. Um eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten, zertifiziert die Deutsche Diabetes Gesellschaft ...

Stadt-Bibliothek-Kundin gewinnt bei Onleihe-Jubiläumsquiz

Neuwied. Mehr als 2.800 Nutzer aus allen Teilen des Landes haben daran teilgenommen, darunter rund 90 Leser, die bei der ...

Krankenhaus Bad Honnef schließt Geburtsstation

Bad Honnef. Die GFO stellt im Rhein-Sieg-Kreis ihre Geburtshilfe neu auf, heißt es in einer Pressemitteilung des Krankenhauses. ...

Landesweiter Kontrolltag zur Einhaltung der Corona-Regeln

Koblenz. Die Polizei unterstützt die originär zuständigen kommunalen Vollzugsdienste bereits seit Beginn der Corona-Pandemie ...

Weitere Artikel


Bestandsaufnahme durch die Bachpaten in der Wied

Neustadt. Bei der Aktion handelte es sich um eine groß angelegte Elektrobefischung, die von den Bachpaten Altenwied in Auftrag ...

Erfolgreiche Gesundheits- und Krankenpfleger

Dierdorf/Selters. Insgesamt drei junge Erwachsene bestanden ihre Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger mit gutem ...

Herzschlagfinale bei 5. Rheinland-Pfalz Rollstuhltennis-Meisterschaft

Windhagen. So holten sich beide Spieler in einem hochklassigen Match am frühen Sonntagnachmittag jeweils einen Satz und der ...

Große SWR-Messaktion: in Straßenhaus ist es zu laut

Straßenhaus. Bei 15 von 25 Messungen des SWR lag der Großteil der Schallpegel über den von der Weltgesundheitsorganisation ...

Arbeitsmarkt im Kreis noch immer auf gutem Kurs

Kreisgebiet. „Wie bereits in den vergangenen Monaten thematisiert wurde, hat der regionale Arbeitsmarkt leicht an Aufnahmefähigkeit ...

Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr in Puderbach

Puderbach. In der letzten Woche ist das neue Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug 10 (HLF 10) in Puderbach eingetroffen. Es ...

Werbung