Werbung

Nachricht vom 19.10.2019    

Buchtipp: „Die Keramik der Moche-Kultur“ von Victòria Solanilla Demestre

Von Helmi Tischler-Venter

Der Rheinische Westerwald lebt seit mehreren hundert Jahren mit den berühmten blau-grauen Steingutgefäßen, die zumeist im Kannenbäcker Land entstanden sind. Wie anders die Keramik in einer anderen Region zu einer anderen Zeit gestaltet wurde, zeigt der von Dr. Michael Zelle, Leiter des Lippischen Landesmuseums herausgegebene Sammlungskatalog „Die Keramik der Moche-Kultur“, die vor 2.000 Jahren in Nordperu entstand.

Buchtitel. Foto: Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH

Dierdorf/Oppenheim. Die Autorin Victòria Solanilla Demestre ist Professorin für Alte Geschichte und Archäologie (präkolumbianische Kulturen) an der Autonomen Universität Barcelona. Auf Deutsch und Spanisch stellt Demestre 128 Objekte vor, die alle von der Nordlüste Perus im Küstental der Moche stammen. In ihnen spiegelt sich die Moche-Kultur wieder, die religiös ausgerichtet war. Die Keramikkünstler der Epoche schufen eine große Menge an Gefäßen, die mit Malereien, Einritzungen, plastischen Darstellungen und feinlinearen Zeichnungen verziert waren.

Zu Beginn der Moche-Zeit war das Tonmaterial noch grobkörnig und die Gefäßwände entsprechend dick und schwer. Der Ton wurde mit Magermittel und Wasser vorbereitet. Mit zwei sich ergänzenden Modeln wurde die gewünschte Form gepresst. Zusätzliche Elemente wie Ausguss, Henkel und Figuren wurden hinzugefügt, mit einem Spatel verbunden und glattgestrichen, danach setzte man eine Tonplatte als Boden ein. Dadurch besitzen alle eine ebene Standfläche. Auf das luftgetrocknete Gefäß wurde Engobe aufgetragen. Mit Pinselmalereien und Einritzungen wurde zusätzlich dekoriert. In gut vorbereiteten Brennöfen wurden die Objekte gebrannt.

Die Moche produzierten figürliche Gefäße mit unterschiedlichen Motiven: Menschen, Tieren, Pflanzen, Einzelfiguren und Gruppenszenen. Sehr markant und häufig sind bei den figürlichen Gefäßen die Steigbügel-Henkel, auf deren Halbrund ein kurzer Zylinder als Ausguss zentral aufgesetzt ist. Oft bildet ein feiner Wulst an dessen oberem Ende die Ausgusslippe. Diese Gefäße sind als diverse Portraitköpfe gestaltet, mit markanter Nase, Kinn, Haar, Kopftuch und roter, weißer oder brauner Erdbemalung im Gesicht. Jedes Gesicht trägt individuelle Züge. Das modellierte Zubehör lässt zuweilen auf Priester, Lastenträger, Krieger, Verstümmelte, wichtige Persönlichkeiten wie Heiler schließen.

Ungewöhnlich sind Mischwesen, halb Mensch, halb Tier, bekleidet, zuweilen einen Gegenstand haltend, mit dem Gesicht eines Affenmenschen oder mit Schnauze und Fangzähnen. Bei einem Tongefäß in Form eines Hybridwesens mit Kopfputz und Jaguarzähnen könnte es sich laut Demestre vielleicht um die Darstellung der bekannten „Gottheit der Berge“ handeln, die von zweiköpfigen Schlangen beschützend umringt wird. Bei dem „Eulenpriester“, einer Menschengestalt mit Vogelkopf, wurden gar vier Farben verwendet. Ganz ohne Bemalung blieb ein Gefäß in Tierform in menschlicher Hockposition: ein Mann in Raubtierverkleidung oder ein vermenschlichtes Raubtier oder ein Gott aus der Phantasiewelt der Mochicas.

Die peruanische Tierwelt taucht auf vielen Gefäßen auf: Schlangen, Jaguare, Schnecken, Seelöwen, Eulen, Haie und Leguane sind gleichzeitig auf Portraitgefäßen erkennbar. Interpretiert wird das als bildliche Darstellung eines Schöpfungsmythos, beidem das energetische Zusammenspiel der Meeres-, Land- und Himmelstiere offenbar wird.

Flachkugelförmige Gefäße mit leicht gewölbter Basis dienten als Maisröster. Es gibt auch eine Anzahl zoomorpher Gefäße die einen konisch ausschwingenden Hals mit weiter Öffnung besitzen oder in Form einer vermenschlichten Kartoffel mit Zahlreichen Kartoffelaugen.

Der europäischen Formensprache ähnlicher sind Tonflaschen mit Tüllenausguss. Eine eigene Gruppe bildet „Bemalte Keramik“: glocken- kugelförmige oder Zylindrisch-trapezförmige Steigbügelgefäße mit detailliert gemalten Eidechsen, Watvögeln oder mythischen Schlangen, Mondtieren und Krieger-Ente.

