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Nachricht vom 23.10.2018 - 16:54 Uhr    

Den Wind des Klimawandels nutzen

Der Hambacher Forst, die Kraft gebende Großdemo dort und die Chance auf einen Kohleausstieg und weitere wirksamen Maßnahmen zum Schutz des globalen Klimas kam in nahezu allen Reden vor, die bei der Auftaktveranstaltung der Klimatour in Neuwied vor der evangelischen Marktkirche gehalten wurden. „Wenn der Wind des Wandels weht, so bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“, so zitierte Egbert Bialk, Vorstandsmitglied des BUND Rheinland-Pfalz, zu Beginn eine asiatische Weisheit.

Eröffnungsreden für die Klimatour in Neuwied. Fotos: privat

Neuwied. Angesichts der überall sichtbaren Zeichen einer aufkommenden „Heißzeit und gleichzeitiger politischer Tatenlosigkeit oder von offenkundigem Lobbyismus“ sei der Wunsch nach einem Wechsel überall spürbar, nicht nur bei Wahlen und Umfragen sondern in unserer Wirtschaftsweise. Die Menschen spürten, dass die Probleme unübersehbar sind und die alten Rezepte und Strukturen nichts mehr taugten für die Zukunft unserer Gesellschaft und der unserer Enkel. Bialk: „Die Zeit ist reif für einen grundlegenden Wandel und wir nutzen das mit einer gemeinsamen Anstrengung vieler unterschiedlicher Menschen und Gruppierungen.“

Aufgerufen zu der Klimatour hatte wieder das Bündnis Klimaschutz Mittelrhein, ein breites Netzwerk von 17 Natur- und Umweltschutzgruppen, Energiegenossenschaften, Bürgerinitiativen und kirchlichen Organisationen der Region. Pfarrer Werner Zupp hatte den Vorplatz und das Café Auszeit seiner evangelischen Marktkirche für die Auftaktkundgebung und Infostände zur Verfügung gestellt. Er begrüßte die Teilnehmer mit einem vom Weltladen zubereiteten Frühstück und einer anerkennenden Rede. Ulla Schäfer vom BUND Koblenz, die den ersten Programmpunkt initiiert hatte, schloss sich mit einem „dicken Dankeschön“ an und erinnerte an die Kraft des Gemeinsamen, die bereits Friedrich Wilhelm Raiffeisen so stark betont hatte. Sie plant weitere Veranstal-tungen mit der Kirchengemeinde und Eine-Welt-Gruppen in Neuwied und der Region. Auch der Neuwieder Oberbürgermeister Jan Einig, der sich kurzfristig als Schirmherr und für ein Grußwort bereitgefunden hatte, zeigte sich beeindruckt von der Breite der Klimaaktion. Er begrüßte einen Dialog über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg und wies zur angesprochenen Radwegeproblematik darauf hin, dass ein hoher Betrag für Radverkehrs¬maßnahmen in den Haushalt eingestellt wurde.

Vorstandsmitglied Patrick Simmer vom Neuwieder Umweltschutz e.V. NUV stellte die erfolgreiche Arbeit des Vereins vor, der vor zehn Jahren im Zuge des Baus eines Heizkraftwerkes auf dem Arnold-Georg-Gelände gegründet wurde. Damals konnten nach Klagen vor dem OVG Luftreinhaltungsmaßnahmen erreicht werden, gerade im Bereich Stickoxide. Simmer: „Damals, viele Jahre vor dem Dieselskandal, sind wir noch belächelt worden. Heute lacht niemand mehr.“ Weitere Erfolge in Sachen Luftqualität erreichte der NUV auch in Andernach und im Diestelfeld. Nicht zufrieden zeigte sich Simmer mit der Luftreinhaltepolitik in der Innenstadt, wo die Autoabgase problematisch sind und die Messstation offensichtlich so verlegt worden war, dass die Immissionsspitzen nicht mehr so drastisch ausfallen. Eigene Messungen haben gezeigt, dass der Standort der Luftmessstation am Heimathaus die falsche Stelle sei, da im Sinne der Gesundheit eigentlich die Höchstwerte gemessen werden müssten. „Warum geht man hier nicht ehrlich mit der Situation um – zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger?“, so der NUV. Die teilweise geplante Umstellung der Busse auf Hybridtechnik sei zwar ein Hoffnungszeichen, aber bei den Radwegen habe die Stadt einen riesigen Nachholbedarf.

