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Nachricht vom 09.12.2018    

Spielzeug aus der Wirtschaftswunderwelt begeistert

Wenn der Blick auf einen 70 Jahre alten Kinderkaufmannsladen fällt, so hat das nicht nur nostalgische Effekte. Kinderspielzeug besitzt auch stets eine sozialgeschichtliche Komponente. Das weiß auch Jörg Bohn, der Organisator des Wirtschaftswundermuseums. Er präsentiert nun zahlreiche seiner Ausstellungsstücke in der Neuwieder Stadt-Galerie.

Kaufhaus. Fotos: Wirtschaftswundermuseum

Neuwied. Die Exponate der neuen Ausstellung in der Stadt-Galerie in der ehemaligen Mennonitenkirche werden bei vielen Besuchern Erinnerungen wecken und zu einem Automatismus führen. „Das hab‘ ich auch gehabt!“, dürfte ein oft zu hörender Ausruf sein. Der Einfachheit halber führt die Ausstellung, die am Mittwoch, 12. Dezember, eröffnet wird eben dies als Titel. Zu sehen ist Spielzeug aus der Wirtschaftswunder-Ära.

Und das bewegt sich meist auf den Pfaden des sozialen Wandels, dokumentiert Fress-, Reise- und Motorisierungswelle. So sieht man den Kaufmannsladen, dessen Auslage zwar noch gewisse Versorgungsengpässe dokumentiert (Kaffee-Ersatz-Mischungen, Götterspeise ohne Zucker), aber auch schon auf bessere Zeiten abhebt. Immerhin gibt es Fleischbrühe wieder in „Friedensqualität“. Wenig später sind die Regale gut gefüllt, die Kalorienaufnahme steigt mit der Lebensqualität – dem Marshallplan, der Währungsreform und dem enormen Leistungswillen der Bevölkerung sei Dank. Konsum rückt in den Fokus. Der ökonomische Aufschwung lässt sich am Spielzeug festmachen, durch gemütlich eingerichtete Puppenstuben etwa oder schick angezogene Puppen. Auch die nachfolgende Reisewelle hinterlässt Spuren – in Form von Brettspielen, die sich um Urlaubsfahrten drehen, und Miniatur-Fortbewegungsmittel wie Flugzeuge, Eisenbahnen, Schiffe und natürlich Autos.



Interessant auch der Blick auf die Fortschrittsgläubigkeit: Atomkraft galt als Heilsbringer, und so verwundert es kaum, dass 1958 ein Hersteller sogar ein Spielzeug-Atomkraftwerk im Sortiment hat. Die Elektrifizierung der Haushalte, die Entwicklung des Fernsehens zum Massenmedium und der Flug zum Mond in den 1960er-Jahren sind weitere Themenbereiche, die man in der Ausstellung entdecken kann. Insofern sind die Exponate mehr als Objekte, die Kinderherzen höher schlagen ließen, sie sind ein Spiegel deutscher Nachkriegsgeschichte.

Die Ausstellung ist bis zum 30. April in der Stadt-Galerie, Schlossstraße 2, zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch von 12 bis 17 Uhr, Donnerstag, Freitag, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 17 Uhr; Gruppen nach Vereinbarung. Info und Anmeldung unter Telefon 02631 20 687, E-Mail stadtgalerie@neuwied.de. (PM)


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