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Nachricht vom 18.08.2018    

Minister besuchte Projekt „La Compostella“ in Neuwied

Das Wohnprojekt „La Compostella“ hat sich anscheinend bis zur Landesregierung Rheinland-Pfalz rumgesprochen. Nur so ist zu erklären, dass Roger Lewenz, der rheinland-pfälzische Minister des Inneren, in Neuwied-Segendorf erschien, um das Projekt zu begutachten und sich zu informieren. Die Begrüßung des Ministers nahmen Ludger Kamp und Marita Hoffmann-Brand vor, die Roger Lewenz herzlich begrüßten und „Ihr“ Projekt „La Compostella“ vorstellten.

Fotos: wear

Neuwied. Zusammengefasst ist „La Compostella“ ein privates Wohnprojekt auf Eigentumsbasis. Der Kern dieses Projektes ist das gemeinsame Leben im Alter, wobei sich die verschiedenen Eigentümer verpflichten, ein Leben in Autonomie, Solidarität und gegenseitiger Toleranz zu führen. Durch die demografische Entwicklung hat sich das Zusammenleben von Jung und Alt grundlegend geändert. Noch vor nicht allzu langer Zeit war es Gang und Gäbe, dass die Kinder, vor allen Dingen im ländlichen Raum, ihre Eltern daheim bis zu Tode versorgten und pflegten. Diese Situation hat sich durch viele Umstände, und gesellschaftlichen Veränderungen, grundlegend geändert.

Deshalb sind immer mehr Menschen im Alter damit konfrontiert, wie versorge ich mich selbst im Alter? Diesem allgemeinen Trend will „La Compostella“ entgegenwirken und spricht Menschen im gereiften Alter an. Derzeit folgen sechs Ehepaare und drei Einzelpersonen im Alter von 55 bis 83 Jahren diesem Konzept. Begonnen hat das Abenteuer beim Kartenspielen, als der Gedanke aufkam, ein gemeinsamen Zuhause im Altert zu schaffen. Man kann es auch „Schnapsidee“ nennen, denn jedem war klar, dass dies’ kein leichter Weg sein würde. Doch auch hier galt der Spruch: „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“

So nahm nach vielen Gesprächen und Debatten, das Wunschprojekt immer klarere Konturen an. Der Gedanke, der über allem steht, ist die gegenseitige Hilfe und Unterstützung, um so lange wie möglich im eigenen Heim zu bleiben und beim Älterwerden nicht zu vereinsamen.

Im Sinne einer guten Nachbarschaft kann sich jeder einbringen, zum Beispüiel durch Einkäufe, Kinderbeaufsichtigung, Unterstützung eines pflegebedürftigen Mitbewohners. Wichtig ist ebenfalls die Möglichkeit, ein geliebtes Haustier mitzunehmen. Sollte durch Urlaub oder Krankheit jemand nicht in der Lage sein, mit dem Hund „Gassi“ zu gehen, springt ein Mitglied der Wohngemeinschaft ein. „Zusammen leben in gemeinsamer Verantwortung für den Einzelnen“ das haben sich die „Compostellaner“ auf ihre Fahne geschrieben.

Die Wohnanlage entsteht auf einer ehemaligen Industriebrache in der „Auwiese“ in Neuwied-Segendorf neben der Wied in ruhiger Lage im Grünen. Stefan Schäfer, der Architekt des Projektes, hat alle Wünsche der Eigentümer in seinen Plänen umgesetzt, Parkfreiflächen neben den Häusern, oder Carports, Gemeinschaftsgrün zum Grillen, Möglichkeiten zum Sonnen und sogar ein Boule-Platz, an alles wurde gedacht. Energetisch ist die Wohnanlage auf dem neuesten Stand: Auf dem Dach wird eine Solarthermieanlage installiert, die circa 70 Prozent der Wärmeenergie liefert, dazu kommt ergänzend eine Pelletheizung, die durch eine Ringleitung alle Wohneinheiten beheizt.



Ein großer Gemeinschaftraum mit Küche und Sanitäranlagen entsteht in einer alten Produktionshalle auf dem Gelände, daneben kann man sich in einem Fitnessraum sportlich betätigen, in einer Werkstatt oder auch Hobbyraum handwerklich oder in einem Atelier sich künstlerisch betätigen. Es finden regelmäßig Eigentümerversammlungen statt, bei denen alles ohne Wenn und Aber auf den Tisch gelegt werden soll. Dieses Plenum entscheidet mit einer dreiviertel Mehrheit über Anträge, zudem ist kein Verwalter eingesetzt. Es gibt zwei Bevollmächtigte und einen Mediator.

Von den 15 Wohneinheiten sind aktuell zehn verkauft. Die Wohnflächen betragen zwischen 55 und 80 Quadratmeter. Auf einem Areal von rund 5.500 Quadratmeter werden rund 1.400 Quadratmeter Wohnfläche verbaut. Die Häuser werden in Massiv- und Holzbauweise erstellt. Dass Landesamt für Jugend, Soziales und Demografie hatte das Projekt lediglich mit einer Anschubfinanzierung von 6.000 Euro unterstützt, ansonsten ist das Projekt rein privat und aus eigenen Mitteln finanziert.

Die Bedeutung des Projektes „La Compostella“ wurde nicht nur durch den Besuch von Roger Lewenz untermauert, auch der OB der Stadt Neuwied, Jan Einig, und Bürgermeister Michael Mang, bekundeten durch ihre Anwesenheit das große Interesse, welches seitens der Stadt Neuwied diesem Projekt entgegengebracht wird. Bei dem nach der Begrüßung durchgeführten Rundgang durch die Anlage, konnte sich jeder der Teilnehmer von dem Fortgang der Baumaßnahmen überzeugen, überall wurde gehämmert, verputzt oder gegraben.

Der Minister zeigte sich sehr interessiert am Projekt „La Compostella“, nahm sich auch noch die Zeit, mit den Eigentümern zu diskutieren. Er betonte, dass das Thema „Leben im Alter und Pflege“ auch in der Landesregierung angekommen sei und man dabei sei, dieser Situation Rechnung zu tragen und Lösungen und Hilfen zu finden. Als Dank und Anerkennung für das mutige Projekt überreichte Roger Lewenz kurz vor seiner Weiterfahrt den Eigentümern die rheinland-pfälzische Landesflagge. wear




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