Als weitere Rednerinnen und Redner schlossen sich die Stadtratsmitglieder Tobias Härtling (Die Linke), Inge Rockenfeller (Grüne) und Dr. Jutta Etscheidt (Bürgerliste Ich tu’s) an sowie Tobias Reh (Grüne) und Gustav Gehrmann (NUV). Susanne Kudies von Amnesty International Neuwied betonte, dass Umwelt- und Klimaschützer häufig in ihren Menschenrechten verletzt, teils sogar getötet würden, so zum Beispiel in den Kohleabbaugebieten Kolumbiens oder im Regenwald von Peru, auch eine Folge unseres rücksichtslosen Rohstoffhungers. Durch die fortschreitende Klimaerwärmung verlieren Millionen von Menschen ihre Lebensgrundlage, Kriege und Unterdrückung werden zunehmen. Sie rief deshalb zur Unterzeichnung von Petitionen an verschiedene Regierungen auf und kündigte eine Ausstellung zu Flucht und Menschenrechten ab 19. November in Neuwied an. Bereits am 29. Oktober wird ein Vortrag zur Thematik „Fluchtursache Klima“ mit Dr. Thomas Bernhard vom BUND im Gemeindesaal der Marktkirche Neuwied auf diese Amnesty-Ausstellung vorbereiten.

Mit „Neuwied braucht Radwege“-Plakaten setzte sich dann eine Radfahrer-Gruppe zu einer Verkehrswende-Erkundungstour durch die Neuwieder Innenstadt in Bewegung. Patrick Simmer zeigte auf, wie schwer es Radler in der Deichstadt haben. Ein einziger Radweg wurde gefunden, und der war viel zu schmal, teils zugeparkt. Die wenigen Schutzstreifen enden oft völlig abrupt, Fahrbahnbeläge sind desolat, und auch in der breiten verkehrsberuhigten Langendorfer Straße ist für Radfahrer kein Platz. Sogar nachts ist hier Radfahren verboten. „Insgesamt macht Neuwied überall den Eindruck einer einseitig autoorientierten City. Durchgehende Radrouten mit hinreichender Breite und Beschilderung sucht man vergebens. Es wundert mich nicht, dass auch Neuwied schlechte Immissionswerte in seiner Innenstadtluft hat“, so Egbert Bialk. Diese Negativ-Erfahrungen setzten sich auch auf der anschließenden Radtour am Rhein entlang nach Engers, Bendorf und Vallendar fort. „Der Weg ist in der Gemarkung Neuwied ebenfalls zu schmal und infolge Baumwurzeln, die durch den Asphalt drängen, eine einzige Buckelpiste. Hier sollte eine breitere wassergebundene Schotterpiste für Abhilfe sorgen“, fordern die Umweltverbände.

An die Radtour von Neuwied nach Vallendar schlossen sich ein Besuch beim Rohstofftag der Wasserburg und am Sonntag eine naturkundliche Führung des Nabu-Beweidungsprojektes auf dem ehemaligen Concordiahütten-Gelände in Bendorf an. Informationen und Spendenkoto zu unterstützungswürdigen Klima-Projekten und weiteren Veranstaltungen der Klimatour in Koblenz, Lahnstein, Neuwied und Dernbach/WW siehe auf der Homepage des Klimabündnisses klimaschutz-nord.bund-rlp.de oder telefonisch unter 0261-9734539. Für den 1. Dezember ist die Teilnahme an der nächsten Klima-Großdemo in Köln geplant. (PM)



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