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Nachricht vom 05.11.2016    

Loriot in der Brückrachdorfer Sängerhalle

Die „Findlinge“, eine Gruppe theaterbegeisterter Freunde, spielten Loriots schönste und bekannteste Sketche als abendfüllendes Programm in Brückrachdorf. Die Zuschauer hatten viel Spaß mit den teils alltäglichen, teils skurrilen und immer wortschöpferischen Szenen.

Der Sketch mit der Ente durfte natürlich nicht fehlen. Fotos: Wolfgang Tischler

Dierdorf-Brückrachdorf. Die Stadt Dierdorf hatte zusammen mit dem Kulturkreis und dem Förderverein Brückrachdorf die spielfreudige Theatergruppe engagiert. Stadtbürgermeister Thomas Vis war froh für die Aufführung die Sängerhalle Brückrachdorf zur Verfügung zu haben, sie ist der einzige städtische Raum mit einer Bühne. Als Vertreter des Fördervereins Brückrachdorf und des Kulturkreises Dierdorf würdigte Ulrich Christian den Humoristen Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow. Der Schriftsteller und Zeichner entwarf Figuren, die jeder kennt. Seine Szenen aus dem Alltagsleben überspitzen eheliche Kommunikationsprobleme und spielen oft mit den Tücken des Objekts. Loriots Sprachschöpfungen erweiterten den deutschen Wortschatz, die Kreation „Steinlaus“ schaffte es bis in den Duden.

„Ich wünsch mir ne kleine Miezekatze…“ sang Wum jeweils zwischen den einzelnen Szenen, die von acht Ensemblemitgliedern in ständig wechselnder Kombination ausdrucksstark aufgeführt wurden. Am Samstagabend, 5. November spielten Stefan Bau, Christine Brühl, Daniela Goeth, Thomas Krämer, Jürgen Lindner, Benjamin Schumann, Renate Steinkamp und Irmgard Teschke.

„Das Frühstücksei“, viereinhalb Minuten lang nach Gefühl gekocht, war dem Gatten zu hart. Die Kritik führte zu einem fast tödlichen Ehestreit. Weiterer Anlass zu ehelichem Zwist bot die männliche Neigung, einfach den „Feierabend im Sessel zu verbringen und nichts zu tun. „Können Geiger eigentlich nur geigen und Trompeter nur blasen?“, lautete die Ausgangsfrage, die in einem heftigen Disput endete. Ein anderes Paar kämpfte in „Der Fernsehabend“ vergeblich gegen die Diktatur des Fernsehprogramms, obwohl der Fernsehapparat just kaputt ging. Auch die „Garderobe“ seiner Gattin trieb einen Ehemann fast in den Wahnsinn.

Nicht besser erging es dem Rentner Erwin Lindemann, der seinen „Lottogewinn“ für den Kulturbericht der Abendschau erläuterte. Dagegen wurde in dem Sketch „Literaturkritik“ die ungewöhnliche Reinheit der Sprache in einem anonymen Werk mit vielen spannenden Höhepunkten gewürdigt. Ein Auszug aus dem umfassenden Kursbuch lautete: „Landau ab 12.33 Uhr – Annweiler 12.46 Uhr – Pirmasens an 13.13. Uhr“

Sehr bekannt ist „Englische Inhaltsangabe“, mit Evelyn Hamann. Die diffizile Sprachverhedderungsaufgabe hatte bei den Findlingen Thomas Krämer, der die Aufgabe hervorragend meisterte. Seine ausdrucksstarke Mimik verhalf auch dem Sketch „Der Astronaut“ zum Lacherfolg.

Die Findlinge steigerten sich in der zweiten Hälfte. Mit ihrer witzigen Interpretation von „Eheberatung“ lösten Christine Brühl, Renate Steinkamp und Jürgen Lindner viel Gelächter aus. Für das Einüben des Erzherzog Johann Jodlers im Sketch „Die Jodelschule“ ernteten Irmgard Teschke, Daniela Goeth, Benjamin Schumann und Stefan Bau heftigen Applaus. Das „Jodeldiplom“ als abgeschlossene Berufsausbildung für die sinnvoll tätige Hausfrau spielte auch eine Rolle in der streitig ausartenden Szene „Kosakenzipfel“. Artistische Fähigkeiten und Gesichtsmuskelakrobatik bewies Daniela Goeth beim „Vertreterbesuch“, der auch die professionellen Schauspielkünste von Thomas Krämer als trinkfestem Wein-Vertreter und Benjamin Schumann mit seinem funktionsuntüchtigen Saugblaser sowie von Irmgard Teschke als Lebensversicherungs-Agentin unter Beweis stellte.

Als Zugabe durfte der Lieblingssketch aller Deutschen nicht fehlen: die beiden Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klödner gemeinsam in einer „Badewanne“. „Wenn Sie die Ente ins Wasser lassen, lasse ich das Wasser heraus!“ – „Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht!“ Der Sprachwitz dieses Sketches ist legendär. Konjunktive haben Konjunktur. Im Dialog brillierten Benjamin Schumann und Stefan Bau.

Mehr Informationen zu den Findlingen findet man auf der Homepage www.die-findlinge.de. htv


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