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Nachricht vom 10.04.2019    

Exkursion zum Lebensraum Wildbienen und Hummeln in Rengsdorf

Kinderkräutergarten Flofa e.V. lud zu hochinformativen Spaziergang durch die aufblühenden Apfelwiesen in Rengsdorf ein. Ein erschreckender Rückgang der Population von Insekten, Wildbienen und Hummeln war festzustellen.

Insektenhotel und Kinderstube der Mauerbiene. Fotos: Claudia Heinrich-Börder

Rengsdorf „Das ist ja fantastisch, genau im richtigen Augenblick!“, strahlt Ingrid Runkel über das ganze Gesicht. Gerade zeigt sie den Teilnehmern der Exkursion „Lebensraum Wildbienen und Hummeln“ die „Kinderstube“ der Mauerbiene, als eine Vertreterin dieser Art in die Brutröhre krabbelt und prompt ein Ei legt. Ein gelungener Auftakt zu einem spannenden Nachmittag am 8. April mit Flofa e. V. im Rengsdorfer Kinderkräutergarten.

Die Mauerbiene macht ihrem Namen alle Ehre, denn tatsächlich mauert sie die Eingänge ihrer Behausung zu. Dies und vieles andere aus dem Leben der wilden Schwestern der Honigbiene und den Hummeln erklärt Ingrid Runkel den kleinen und großen Teilnehmern an diesem leicht bewölkten Nachmittag. „Nicht das ideale Flugwetter für unsere Brummer- allerdings fliegen sie bei jedem Wetter. Doch an sich ist der Rückgang der Population einfach nur erschreckend!“, erklärt die Hüterin des Rengsdorfers „El Dorado für Insekten“, wo einer Vielzahl an Schmetterlingen und auch zahlreichen Vögeln, Fuchs, Dachs, Schlangen, Eidechsen und viele anderen Bewohnern der Apfelwiesen, Lebensraum erhalten bleibt. „Der Kreislauf hier ist perfekt aufeinander eingespielt, fällt auch nur ein Pflanze weg, gibt es große Probleme!“

Auf dem Spaziergang ist Raum für manches Detail. „Die Hummel sucht sich Mauslöcher und wenn es ihr gefällt, bezieht sie diese. Sie vertreibt dafür auch gerne die Bewohner; brummt und zwickt so lange, bis die Maus aufgibt. Dann beginnt sie, es sich gemütlich zu machen; ganz alleine geht sie auf Nahrungssuche, legt Eier und versorgt die Brut“, erklärt Runkel an einer geschützten Stelle mit vielen Mauslöchern. Apropos ganz alleine: wir erfahren zudem, dass die Wildbiene im Gegensatz zur Honigbiene nicht im Volk lebt sondern ein klarer Einzelgänger ist.

An einer Schlehen- und Weißdornhecke treffen die Teilnehmer auf ein weiteres Insektenhotel, etwas anders gestaltet als im Kinderkräutergarten. „Wir sahen nun schon die Garten- und die Feldhummel. Leider immer weniger. Vor drei Jahren war der Weißdorn so gut besucht, man hörte schon einige Meter vor dem Strauch das Brummen der Hummeln und auch von den Wild- und Honigbienen. Heute ist kaum etwas zu hören. Die Hummelmama ist auch eine sehr fürsorgliche Mutter. Wenn die Eier gelegt wurden, bebrütet sie die Eier, so wie es unsere Vögeln auch tun“, erklärt Ingrid Runkel … und weiter dazu: „Hummeln können sich gut wehren: wenn man ihnen den Einflug zum Nest versperrt, zwicken sie zuerst mal den Menschen an einer nackten Hautstelle, zum Beispiel an der Wade. Stechen ist die allerletzte Option. An dieser blühenden Hecke hier beobachtete ich auch die Kuckuckshummel. Sie ist dunkler und hat nur einen gelben Strich unterhalb des Kopfes. Gelbe Behaarung kann auch ausbleiben. Auch von der Größe ist sie stärker gebaut als Ihre Kolleginnen“, teilt Ingrid Runkel ihr fundamentales Wissen.

