Werbung

Nachricht vom 11.05.2017    

Fachtag Demenz beleuchtet viele Perspektiven

Gemeinsam hatten die Netzwerke Demenz Koblenz, Mayen-Koblenz und Neuwied zu einem Fachtag mit dem Titel „Demenz - eine Krankheit? Auf den Blickwinkel kommt es an“ in die Aula der Christiane-Herzog Schule in Neuwied-Engers eingeladen. Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich mit dem Thema Demenz beschäftigen, sei es als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Dienste und Einrichtungen, der kommunalen Verwaltung und Politik oder als Betroffene, Angehörige und Interessierte.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Chefarzt der Gerontopsychiatrie der Rhein-Hessen-Fachklinik; Achim Hallerbach, 1.Kreisbeigeordneter Landkreis Neuwied; Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer, Justus-Liebig-Universität Gießen; Uwe Baumann, Netzwerk Demenz Koblenz; Dr. Ulrich Kettler, Netzwerk Demenz Neuwied; Heike Kautz, Netzwerk Demenz Koblenz; Patrick Landua, Landeszentrale für Gesundheitsförderung in RLP; Mechtilde Neuendorff, Seniorenzentrum des Heinrich-Hauses Engers; Moderatorin Daniela Bublitz und Olaf Spohr, Netzwerk Demenz Mayen-Koblenz.

Kreisgebiet. Über 150 Interessierte waren der Einladung der Veranstalter gefolgt. Als renommierte Referenten konnten der Soziologe und Theologe Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer aus Gießen sowie der Mediziner Prof. Dr. Andreas Fellgiebel aus Mainz/Alzey gewonnen werden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen eine Vielzahl von Fragen: Wie ist der aktuelle Stand der Demenzforschung? Wird das Thema Demenz medizinisch-pharmazeutisch dominiert? Wie geht unsere Gesellschaft mit den Themen Alter und Demenz um?

Als Vertreter der Veranstalter begrüßte Psychiatriekoordinator Dr. Ulrich Kettler die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er führte aus, wie es zu der engen Zusammenarbeit der drei regionalen Netzwerke kam und welche gemeinsamen Ziele die Kooperationspartner verfolgen. „In den Landkreisen Mayen-Koblenz und Neuwied sowie der Stadt Koblenz leben über eine halbe Million Menschen. Legt man die Zahlen der deutschen Alzheimer-Gesellschaft zugrunde, sind davon rund 10.000 Personen von Demenz betroffen", führte Kettler aus. Die gute und enge Zusammenarbeit auf regionaler Ebene ermöglicht es, die Angebote und Hilfen ständig weiter zu entwickeln.

Auch der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, der als Vertreter der beteiligten Kommunen die Anwesenden begrüßte, führte die Bedeutung des Themas Demenz sowie die Anforderungen an die Kommunen aus. „Die Kommunen arbeiten daran, Versorgungsangebote zu verbessern und Versorgungslücken zu schließen", so Achim Hallerbach. „Erfreulicherweise wurden durch die Pflegestärkungsgesetzte die Leistungen für erforderliche Hilfen, insbesondere für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, verbessert". Weiterhin begrüßten Patrick Landua von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in RLP und Mechtilde Neuendorff vom Seniorenzentrum des Heinrich-Hauses die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Anschließend referierte Prof. Dr. Fellgiebel über das Krankheitsbild Demenz am Beispiel der Alzheimerdemenz, die mit rund 55 Prozent den größten Teil aller Demenzformen ausmacht. Er führte aus, dass typisch neuropathologische Befunde wie die sogenannten Plaques eine notwendige, aber keine hinreichende Diagnose für Alzheimer seien. Er führte weiter aus, dass nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung mit Medikamenten im günstigsten Fall nur eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes, nicht aber eine Heilung möglich sei. Trotzdem plädierte er für eine frühzeitige Diagnostik, auch um andere Krankheitsursachen, die behandelbar sind, auszuschließen. Nach seiner Auffassung erfolge bis heute die Diagnostik zu spät. Die Forschung zeige darüber hinaus, dass mit einer höheren Bildung das Risiko einer späteren Demenzerkrankung sinke. Weitere wichtige Faktoren seien soziale Netzwerke, eine gesunde Lebensführung sowie geistige und körperliche Aktivitäten.

Der Soziologe Reimer Gronemeyer, Autor des Buches „Das 4. Lebensalter - Demenz ist keine Krankheit" führte kritisch aus, wie unsere moderne, leistungsorientierte Gesellschaft allgemein mit dem Thema Alter und dem Thema Demenz im Speziellen umgehe. Nach seiner Auffassung sei Alter schon immer mit körperlichen und geistigen Einschränkungen verbunden gewesen. Indem die Demenz vorrangig als Erkrankung definiert und das Thema durch die Medizin dominiert wird, würden soziale Fragen in den Hintergrund treten. Dabei stünden Profite der Pharmaindustrie im Vordergrund, der gesellschaftliche Umgang mit dementen Menschen und ihren Angehörigen rücke in den Hintergrund. „Jede Gesellschaft erhält die Erkrankungen, die sie verdient", so die provokante These von Prof. Gronemeyer.

