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Nachricht vom 04.12.2015    

IHK-Vollversammlung beschließt Aktionsprogramm

Am Donnerstag, 3. Dezember, hat die IHK-Vollversammlung ein Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen beschlossen. Im Gesamtmaßnahmenpaket sind Hilfen für Unternehmen und Flüchtlinge enthalten, ein Fonds für die Maßnahmen wird in Höhe von rund 200.000 Euro zunächst für ein Jahr eingerichtet.

Region/Koblenz. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Koblenz (IHK) hat am Donnerstag, 3. Dezember ein umfassendes Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen auf den Weg gebracht. „Arbeit und Ausbildung sind zentrale Bausteine für die Integration in die Gesellschaft“, betonte Hildegard Kaefer, erste Vizepräsidentin der IHK Koblenz.

„Wir wissen, dass die regionale Wirtschaft gerne bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zum Integrationsprozess zu leisten.“ Die Zuwanderung könne mittelfristig auch eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung der Region sein. Die IHK Koblenz wird Asylsuchende wie auch Betriebe bei der Integration in Ausbildung mit unterschiedlichsten Angeboten unterstützen. „Wir machen es uns zur Aufgabe, gemeinsam mit den regionalen Partnern zu prüfen, wie Flüchtlinge möglichst schnell und unbürokratisch in Ausbildung oder Arbeit gebracht werden können“, so Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz. „Im Zusammenspiel mit Ausländerbehörden und Arbeitsagenturen sehen wir uns als IHK dabei vor allem für die Ausbildung und Qualifizierung der jungen Flüchtlinge verantwortlich“, ergänzt Dr. Holger Bentz, Koordinator für Flüchtlingsfragen bei der IHK Koblenz.

Das IHK-Aktionsprogramm sieht sechs Handlungsfelder vor:
1. Betriebe beraten und informieren
2. Jungen Flüchtlingen berufliche Orientierung geben
3. Kompetenzen von Flüchtlingen erfassen und einordnen
4. Junge Flüchtlinge beim Einstieg in die Ausbildung unterstützen
5. Betriebe bei der Qualifizierung und Ausbildung von Flüchtlingen begleiten
6. Flüchtlingen bei der Existenzgründung helfen

Was heißt das konkret? Die IHK Koblenz wird Unternehmen direkt vor Ort, aber auch durch Veranstaltungen über aktuelle Entwicklungen und Rechtsgrundlagen informieren. Auf der anderen Seite wird die IHK junge Flüchtlinge sowohl in Schulen als auch an anderen Lernorten über das deutsche Berufsausbildungssystem informieren und bei der beruflichen Orientierung unterstützen. Für geeignete Bewerber wird die IHK Koblenz bei ihren Mitgliedsbetrieben Plätze für Praktika, Einstiegsqualifizierung und Ausbildung einwerben. Um sicherzustellen, dass die Betriebe für die Integration von jungen Flüchtlingen bestens gerüstet sind, stellen die IHK-Bildungseinrichtungen ein Seminarpaket zusammen – denkbar sind etwa Weiterbildungen zum Sprachmittler oder entsprechende Qualifizierungen für das betriebliche Ausbildungspersonal. Flüchtlinge, die eine Existenzgründung planen, werden individuell beraten.

Flüchtlingsfonds über 200.000 Euro eingerichtet
Die IHK Koblenz richtet für die umfangreichen Maßnahmen einen Flüchtlingsfonds in der Höhe von zunächst für ein Jahr vorgesehen 200.000 Euro ein. Um Betriebe und Flüchtlinge optimal beraten und begleiten zu können, soll baldmöglichst auch ein/e Ausbildungsberater/in eingestellt werden, der/die alle Aufgaben und Projekte koordiniert.
Etliche regionale Projekte unter Beteiligung der IHK Koblenz sind bereits angelaufen, etwa das Lotsenhaus in Koblenz.

In ihrer Resolution richtet die IHK-Vollversammlung aber auch einen Appell an die Verantwortlichen auf Seiten der Politik. „Insbesondere die verbindliche Aussage über das Bleiberecht ist eine wesentliche Grundlage für personelle Entscheidungen in den Betrieben“, heißt es in der Erklärung. Die IHK Koblenz fordert bereits seit Monaten eine landesgesetzliche Regelung, die eine Abschiebung von Flüchtlingen für die Dauer einer Ausbildung sowie zwei Jahre danach verhindert.

Zudem drängt die IHK-Vollversammlung darauf, zugewanderte und geflohene Menschen mit Bleibeperspektive schnell mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. „Für eine erfolgreiche Ausbildung oder Tätigkeit als Fachkraft ist in den meisten Fällen mindestens das Sprachniveau B2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen erforderlich“, so Dr. Holger Bentz. Die Möglichkeiten der Sprachförderung für die bis 18-jährigen Flüchtlinge müssten deshalb mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung der Landesregierung rasch und bedarfsdeckend ausgebaut werden. Gleichzeitig müsse sicherstellt werden, dass Flüchtlingen, die älter als 18 Jahre sind, ausreichend Sprachkurse, finanziert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, angeboten würden.

Die Vollversammlung der IHK Koblenz setzt sich aus 70 gewählten Unternehmensvertretern zusammen. Als „Parlament der Wirtschaft“ entscheiden sie über die Ausrichtung der IHK-Arbeit und die Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung.



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