Werbung

Nachricht vom 26.03.2017    

Kästner trifft Ringelnatz

Wie sich doch die Bilder gleichen. War im Gemeindehaus der Marktkirche im Herbst vergangenen Jahres Pfarrer Werner Zupp gezwungen, zusätzlich Stühle für die zahlreichen Zuhörer zu organisieren, traf es diesmal Pfarrer Jochen Trauthig von der evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber, in dessen Gemeindehaus Herbert Kutscher erneut eine Lesung veranstaltete, diesmal unter dem Motto „Erich Kästner trifft Joachim Ringelnatz“.

Begeisterten erneut bei einer Lesung, diesmal mit Werken von Kästner und Ringelnatz (von links):Thomas Schmidt und Herbert Kutscher im evangelischen Gemeindehaus Oberbieber. Foto: Hans Hartenfels

Neuwied- Oberbieber. Vom Vorsitzenden des Veranstalters, dem Kirchbauverein, begrüßt, gelang es Kutscher erneut die Zuhörer 90 Minuten zu fesseln, obwohl es sich keineswegs um Spannungsliteratur, sondern um Heiteres beider Epigrammatiker handelte. Erich Kästner, 1899 in Dresden geboren, lebte lange in Berlin, so dass sich seine ersten Werke zwangsläufig mit dem ersten Weltkrieg befassten und der Machtergreifung durch die Nazis. Kästner war ein Nachtmensch, der sich oft in Kneipen aufhielt und so nebensächlichen Dingen wie „Das Gemurmel eines Kellners“, ganz besonderen feinen Damen, die mit Mäntel und Hüten ins Bett gehen oder dem Besuch vom Lande in der Großstadt, deren Aufenthalt er genoss, aber auf dem Alexanderplatz überfahren wurde, zuhörte und darüber Essays verfasste.

Joachim Ringelnatz, 1883 in Wurzen geboren, zog es ebenfalls nach Berlin, begegnet sind sie sich aber nie, so dass es sich um ein fiktives Treffen handelte. Gleichwohl hat Kästner in der Leipziger Zeitung über Ringelnatz berichtet, der in einem Kabarett Proben seiner Dichtkunst zum Besten gab.



Da konnte man ob des pointierten Vortrags durch Kutscher bei Gedichten vom Sauerampfer, der Schnupftabakdose, dem Taschenkrebs und dem Känguru oder dem Reh im Park, das unverrückbar an derselben Stelle verharrte, bis sich rausstellte, dass es aus Gips war, ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

Erstaunlich, wo Ringelnatz diese Schaffenskraft hernahm, schmiss er doch mit 17 die Schule, wurde Schiffsjunge, daher auch seine Erzählungen vom Seemann Kuttel Daddeldu und hatte letztendlich trotz eines nur kurzen Lebens, er verstarb mit 51 Jahren.

Das Ganze wurde einmal mehr hervorragend musikalisch untermalt von Kirchen-Musik-Direktor Thomas Schmidt, der geschickt Lieder der 20ziger und 30ziger Jahre zu Gehör brachte, wie „Ich wollt, ich wär ein Huhn“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“. Dankbarer Beifall belohnte Musiker und Rezensenten und Kirchbauvereins-Vorsitzenden Klaus Pinkemeyer für die Idee zu dieser Lesung. Hans Hartenfels


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Kultur


Kreuzgang Konzerte: Musikalische Highlights in der Abtei Rommersdorf

Die Kreuzgang-Konzerte in der Abtei Rommersdorf sind bei Musikliebhabern längst bekannt. Im Mai bieten ...

Vernissage der Erpeler Vorschulkinder zeigt kreative Vielfalt

Die Kita Regenbogenland in Erpel verwandelte sich in eine Kunstgalerie. Die Vernissage "Einzig-Art-ich" ...

Seniorenkarneval in Engers: Ein Fest der Freude

In Engers wird die fünfte Jahreszeit mit viel Freude und Gemeinschaftssinn gefeiert. Am 8. Februar 2026 ...

Es war einmal ein Jahr: HG.Butzkos satirischer Jahresrückblick in Waldbreitbach

Ob Wirtschaft, Politik, Sport, Religion oder triviale Themen wie den Valentinstag - HG.Butzko bediente ...

Kleinmaischeids Karnevalsrevolution: Ein Dreigestirn aus dem Elferrat erobert die Bühne

Bei der ersten Prunksitzung der Session 2026 wartete die KG Rot-Weiß Kleinmaischeid am Samstagabend (17. ...

Musikalischer Abend in Neuwied: Simon & Jan mit "Das Beste"

Am 17. Januar 2026 erwartet die Besucher der Kleinkunstbühne Neuwied ein musikalisches Highlight. Das ...

Weitere Artikel


Verwandlungskünstler rollt bei HwK Koblenz vor

Der Truck des Weltmarktführers im Bereich Befestigungstechnik Fischer aus Waldachtal (Baden-Württemberg) ...

Radfahrer fährt Spiegel an PKW ab und flieht

Am 27. März um 1.10 Uhr kam es auf der Straße „Markenweg", Höhe Hausnummer 8 in Neuwied, zu einem Verkehrsunfall ...

Jetzt zum Bauernmarkt anmelden

Der traditionelle Bauernmarkt im Kirchspiel Anhausen findet am Samstag, 30. September, in der Ortsgemeinde ...

Rengsdorfer Männerchor entführte in die Welt der Musicals

Zwei Stunden verzauberten der Rengsdorfer Männerchor, der Frauenchor aus Rengsdorf und die Mezzosopranistin ...

Große Metal-Core Nacht lockte viele Musik-Fans an

„Big Simonskis Hardcore Dreams“, so lautete der Name der Metal-Core Nacht im Freizeitforum des Berufsbildungswerks ...

Chin Meyer macht Geld sexy

Der Kapitalismusversteher des Kabaretts, Chin Meyer hinterfragte am Samstag, 25. März die Zusammenhänge ...

Werbung