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Nachricht vom 13.11.2017    

Reiner Kröhnert, der Meister der politischen Parodie

Hajo Reuschenbach, Geschäftsführer des Hotels zur Post in Waldbreitbach bedauerte, dass in der Real-Satire der Berliner Scharmützel zu viele Amateure in zu vielen guten Positionen spielen. Es freute sich jedoch, mit Reiner Kröhnert einen absoluten Profi ankündigen zu können.

Reiner Kröhnert. Fotos: Wolfgang Tischler

Waldbreitbach. „Kröhnert XXL!", lautet das aktuelle Programm des Parodisten. Er startete gleich mit der Größten: eine Perücke und die verräterische Marionettenfalte um den Mund kennzeichneten die Wandlung zur Kanzlerin. Sie bekannte, dass tödlicher als ihre Schlagkraft ihre Umarmungen seien. Nach vier Jahren Große Koalition ist die SPD deutlich gesunken und die FDP geriet nach vier Jahren gar ins politische Machtexil. Sie freue sich auf Jamaika, weil sie gleich zwei Koalitionspartner auf einmal umarmen könne. Den armen bedauernswerten Grünen stehe ein überraschendes Erwachen in vier Jahren bevor. Konspirative Telefonate mit Putin halte sie auf dem Laufenden.

Der wandelbare Kröhnert legte auch Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck ungesagte Worte in den Mund, die sie gesagt haben könnten, genau in der Art und Weise, wie sie sie gesagt haben würden.

Martin Schulz, nach Merkels Wertung „leider keine Killerbiene“ ist, postulierte als stolzes Langzeitziel - mit Andrea Nahles auch als Parteivorsitzender- unter die Fünf-Prozent-Hürde abzutauchen. So konnte Gerhard Schröder „mit Bruststimme“ feststellen: „Ohne mich ist die SPD nichts mehr.“

Mit US-Käppi erklärte Donald Trump alles zu Fake.news und Wolfgang Schäuble resümierte feixend: „Dass es so ischt, wie es ischt, das ischt die Krux. TTIP wird Kommen trotz Trump. Wachstumshormone verkürzen die Dauer des Mästens und damit das Leid von den Tierle. Das Chlor ist unser Freund, deshalb keine Angst vor amerikanischen Chlor-Hühnle.“

Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann könnte sich über Hofreiter aufregen, wenn er sich denn aufregen könnte. Das „spontane Streitgespräch“ mit Edmund Stoiber entwickelt sich typgerecht zu einem netten Männergespräch über Brauchtumspflege und Hobbies.

Eine fulminante Idee des Künstlers war das wiederholte Aufeinandertreffen von Adolf Hitler und Erich Honecker in einem Raum in der Hölle. Die beiden Unverstandenen waren sich einig, dass sie ihre Fehler bereuen, aber „Es wird nicht wieder vorkommen.“ Beide finden in der Gegenwart würdige Nachfolger. Für Hitler ist das „der große Sultan Erdogan, der mit den ISS, den Islamistischen Schutzstaffeln, Europa von den modernen Plagegeistern befreien wird.“ Für Honecker wird „Kim Jong Un, der Sohn meines alten antikapitalistischen Kampfgefährten Kim Jong-Il, mit der ultimativen Waffe, der Atom-Bombe für die Vernichtung des Kapitalismus sorgen.“ Einigkeit herrscht über die Vollkommenheit von Angela Merkel, die Lichtgestalt der Uckermark, die schon als Schülerin Honeckers gelehrig war und für Hitler eine imposante vaterländische Erscheinung ist und deren Raute eigentlich die Odal-Rune darstellt, auf die bereits die Hitler-Jugend Treue geschworen hat.



In mehreren Folgen der Fernsehreihe „Der Intellekt hat viele Gesichter“ trafen Moderator Michel Friedmann und sein Dauergast Rüdiger Safranski auf illustre Gesprächspartner wie Boris Becker, der nach eigener Einschätzung in Philosophie eine Naturbegabung ist. Sokrates sagte einst: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Boris stellte fest: „Ich bin besser, weil, ich weiß mehr!“ Die Botschaft seines philosophischen Buchs „Das Leben ist kein Spiel“ laute: „Pocher ist ein Depp!“

Dieter Bohlen, von Friedmann als Meister der niedrigsten Instinkte mit furioser Fäkalphantasie vorgestellt und Daniela Katzenberger, die sich begeistert zeigt über das Gespräch mit alten Männern, verraten viel von ihren geheimsten Gedanken, sehr authentisch und zur Freude des Publikums kein bisschen tiefschürfend.

Die großartigste Nummer Kröhnerts war der Auftritt als Mephisto Klaus Kinski in klassischen Reimen von erlesener Semantik. Kinskis muskelzuckendes Credo lautete: „Ach, wär ich Priester nur geworden in einem Knaben-Schänder-Orden!“

Reiner Kröhnert verfügt tatsächlich auch über eine eigene Stimme, die war nur kurz am Ende der Vorstellung zu hören, als der Künstler ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte. htv


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