Werbung

Nachricht vom 11.06.2019    

Im Trauercafé gute Zuhörer und Hilfe gefunden

Fast zwei Jahre sind vergangen, seitdem sich Susanne Klein das erste Mal auf den Weg gemacht hat, um das Trauercafé des Neuwieder Hospizvereins zu besuchen. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes hatte sie das Gefühl, dringend mit jemanden reden zu wollen. „Am Anfang fragten ja noch alle Bekannten, wie es mir geht. Aber das wurde irgendwann weniger und ich hatte das Gefühl, dass sie nicht immer wieder mit meiner Trauer konfrontiert werden wollen“, erinnert sich Klein.

Wenn ein Trauerfall das Leben in ein Chaos stürzt und alles in Unordnung bringt, helfen die Trauerbegleiterinnen Brigitte Metzler, Beatrix Knab, Marion Meffert (von links), den Faden des Lebens wiederaufzunehmen und in geordnete Bahnen zu lenken. Auf dem Foto fehlt Trauerbegleiter Ernst Neumann. Foto: Hospizverein

Neuwied. Ihre Tochter hatte sie damals auf das Trauercafé des Hospizvereins aufmerksam gemacht. „Ich kann es ja einmal ausprobieren“, hatte sich Susanne Klein damals gedacht. Aus dem Ausprobieren sind nun zwei Jahre geworden. Zwei Jahre, in denen sie kein Trauercafé versäumt hat. Denn Susanne Klein fand dort genau das, wonach sie gesucht hatte: Menschen, die zuhören und die sie verstehen. Darüber hinaus entwickelten sich noch gute Freundschaften mit zwei anderen trauernden Frauen.

Eine von ihnen ist Regine Fischer. Vor rund drei Jahren hatte sie ihren Mann verloren, ein Jahr später verstarb ihre Mutter, die sie nach dem Tod ihres Mannes zu sich geholt hatte. „In der Zeit, als meine Mutter bei mir war, hatte ich keine Zeit zu trauern. Es gab so viel zu tun“, erzählt Fischer. Als dann aber auch ihre Mutter verstarb, fiel sie in ein Loch. „Da ging dann gar nichts mehr“ erinnert sich die Neuwiederin. Ihre Pfarrerin hatte sich nach Hilfe für sie umgehört und sie schließlich auf das Trauercafé aufmerksam gemacht. „Ich wusste, dass es einen Hospizverein gibt. Aber dass dort auch Trauernde hingehen können, das wusste ich nicht“, sagt sie.

Also rief sie dort an. „Kommen sie einfach vorbei“, hatte man ihr damals gesagt. Noch heute ist Regine Fischer ihrer Pfarrerin für diesen Tipp dankbar. „Manchmal braucht man jemanden, der einen anschubst“, sagt sie. Und so lernte Regine Fischer im Trauercafé auch Susanne Klein (beide Namen geändert) kennen. „Ich wusste sofort, dass wir uns verstehen“, erinnert sie sich. Von dort an trafen sich die Frauen zum gemeinsamen Essen, Bummeln und auch, um alle zwei Wochen das Trauercafé zu besuchen.

Wenn Fischer und Klein immer wieder auch von ihrer Trauer eingeholt werden, die Gespräche auf die Verstorbenen kommen, so können sie heute sagen: „Uns geht es jetzt gut“. Der Besuch im Trauercafé hat ihrer Meinung dazu beigetragen. „Es ist jedes Mal anders. Jeder kann zu Beginn sagen, wie er sich fühlt und die Trauerbegleiter haben immer wieder neue Ideen und Methoden, mit denen Emotionen zum Ausdruck gebracht werden können“, berichtet Susanne Klein. Ihre anfängliche Skepsis, vor fremden Menschen ihr Herz auszuschütten, war schnell verflogen. „Die Männer und Frauen, die hierherkommen, haben ja alle ein ähnliches Schicksal“, sagt sie. Man vertraut sich, weiß, wovon der andere spricht oder wie er sich fühlt. Nicht zuletzt würden die vier Trauerbegleiter Brigitte Metzler, Marion Meffert, Ernst Neumann und Beatrix Knab, die in Neuwied abwechselnd das Trauercafé leiten, die Gespräche einfühlsam lenken und hilfreiche Impulse setzen.

Für Susanne Klein ist es nach zwei Jahren an der Zeit, sich vom Trauercafé zu verabschieden. Sie kann diesen Abschnitt mit guten Gefühl hinter sich lassen. „Es hat mir gutgetan, Zuhörer zu finden und für andere Zuhörer gewesen zu sein“, sagt sie. Und die Sonntage, an denen sie sich seit dem Tod ihres Mannes immer so einsam gefühlt hat, gehören dank Regine Fischer nun auch der Vergangenheit an.

Das Trauercafé findet alle zwei Wochen dienstags von 15.30 bis 17.30 Uhr in der Geschäftsstelle des Neuwieder Hospizvereins, Engerser Straße 55, statt. Weitere Trauercafés bietet der Neuwieder Hospizverein in Dierdorf und in Linz an. Mehr Infos im Internet unter www.neuwieder-hospiz.de oder unter Telefon 02631/344 214.