Unterwegs treffen die Wanderer auf viele Tafeln mit Bildern der verschiedenen Arten und den wichtigsten Infos dazu. Der Besuch ist also keinesfalls abhängig von einem Event im Kräuterkindergarten, sondern bietet Naturinteressierten jederzeit einen lehrreichen Spaziergang durch den erholsamen Naturpfad der Rengsdorfer Apfelwiesen; doch mit Ingrid Runkel an der Seite wird das alles wesentlich mehr in der Tiefe vermittelt. „In der Streuobstwiese wird nicht gedüngt. Es ist ein ganz besonderer Lebensraum. Im Sommer 2018 haben Holzbienen und Hornissen zusammen in einem alten Apfelbaum genistet.“ So wird auch der Zusammenhang von Totholz, Bruchholz und Lebensraum Insekten klarer.



Viele Wildkräuter gedeihen am Wegesrand und auf den Wiesen, und auch Wasser ist ein ganz wichtiges Element: „Ich habe an einer Quelle Bienen beobachten können, die trinken, die sich am Rand feuchte Erde holen. Nicht nur die Bienen, sondern auch Vögel. Kräuter am Wegesrand: wenn diese blühen, dann kommen viele Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge auf ihre Kosten. Der kleine Wiesenbärenklau, die Wilde Möhre wachsen hier. Rotklee ist ganz wichtig für die Hummeln. Die Pflanzen haben sich so angepasst an ihre Bestäuber, dass dies mit den Rüsseln und den Zungen den Nektar holen können und die Pollen zum Teil an den Haaren und den Flügeln hängen bleiben. Es ist unglaublich wie sie ein Zusammenspiel entwickelten um ihre Art, Spezies einander erhalten und weiter entwickeln zu können. Wehe da fällt nur eine Pflanze weg, wie bei dem Schmetterling Schwalbenschwanz. Er braucht Fenchel.“

Gehen wir mal zurück zum Kinderkräutergarten. Dort gibt es Frühblütler, zum Beispiel Lungenkraut. Die Kinder und Erwachsenen können dort eine Wildbiene mit gedrungenem Körper, vielen Haaren auf dem Rücken und einer lange Zunge beobachten. Sie fliegen die einzelnen Blüten an und führen den Saugrüssel, die Zunge in die Blüte ein. Wie ein Kolibri stehen sie vor der Blüte. Unglaublich, wie sie im Fluge stehen bleiben können. „In dem Kinderkräutergarten gibt es immer für unsere Hummeln und Wild-und Honigbienen Nahrung. Beliebt sind der Beinwell und auch die Minze, die von den Schmetterlingen aufgesucht wird. Und dann ganz wichtig, die Brennnesseln. Diese werden nicht entfernt, sondern nur um Zaum gehalten. Sie bedeuten Nahrung für viele Schmetterlinge“, so Runkel.

Zum Schluss gibt uns Ingrid Runkel noch einen Ratschlag und gute Tipps mit, was jeder tun kann um die Vielfalt zu erhalten und zu fördern: „Bestäuber gesucht - soweit darf es nicht kommen! Wir setzen seit Jahren auf Gärten und Wiesen Randstreifen für den Überlebenskampf unserer Wildbienen und Hummeln ein. Was nützen Insektenhotels wenn den Fliegern keine Nahrung angeboten wird? Weg von den Steingärten! Jeder kann etwas zum Überleben beitragen. Auf dem Balkon, der Terrasse und auch auf der Fensterbank. Mit Küchenkräutern, wie Borretsch kann man kleine Angebote mit großer Wirkung den Insekten herbeizaubern. Und uns schmecken die Küchenkräuter doch auch?“

Ein weiteres Angebot lockt im April in den Kinderkräutergarten:

Freitag, den 26. April - Veranstaltung im Kinderkräutergarten von 14 bis 17 Uhr, Thema „7 Kräuter und ihre Kräfte“. Zielgruppe Erwachsene, Kostenbeitrag zehn Euro. Anmeldungen erforderlich. Kontakt heinz.runkel@t-online.de. Sollte es regnen fällt dieser Termin aus und wird nachgeholt.

Im Mai: Samstag, den 18. Mai; Backes: „Unser tägliches Brot.“ Selbst zubereitendes Brot abbacken im Backes, im Kinderkräutergarten ab 15 Uhr. Anmeldungen erforderlich: heinz.runkel@t-online.de.
Claudia Heinrich-Börder




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