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Nachricht vom 07.01.2019 - 08:41 Uhr    

Bären: Drei Derby-Punkte für riesigen Einsatz

Sieben Sekunden Restspielzeit stehen auf der Neuwieder Hallenuhr. Noch einmal Bully in der Verteidigungszone des EHC, noch einmal volle Konzentration abrufen. Aufseiten der Bären, um den 6:5-Vorsprung ins zum Greifen nahe Ziel zu retten, aufseiten der Rockets, um auf den letzten Drücker vielleicht doch noch zum ersten Mal in dieser Saison zumindest einen Punkt gegen den EHC zu holen.

In der Defensive kämpften die Bären verbissen um jede Scheibe. Hier kommt EGDL-Angreifer Tobias Schwab gegen Kapitän Stephan Fröhlich und Keeper Felix Köllejan nicht durch. Foto: Verein

Neuwied. Die Gäste gewinnen das Anspiel, bringen die Scheibe an die blaue Linie, Kapitän Alexander Engel zieht ab und findet seinen Meister in Felix Köllejan. Seine letzte Parade des Abends sorgt für Gewissheit und Jubel bei den Deichstädtern: Die Gastgeber gewinnen auch das dritte Derby der Eishockey-Regionalliga West gegen die EG Diez-Limburg vor 1288 Zuschauern, aber bevor sie diese drei Punkte mit den Fans frenetisch feiern, gibt es noch Klärungsbedarf auf dem Eis, weil der ständige Unruheherd und Diskussionsführer Konstantin Firsanov EHC-Schlussmann Köllejan angeht, fliegen die Fäuste.

Was das Spiel vor der Zuschauerrekordkulisse der Regionalliga West in dieser Saison angeht, sind die Bären der knappe, aber verdiente Punktsieger. Die Rockets haben spielerisch etwas mehr zu bieten, aber die Leidenschaft, mit der Neuwied kämpft, ist das entscheidende Mittel, das den Tabellenzweiten triumphieren lässt. „Wir haben ein ausgeglichenes Spiel zwischen zwei starken Mannschaften auf hohem Niveau gesehen. Es wurde ja reichlich darüber philosophiert, was besser ist: zwischen den Jahren frei zu haben oder durchzuspielen. Ich denke, wir haben heute die Antwort gegeben – frei ist manchmal besser", sah EHC-Trainer Daniel Benske eine Neuwieder Mannschaft, die in den Zweikämpfen sehr präsent agierte, früh am Gegenspieler war und im Schlussabschnitt noch etwas mehr zuzusetzen hatte.

Vor allem im ersten Drittel verteidigten die Einheimischen beinahe wie aus dem Lehrbuch. Hochkonzentriert engten sie die Räume von Eishockey-Augenweide Jeff Smith und Co. ein. Der US-amerikanische EGDL-Neuzugang ist schon nach drei Partien eine riesige Bereicherung für die Liga, aber viel Land sah er in den ersten 20 Minuten auch nicht, weil Frederic Hellmann, Daniel Pering und Co. wie lästige Kletten an ihm hingen. Neuwied konzentrierte sich zunächst überwiegend auf die Abwehr, prüfte Steve Themm zwischen den Pfosten der Raketen gar nicht mal häufig, und trotzdem lag die Heimmannschaft nach 14 Minuten mit drei Toren in Front. Stephan Fröhlich (7.), Martin Brabec (13.) und Michael Jamieson (14.) schossen Themm zeitig aus dem Tor und auf die Ersatzbank.

Nach dem dritten Gegentreffer deutete er unmissverständlich an: auswechseln. „Unsere Mannschaft war im ersten Drittel körperlich und geistig nicht da", erklärte Gästetrainer Stephan Petry den deutlichen Zwischenstand. „Im zweiten Drittel haben wir das umsetzen können, was ich in der Kabine gesagt habe und dann auch mal die Tore gemacht." André Bruch (27.), James Hill (29.) und Pierre Wex (33.) stellten auf Gleichstand. Verdient zu diesem Zeitpunkt, weil die Gäste von der Lahn die Spielkontrolle übernommen hatten und die Deichstädter nur noch selten Druck entfachten. Möglichkeiten resultierten fast nur noch aus Kontern, die Themm-Ablöser Constantin Schönfelder jedoch vereitelte.

Im Schlussabschnitt wurde die Benske-Truppe wieder aktiver und eröffnete mit einem Unterzahltor von Martin Brabec neun furiose Schlussminuten. Nicht nur wegen des „Shorthanders" spielte der EHC in numerischer Unterlegenheit großartig. Zehn Unterzahlsituationen – teilweise mit zwei Mann weniger – verteidigte Neuwied und behielt eine 100-Prozent-Quote im Penalty-Killing. Auch in dieser Disziplin lag ein Schlüssel zum Erfolg. Selbst gelangen dafür zwei Powerplaytore. Nach Brabecs 2:0 traf Frederic Hellmann in der 57. Minute zum 5:4, nachdem der überragende Smith – gefühlt mit 40 Minuten Eiszeit – egalisiert hatte (55.). Nur 25 Sekunden später narrte Brabec die EGDL-Hintermannschaft ein weiteres Mal (57.). Die Vorentscheidung? Jein. Weil die Rot-Weißen weiterhin reichlich Überzahl spielen durften. Smith schaffte genau zwischen zwei Powerplays den Anschlusstreffer, als Schönfelder bereits zugunsten eines sechsten Feldspielers das Eis verlassen hatte und sich auf der Bank befand. Dort war er auch, als Pering sieben Sekunden vor Ultimo in die Kühlbox musste. Aber auch den letzten Angriff des Vizemeisters von 2017/18 entschärfte der EHC.

„Im letzten Drittel war klar, dass Kleinigkeiten das Spiel entscheiden werden. Leider nur schade, dass die entscheidenden Situationen nicht von einem Spieler kamen", meinte EGDL-Coach Stephan Petry. Wen oder was er damit meinte, vertiefte er nicht. Vielleicht ja den Torpfosten, den Pierre Wex im zweiten und Alexander Engel unmittelbar vor Brabecs 4:3 getroffen hatten. Da besaß der EHC Glück, aber das hatten sie sich in so vielen Aktionen auch irgendwo erarbeitet und verdient.

Neuwied: Köllejan (Lehwald) – Pering, Hellmann, Schütz, Richter, D. Schlicht, Morys, Lehnert, Neumann – Fröhlich, Asbach, Wilson, Jamieson, Müller, Brabec, Wasser, S. Schlicht.
Diez-Limburg: Themm (ab 14. Schönfelder) – Engel, Krämer, E. Grund, Mörschler – Maier, Niestroj, Mainzer, Bruch, Firsanov, Wex, Schwab, Küpper, Flemming, Hill, Smith.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 1288.
Strafminuten: 43 + Disziplinarstrafe gegen Appelhans + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Wasser : 22 + Disziplinarstrafe gegen Niestroj.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (Hellmann, Jamieson) 7', 2:0 Martin Brabec (Appelhans) 13', 3:0 Michael Jamieson (Brabec, Wasser) 14', 3:1 André Bruch (Mörschler, Smith) 27', 3:2 James Hill (Maier, Schwab) 29', 3:3 Pierre Wex (Firsanov, Smith) 33', 4:3 Martin Brabec 52', 4:4 Jeff Smith 55', 5:4 Frederic Hellmann (S. Schlicht, Wasser) 57', 6:4 Martin Brabec 57', 6:5 Jeff Smith 60'.

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