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Neuwied auf Facebook werden!


Kommentare zu: Im Trauercafé gute Zuhörer und Hilfe gefunden

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Region, Artikel vom 03.04.2020

Ursache des Großbrandes in Urbach geklärt

Ursache des Großbrandes in Urbach geklärt

Am frühen Morgen des 2. April kam es in Urbach zu einem Großbrand eines Wohngebäudes, das dadurch stark beschädigt wurde. Nach Abschluss der Löscharbeiten haben die Brandermittler der Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Ein Sachverständiger hat festgestellt, dass ein technischer Defekt am Fahrzeug, von dem der Brand ausging, vorlag.


Änderung der Öffnungszeiten der Fieberambulanz

Die Fieberambulanz in Neuwied ist seit fast drei Wochen in Betrieb. Insgesamt wurden bisher 1.228 Personen auf eine Corona-Infektion getestet. Im Landkreis Neuwied sind bisher insgesamt 153 positive Fälle registriert, darunter zwei Todesfälle. Am Freitag kamen keine neuen Laborbefunde zurück, sodass die Fallzahl unverändert zum Donnerstag ist.


Der aktuelle Lagebericht von der Coronafront im Kreis Neuwied

Stand heute (2. April) sind 153 Fälle einer Corona-Infektion beim Gesundheitsamt Neuwied registriert. Diese Zahl ist die Summe aller Fälle im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamt Neuwied.


Unterstützung für in Existenznot geratene Vereine möglich

Sportvereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb sind grundsätzlich in das Bundesprogramm Corona-Sofort-Hilfe für kleine Unternehmen einbezogen. Das hat Sportminister Roger Lewentz den Präsidien der Sportbünde in Rheinland-Pfalz nach einer entsprechenden Abstimmung mit dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium mitgeteilt.


Marika Poddey seit 40 Jahren im Dienst der Sparkasse Neuwied

Marika Poddey aus Siebenmorgen feierte am 1. April 2020 bei der Sparkasse Neuwied ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Sie begann ihre berufliche Tätigkeit als Angestellte bei der ehemaligen Kreissparkasse Neuwied.




Aktuelle Artikel aus der Region


A 48 – Baustelle Rheinbrücke Bendorf voll im Plan

Bendorf. Am Montag, dem 30. März, war schweres Gerät auf der Baustelle im Einsatz, um den Fahrbahnbelag abzufräsen, so dass ...

Änderung der Öffnungszeiten der Fieberambulanz

Neuwied. „Der Zulauf an der Fieberambulanz hat sich, im Vergleich zu den Anfangstagen, reduziert. Sicherlich auch mit dem ...

Dank KiJub und Big House in den Osterferien keine Langeweile

Neuwied. Auf der KiJub-Homepage finden sich bunte Seiten, die Basteln und Kreativität in den Fokus rücken: spannende Experimente, ...

Ursache des Großbrandes in Urbach geklärt

Urbach. Der Großbrand des Wohnhauses in Urbach forderte fünf Feuerwehren heraus. Wir berichteten. Im Einsatz waren die Wehren ...

Der aktuelle Lagebericht von der Coronafront im Kreis Neuwied

Neuwied. Eine weitere Corona-Ambulanz 🏥 ist in Ehlscheid in der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach in Betrieb ...

Unsere Arbeit in der Corona-Krise: Wir sind immer gerne für Sie da!

Die letzten Wochen waren für viele Menschen hart und mit Sorgen erfüllt. Das komplette öffentliche Leben kam zum Stillstand ...

Weitere Artikel


Seniorentanzcafé erfreut sich großer Beliebtheit

Neuwied. Begleitet und vorbereitet wurde das Seniorentanzcafé durch das Diakonische Werk im Ev. Kirchenkreis Wied, das auch ...

Staatliche Fischerprüfung in Neuwied bestanden

Neustadt. Geschult werden auf 42 Stunden komprimiert die Allgemeine und Spezielle Fischkunde, Gewässerkunde, Gerätekunde ...

A3: Anschlussstellen Montabaur und Ransbach-Baumbach nachts gesperrt

Anschlussstelle Montabaur
13. Juni, 20 Uhr, bis 14. Juni, 5 Uhr
14. Juni, 20 Uhr, bis 15. Juni, 5 Uhr
Im Bereich der Anschlussstelle ...

Grüne starten in Neuwied mit Rekordergebnis durch

Neuwied. Die Fraktion ist sich darin einig, dass mit dem ausgesprochen guten Wahlergebnis die Weichen dafür gestellt wurden, ...

A 48 – Anschlussstellen-Sperrungen aufgrund von Markierungsarbeiten

Koblenz/Höhr-Grenzhausen. Im Einzelnen sind dies die folgenden Anschlussstellen:

12. Juni, 19 Uhr bis 13. Juni, 5 Uhr: ...

Marie Böckmann und Vivien Ließfeld erfolgreich beim Siebenkampf

Waldbreitbach. In der Jugendklasse W14 gelang Marie Böckmann mit 3.343 Punkten der zweite Platz bei insgesamt 17 Teilnehmerinnen. ...

Werbung