Die Exponate bilden eine bemerkenswerte Keramik-Sammlung des Anden-Kulturraumes, die der aus Lippstadt stammende Arzt Dr. Eduard Gaffron in den Jahren 1882 bis 1913 zusammentrug, in denen er in Lima praktizierte. Der Sammlungskatalog ist im Museums-Shop und im Buchhandel erhältlich. Erschienen ist er bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, ISBN 978-3-96176-069-5. htv


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Kommentare zu: Buchtipp: „Die Keramik der Moche-Kultur“ von Victòria Solanilla Demestre

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


A 3 - Zweiwöchige Teilsperrung der AS Neustadt/Wied

Das Autobahnamt Montabaur lässt in Kürze Instandsetzungsarbeiten am Überführungsbauwerk im Bereich der Anschlussstelle (AS) Neustadt/Wied ausführen. Hierzu wird die Anschlussstelle zum Teil gesperrt und eine Umleitung eingerichtet.


Region, Artikel vom 07.07.2020

Dierdorf: Es gibt ihn noch, den ehrlichen Finder

Dierdorf: Es gibt ihn noch, den ehrlichen Finder

Unsere Redaktion erreichte eine rührende Geschichte, die einen sehr schönen und guten Ausgang hat. Sie spielt auf einem großen Parkplatz im Industriegebiet in Dierdorf. Dort waren zwei Frauen unterwegs.


Französisches Flair lockt in die Innenstadt von Neuwied

Ein Juli in Neuwied ohne französisches Flair? Undenkbar! Obwohl die Corona-Pandemie dafür sorgt, dass auch der beliebte Französische Markt nicht wie geplant stattfinden kann, müssen die Neuwieder und ihre Gäste nicht ganz auf einen Gruß aus dem Nachbarland verzichten.


Auto landet nach Verkehrsunfall in Schaufensterscheibe

Im Innenstadtbereich von Neuwied im Bereich der Engerser Straße Ecke Wilhelmstraße kam es am frühen Dienstagnachmittag (7. Juli) zu einem Verkehrsunfall mit zwei Verletzten und einem demolierten Schaufenster.


Polizei Neuwied: Streitigkeiten, Betäubungsmittel und stillgelegter VW-Golf

Am 7. Juli wurden bei der Polizeiinspektion Neuwied insgesamt sechs Verkehrsunfälle protokolliert. Ein VW-Golf war nicht ordnungsgemäß getunt und wurde stillgelegt. Bei Personenkontrollen wurden Betäubungsmittel gefunden. Im Sohler Weg gab es Streit zwischen einem Scooterfahrer und Bewohner, der in Körperverletzungen mündete.




Aktuelle Artikel aus der Kultur


Römische Beleuchtung - Thementage in Römer-Welt Rheinbrohl

Rheinbrohl. Termine für die Workshops sind: Samstag 14 bis 16 Uhr, Sonntag 11 bis 13 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr. Die Teilnehmerzahl ...

Neue Ausstellung „Der Baum“ im Roentgen-Museum Neuwied

Neuwied. Im jährlichen Wechsel mit der Stadt-Galerie findet alle zwei Jahre eine Ausstellung der Gruppe 93 im Roentgen-Museum ...

Jetzt hat Neuwied doch noch sein Sommertheater

Neuwied. Kulturelles: Gerade Theaterstücke brauchen eine gewisse Zeit der Vorbereitung, um durch den Schreiber des Stückes ...

Scheurener feierten Kirchweih mit Hochamt und Prozession

Scheuren. Wegen der aktuellen Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mussten der St.-Joseph-Bürgerverein ...

Informationsveranstaltung zum UNESCO-Welterbe-Antrag

Rheinbrohl. Zum Abschluss des, auf etwa 30 Minuten angesetzten, Vortrags erfolgt eine kurze Schilderung des aktuellen Stands ...

Online-Benefizkonzert: 1500 Euro gehen an Neuwieder Tafel

Neuwied. Dabei vergessen sie nicht, auf das Ziel des Benefizkonzertes hinzuweisen: Die Neuwieder Tafel benötigt einen neuen ...

Weitere Artikel


Wissing: Noch bis 31. Oktober bewerben

Mainz/Region. Minister Dr. Wissing lobt den Wettbewerb um die innovativsten Produkten, Verfahren und Dienstleistungen im ...

Lauftreff Puderbach mit Kind und Kegel unterwegs im Grenzbachtal

Puderbach. Am ersten Etappenziel, der Schutzhütte am Hölderstein-Klettersteig, wurde zunächst einmal gerastet um dann den ...

Feuerwehr Neustadt löscht brennenden PKW auf Autobahn

Neustadt. Der Brand hatte gerade auf den Innenraum übergegriffen, als die Einsatzkräfte eintrafen. Mittels Schaum und Wasser ...

Rotes Kreuz weiht neues Service-Wohnen in Asbach ein

Asbach. „Es ist mir eine große Freude, unsere neue Einrichtung mit insgesamt 23 seniorengerechten Wohnungen einweihen zu ...

Unfallflucht nach Totalschaden – Polizei sucht weitere Unfallstellen

Bendorf. Das den Unfall verursachende Fahrzeug wurde dabei ebenfalls heftig beschädigt. Dieses entfernte sich dann jedoch ...

EHC-Tugenden wieder abrufen

Neuwied. „Da wird richtig gutes, intensives und körperbetontes Eishockey gespielt", wirft der Trainer des EHC „Die Bären" ...

Werbung