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Nachricht vom 15.10.2017 - 10:52 Uhr    

Die Revolution aus dem Westerwald

Die Volks- und Raiffeisenbanken kennt fast jeder, ihren Erfinder Wilhelm Raiffeisen nicht. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurde über den berühmten Westerwälder angeregt diskutiert. Warum Raiffeisen immer noch aktuell ist und was Raiffeisen für Gemeinsamkeiten mit Karl Marx hat erläuterten zwei Kuratoren aus Trier und Koblenz auf der Bühne des Rheinland-Pfalz Podiums.

Diskussion auf der Buchmesse Frankfurt; 200. Geburtstag im Jahre 2018: Karl Marx und Wilhelm Raiffeisen (Foto: MVI)

Koblenz. Nächstes Jahr finden zwei Sonderausstellungen in Rheinland-Pfalz statt. Grund für die Ausstellungen in Trier und Koblenz sind die Geburtstage zweier wichtiger Rheinland-Pfälzer. Wilhelm Friedrich Raiffeisen und Karl Marx würden 2018 ihren 200. Geburtstag feiern. Ein Grund für die Kuratoren Prof. Dr. Beatrix Bouvier und Dr. Markus Würz sich mit den beiden Weltverbesserern zu beschäftigen und ihr Schaffen auf dem Podium der Buchmesse zu diskutieren.

Beatrix Bouvier betonte, dass das Wirken Marx gerade nach der Finanzkrise 2008 an Bedeutung zugenommen und an Aktualität nichts verloren hat. Während Marx jedoch die Welt verändern wollte, änderte Raiffeisen zunächst einmal die sozialen Bedingungen seiner direkten Umgebung nachhaltig. In einer Sache waren sich Marx und Raiffeisen jedoch einig, dass einer allein die schlechten gesellschaftlichen Bedingungen nicht zum Positiven verändern kann. Raiffeisen sah in der Gründung von Genossenschaftsvereinen eine Möglichkeit der Veränderung. Eine Veränderung die auch den unteren Bevölkerungsschichten ermöglichten sollte Kredite aufzunehmen und Darlehen zu bekommen. Für ihn war die Teilhabe aller am Finanzmarkt zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage von Bedeutung. Deswegen trägt die Ausstellung in Koblenz auch den Namen „Wirtschaft Neu Denken“.

In der Diskussionen wurde darauf hingewiesen, dass Raiffeisens und Marxs Denken auch heute noch, bei weltweiter Armut und Ausbeutung, von Nöten ist und ihre Ideen Lösungsansätze bieten können. Denn nach wie vor profitieren nicht alle von der Wirtschaft.

Wilhelm Friedrich Raiffeisen ist am 30. März 1818 in Hamm, als siebtes von neun Kindern, geboren. Seine Kindheit war von Armut geprägt. Nach dem Besuch der Volksschule wurde Raiffeisen zusätzlich drei Jahre vom örtlichen Pfarrer allgemeinbildend unterrichtet. Teil des Unterrichts war auch die christliche Lehre der Nächstenliebe, was Raiffeisen ein Leben lang geprägt hat. Als 17-Jähriger meldete sich Raiffeisen zum Militär, dort schlug er eine höhere Laufbahn ein, den Militärdienst musste er jedoch wegen eines Augenleidens beenden. Ersetzend schlug er eine Beamtenlaufbahn ein.

1845 wurde er Bürgermeister in Weyerbusch und setzte sich für den Bau von Schulen und Straßen ein. Eine Missernte 1846 sorgte für ein Hungerleiden in den Gemeinden, um der Not etwas entgegenzusetzen gründete Raiffeisen Vereine die Spenden sammelten und Darlehens vergaben. Diese Vereine basierten auf einem genossenschaftlichen Prinzip, so traten in die Vereine sowohl Wohlhabende als auch bedürftige Bürger und Bürgerinnen ein. 1848 wechselt Raiffeisen als Bürgermeister nach Flammersfeld, dort gründete er den „Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte“, der Verein vergab Kredite an bedürftige Bauern. Als er das Amt des Bürgermeisters in Heddersdorf übernahm, erlebte er Folgen der industriellen Revolution für die Stadtbevölkerung. Auch dort gründete er einen Wohltätigkeitsverein, der sich für die Fürsorge verwahrloster Kinder und deren Erziehung als auch die Errichtung einer Kreditkasse für Bedürftige einsetzte.
1866 veröffentlichte sein Buch “Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter”. Teile des Konzeptes sind noch bei den heutigen Volks- und Raiffeisenbanken zu finden. 1888 stirbt Raiffeisen, seine Idee lebt bis heute. (MVI)

Alle Informationen zu den Sonderausstellungen und weitere Informationen zu den Personen Wilhelm Raiffeisen und Karl Marx unter:
https://raiffeisen2018.de
http://tor-zum-welterbe.de/festung-ehrenbreitstein/ausstellungen/vorschau/
https://www.karl-marx-ausstellung.de/home.html


Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neu Denken
Landesmuseum Koblenz | Haus der Kulturgeschichte

13. Juni 2018 bis 27. Januar 2019

KARL MARX: 1818–1883
LEBEN. WERK. ZEIT.
Trier 05.05.–21.10.2018
Große Landesausstellung
Rheinisches Landesmuseum Trier
Stadtmuseum Simeonstift Trier



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