In einer abschließenden Gesprächsrunde unter Leitung der Moderatorin Daniela Bubliz konkretisierten beide Referenten jeweils ihre Standpunkte und beantworteten die zahlreichen Fragen aus dem Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Musikalisch eingerahmt wurde der Fachtag durch Beiträge der Pianistin Arngard Schmidt von der Akademie für Musik und Bildung. Finanzielle Unterstützung erhielt die Veranstaltung von den beteiligten Kommunen, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in RLP, der Heinrich-Haus gGmbH und den Barmherzigen Brüder Saffig.


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Neuwied auf Facebook werden!


Kommentare zu: Fachtag Demenz beleuchtet viele Perspektiven

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Region, Artikel vom 24.05.2020

Polizei Linz: Tesla zeichnet Unfallflucht auf

Polizei Linz: Tesla zeichnet Unfallflucht auf

Die Polizei Linz berichtet in einer Pressemitteilung über ihre Arbeit für das Wochenende vom 22. bis 24. Mai. Zeugen werden für einen Diebstahl von drei Motorrädern aus einer Garage gesucht. Ein Tesla hat eine Unfallflucht selbst aufgezeichnet.


Pfand-astische Aktion: 750 Euro für die Neuwieder Tafel

Michael Klein und Jörg Röder aus Oberbieber waren überwältigt von der großen Resonanz ihrer „Pfand-astischen Aktion" zugunsten der Neuwieder Tafel am vergangenen Wochenende.


Handfester Streit zwischen Ex-Eheleuten und einiges mehr

Im Berichtszeitraum vom 22. bis 24. Mai ereigneten sich insgesamt 13 Verkehrsunfälle, bei denen ein geschätzter Gesamtsachschaden von circa 21.850 Euro entstand. Daneben berichtet die Polizei Neuwied von einer ganzen Reihe Straftaten in ihrem Wochenendbericht.


Nicole nörgelt… über den Sperrmüll gegenüber

GLOSSE | Er tut mir ja fast ein bisschen leid. Morgen ist Sperrmülltag und dieses traurige Gesicht, mit dem er jetzt schon seit mindestens zehn Minuten neben dem Möbelstapel vor der Gerageneinfahrt steht, könnte einem fast ans Herz gehen. Aber seine Freundin ist unerbittlich.


Sport, Artikel vom 24.05.2020

SG Ellingen II präsentiert erste Neuzugänge

SG Ellingen II präsentiert erste Neuzugänge

Während der Amateurfußball im Land ruht und die Saison offiziell vom Verband beendet wurde, laufen auch bei der Ellinger Zwoten die Vorbereitungen auf die neue Saison. Wann diese starten wird ist noch für alle ungewiss, aber bei den #ellingerjungs setzt man auf jeden Fall ein erstes Zeichen.




Aktuelle Artikel aus der Region


Pfand-astische Aktion: 750 Euro für die Neuwieder Tafel

Oberbieber. Nicht nur aus Oberbieber, sondern aus dem ganzen Stadtgebiet stellten Neuwieder leere Getränkekästen und Pfandflaschen ...

Polizei Linz: Tesla zeichnet Unfallflucht auf

Diebstahl von drei Motorrädern
Vettelschoß. In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai entwendeten unbekannte Täter aus einer ...

Gesundheitstipp: Serie Atemgymnastik und Atemtraining Teil 3

Arme und Schultern nach vorne dehnen
Puderbach. Ziel: Schultern, Arme, Hände, oberer Rücken, Hals und Kopf werden gelöst. ...

Nicole nörgelt… über den Sperrmüll gegenüber

Dierdorf. Gegenüber wird ausgemistet und anscheinend sind es vor allem seine Sachen, die rausfliegen. Ich gebe mir gar keine ...

Handfester Streit zwischen Ex-Eheleuten und einiges mehr

Neuwied. Nach insgesamt drei Unfällen entfernten sich die Verursacher unerlaubt. Dank aufmerksamer Zeugen konnten in zwei ...

Besondere Idee: Freibad Oberbieber wird großer Biergarten

Neuwied. Kurzerhand entwickelten die ehrenamtlichen Betreiber vom Heimat- und Verschönerungsverein Oberbieber (HVO) ein völlig ...

Weitere Artikel


Entscheidung Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist gefallen

Oberdreis. Mit dem Sieg in der Hauptklasse sind Oberdreis und Hardert nun für die Teilnahme am Gebietsentscheid im Juni qualifiziert. ...

„Aktion Eine Welt“ spendet für soziale Projekte

Neuwied. Schmidt zeigte sich erfreut, dass neben der Ladenarbeit und dem Verkauf fair gehandelter Produkte immer wieder die ...

Eisenkunstguss Museum präsentiert neues Kurztheater

Bendorf-Sayn. Anno 1914 hatte noch seine feste Ordnung. So auch im Hause des Direktors der Sayner Hütte. Dort hält die gnädige ...

Wasserprojekt für Grundschüler der Marienschule

Bad Hönningen. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler, dass Wasser nicht einfach selbstverständlich aus dem Hahn läuft, ...

Schwerer Unfall im Industriegebiet Neuwied

Neuwied. Im Einmündungsbereich der Kreuzung kam es zur Kollision der beiden Fahrzeuge. Der Rollerfahrer erlitt schwere Verletzungen ...

Wildkatzen im Seniorenzentrum

Neuwied. Im Vorfeld hatten sich die Mädchen der Wildkatzen-Gruppe mit Einrichtungsleiterin Mechtilde Neuendorff getroffen ...

Werbung