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Nachricht vom 13.08.2016    

„Shakespeare mittendrin“ bei den Findlingen

Zum achten Mal Kultur unter freiem Himmel bot das Kulturforum der GGH Bendorf bei den „Festspielen am Rheinblick“ am Freitag, 12. August mit „Shakespeare mittendrin“. Selbst geschriebene Stücke sind die Spezialität des Schauspielerensembles „Die Findlinge“, das wieder einmal vor ausverkauftem Zuschauerraum brillierte.

Shakespeare im Spannungsfeld zwischen Muse und Helene. Fotos: Wolfgang Tischler

Bendorf. Vor 400 Jahren starb der bekannte englische Schriftsteller William Shakespeare. Hinterlassen hat der Dichter und Dramatiker 38 Stücke, die bis heute die Welt erobern. 154 Sonette und fünf Gedichte gehen zusätzlich auf sein Konto. Im Sommer 2016 gesellt sich ein weiteres Theaterstück dazu, das jedoch nicht aus Shakespeares Feder stammt. Autorin Silke Dutz (seit einigen Jahren in England lebend) hat das Theaterstück eigens für die „Festspiele am Rheinblick“ geschrieben. Weshalb Shakespeare dennoch eine Rolle spielt? Der Kultursommer Rheinland-Pfalz feiert sein 25-jähriges Bestehen mit dem Motto „Der Sommer unseres Vergnügens!“, einer Umkehrung des Shakespeare-Zitats vom „Winter des Missvergnügens“. Mit dem Stück leistet die Bendorfer Festspielreihe ihren Beitrag zum rheinland-pfälzischen Kultursommer 2016.

Das Schauspielensemble „Die Findlinge“ feierte am 12. August mit der Aufführung Premiere. Der Spielort, die Eisenerzröstöfen auf der Vierwindenhöhe in Bendorf bieten jedes Jahr ein besonderes Ambiente, Herausforderung und Chance. Ein banger Blick geht regelmäßig zum Himmel, denn die Freiluftveranstaltungen leiden oder gewinnen durch das Wetter. Rechtzeitig zur Premiere zeigte sich der herbstliche Sommer wieder freundlicher, nicht alle mitgebrachten Jacken wurden benötigt. Außer über angenehme Temperaturen freuten sich die Organisatoren Alexandra Menge und Pascal Badziong über die Anwesenheit vieler Politiker, Sponsoren und Freunde der Kultureinrichtung.

Renate Steinkamp hatte ein zurückhaltend-flexibles Bühnenbild kreiert, hölzerne Würfel, mit denen Shakespeare’s Genius und Übersetzer (gespielt von Regisseur Stefan Bau) seinen Meister rezitierend hantierte. Die Geschichte: Die Bewohner einer Studenten-Wohngemeinschaft, sechs sehr unterschiedliche und gegensätzliche Charaktere: der gut aussehende, analytische Jurist Constantin alias Benjamin Schumann, der jugendlich-optimistische Architekturstudent Linus (Dominik Hoepfner), die ehrgeizige Medien- und Filmwissenschaftlerin Friederike (Daniela Goeth), die Latein-Studentin Pauline (Tina Esch), die das Zusammenleben ihrer Mitbewohner organisiert und ordnet und der ständig im Morgenmantel umherwirrende Programmierer und Werbetexter Mats (Florian Deussen) erhalten Verstärkung durch Romantikerin Sibylle, die nach zwei Semestern in England in die WG einzieht.




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Die jungen Leute probieren Mats neu erworbenes Hexenbrett aus, mit dem Mats in Kontakt mit den Seelen Verstorbener treten will. Als Sibylle Shakespeare zitiert, erscheint dieser höchstselbst und bringt, geschockt durch technische Zaubergeräte und sprachliche Unverständlichkeiten Spannung in die Gemeinschaft. Optimal besetzt ist Shakespeare-Darsteller Richard Ellis, der in seiner Muttersprache Englisch mit wunderschön gesprochenen Texten seines Alter Ego das Stück atmosphärisch verdichtet.

Pistolen- und Gewehrschüsse kündigten als Handy-Klingelton Sibylles Mutter Helene an. Diese, sehr glaubhaft gespielt von Christiane Brühl, macht das Chaos in der Wohngemeinschaft perfekt, zumal sich Helene und Shakespeare direkt sympathisch sind. Das Geflecht aus amourösen Beziehungen, Unsicherheiten, Selbstzweifel und Missverständnissen in Kombination mit den Lebens-und Liebesweisheiten des aus Zeit und Raum gefallenen großen Dichters bietet Anlass zu Turbulenzen, amüsanten Wortgefechten und vielen klassischen Texten. Eine Ode an die Liebe mit Nerd Mats finaler Erkenntnis: „Vielleicht ist man draußen nicht so allein, weil die Wesen aus Fleisch und Blut bestehen und nicht nur aus Pixel.“

Weitere Aufführungen der Findlinge mit „Shakespeare mittendrin“ finden statt am 13./14./20./26./28. August sowie am 2. September.

Weitere Kulturangebote: „ANTIQUARIAT“ gastiert am 19. August und „Jazz&Soul - FEMMES VOKAL“ am 27. August. Informationen auch unter www.kulturforum-bendorf.de. htv


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