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Nachricht vom 15.03.2016    

Flüchtlinge auf Dörfer verteilen

Eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Land fordert der Evangelische Dienst auf dem Land in Deutschland (EDL). Auf seiner Bundestagung vom 7. bis zum 9. März auf der Ebernburg bei Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) war unter dem Titel „Fremd im Dorf“ die Zuwanderung von Flüchtlingen in den Dörfern und Kleinstädten das bestimmende Thema.

Region. Die Tagung stand unter dem Bibelwort aus Mathäus 25,35 „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“.

„Gerade der ländliche Raum bietet Möglichkeiten der Begegnung und erste Schritte zur Integration von Flüchtlingen“, erklärte der EDL-Vorsitzende, Superintendent Marcus Harke. „Je nach Ausbildungsstand und Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge ist er auch Durchgangsstation zur späteren Berufsausübung in den Ballungsgebieten.“ Lokale und regionale Gewerbebetriebe böten aber auch Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten, die ein Verbleiben in der Region wahrscheinlich machten. „Das ehrenamtliche Engagement ist von hoher Bedeutung bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen“, betonte Harke. In der Diskussion mit fachkundigen Referentinnen und Referenten aus Rheinland-Pfalz wurde auf die notwendige Vernetzung der Aktivitäten hingewiesen, die unnötige Konkurrenz vermeiden soll.

Vertreterinnen und Vertreter aus den Landeskirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands berichteten von Projekten zur Betreuung von Flüchtlingen in ländlich geprägten Regionen. So stellten unter dem Titel „Ankommen im Dorf“ Pfarrer Hans Hermann Lorig aus Hennweiler und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirn, Werner Müller, ein beeindruckendes Beispiel der Zusammenarbeit von Kirche und Kommune vor.

Nach Darstellung Müllers werden alle Flüchtlinge auf die Dörfer verteilt und in Gebäuden der Verbandsgemeinde untergebracht, um eine Ghettobildung zu vermeiden. Die Männer sind verpflichtet, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit im Monat zu leisten. Wer sich daran nicht beteiligt, muss mit Kürzungen sozialer Leistungen rechnen. Für den Sprachunterricht, der differenziert in verschiedenen Lerngruppen angeboten wird, sind Kommunal- und Kirchengemeinde gemeinsam verantwortlich. Hier wurde kritisiert, dass die vorgegebenen 600 Stunden in den obligatorischen Integrationskursen keineswegs ausreichen, um erfolgreich in ein Ausbildungs- oder Berufsverhältnis einzusteigen. Neben der Sprachvermittlung seien ein strukturierter Tagesablauf, die Mitwirkung in Vereinen und die aktive Teilnahme am Dorfleben wesentlich für die Integration von Flüchtlingen.

Im Bereich der Kurstadt Bad Kreuznach vermittelt das Pfarramt für Ausländerarbeit des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan Flüchtlinge in Arbeitsverhältnisse, die von Anlernberufen in feste Anstellungen münden können. Marita Frieden von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz führte aus, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Erwartungen für eine berufliche Eingliederung von Flüchtlingen in „Grüne Berufe“ noch nicht erfüllt werden können. Trotz vorhandener Angebote sind Hemmnisse auf Seiten der Flüchtlinge ein Grund dafür, dass sie auf dem Arbeitsmarkt noch nicht angekommen sind. Eine Konkurrenz gegenüber anderen Arbeitssuchenden sei damit nicht gegeben.

Für das Land Rheinland-Pfalz berichtete Staatssekretärin Margit Gottstein über die Entwicklung der Flüchtlingspolitik in einem Flächenstaat. Sie bezeichnete die Situation in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 als „Phase der Nothilfe“, aus der sich das Bundesland inzwischen auf dem Weg der Konsolidierung befinde. Große Sorge bereite ihr, dass durch das Erstarken rechtspopulistischer Parteien ein Rechtsruck zu befürchten sei und die etablierten Parteien sich gezwungen sähen, restriktive Positionen zu übernehmen. Sie unterstrich, dass das Land Rheinland-Pfalz zunächst bei den jetzt erreichten Kapazitäten eine „Stand-bye“ Position beibehalte, weil mit einem Ende der Zuwanderung von Flüchtlingen nicht zu rechnen sei.

Die Bundestagung endete in der Gewissheit, dass auch die Kommunen im ländlichen Raum in der Flüchtlingsfrage vor großen Herausforderungen stehen, aber gute Voraussetzungen gegeben sind, erfolgreich zu sein, wenn alle Akteure weiterhin zusammenstehen.


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