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Nachricht vom 30.11.2015    

Berufsinfo-Abend am Rhein-Wied-Gymnasium

„Unser Bildungssystem ist für alle durchlässig, weil es keine Sackgassen, höchstens Umwege vorsieht“, so charakterisierte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Uwe Hüser, beim Ausbildungsinformationsabend des Rhein-Wied-Gymnasiums vor über 200 ZuhörerInnen in der voll besetzten Aula die gerade in der Region guten Chancen.

Foto: Marc Fleischer

Neuwied. Hüser kam als Botschafter der Initiative des sogenannten Ovalen Tisches der Landesregierung für Ausbildung und Fachkräftesicherung „Nach vorne führen viele Wege“. Diese Vielfalt der Wege zeigte sich an den vier jungen Studierenden und Azubis, die mit den sechs Experten und Expertinnen auf dem Podium saßen. Die derzeit stellvertretende Schulleiterin des Rhein-Wied-Gymnasium Brigitte Neumann begrüßte unter anderem Milena Höschler, die ein Duales Bachelor-Studium mit paralleler Ausbildung zur Bauzeichnerin bei der „Bauunternehmung Paul Mertgen“ in Straßenhaus in Angriff genommen hat. „Die Doppelbelastung ist schon sehr hoch“, sagte Höschler: „Aber ich erhalte dafür zwei Abschlüsse und kann mich schon jetzt selbst finanzieren. Das ist ein klarer Vorteil.“

Fabian Mertes, Bachelor-Student der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar, sieht sich ebenfalls sehr gefordert, denn sein derzeitiges Berufsziel ist Investmentbanker. Hendrik Pützfeld, wie Höschler bei Paul Mertgen, ist da schon weiter. Er hat kürzlich seine nach der Mittleren Reife begonnene Maurerlehre abgeschlossen. Demgegenüber hat für die Abiturientin Johanna Hohn die Lehrzeit zur Heilerziehungspflegerin im Heinrich-Haus gerade erst angefangen. Ihr gefällt es, dass die Menschen im Mittelpunkt der gemeinnützigen Einrichtung stehen, die Behinderte wie Nichtbehinderte im Raum Neuwied ausbildet.

In der Podiumsdiskussion erfuhr man so einiges über den vorbildhaften beruflichen Werdegang der „erwachsenen“ Experten: Wolfgang Staus, Manager Student Admission der WHU, begann seine Karriere mit einer Banklehre, bevor er studierte. Und Hans-Joachim Schubert, Berufsberater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Neuwied, schloss sein Lehramtsstudium erfolgreich ab. Beide wechselten also das Metier. Diese Beispiele belegen, dass tatsächlich viele Wege nach vorne führen. Aber welche sind die richtigen?

Für Staatssekretär Hüser ist die Zahl der Studienabbrecher mit 30 Prozent zu hoch. Es gäbe viele interessante Berufsausbildungsplätze in der Region, oft kombiniert mit einem Hochschulstudium im Rahmen der sogenannten Dualen Ausbildung, da müsse nicht jeder studieren. Werner Muscheid, Personal- und Einkaufsleiter bei Paul Mertgen, und Vanessa Glomb, Bildungsmanagerin und Mitarbeiterin im Personalwesen der Heinrich-Haus gGmbH Neuwied, betonten die Vorteile dieser beruflichen und dualen Ausbildungsangebote. Diese lägen in der guten Betreuung, der fundierten Praxisorientierung sowie in der soliden Vergütung von Anfang an.



Studierende der WHU müssen hingegen weit über 5.000 Euro Studiengebühren pro Semester entrichten, sofern sie nicht, wie Florian Mertes, davon befreit werden oder Ermäßigungen beziehungsweise Studienkredite erhalten. „Aber“, so Wolfgang Staus: „unsere Absolventen verdienen im Allgemeinen später im Job so viel, dass sie sich die Rückerstattung gut leisten können. Und wenn nicht, zahlen sie so viel, wie es ihr Gehalt erlaubt.“ Ein erfolgreich abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium eröffne sichere und interessante Jobperspektiven weltweit.

Welche neuen Trends es gibt, wurde in der Expertenrunde, die auf Eltern- und Schülerfragen antwortete, ebenfalls heftig diskutiert. Hans-Joachim Schubert: „Arbeitgeber suchen Leute, die das, wofür sie sich bewerben, gerne tun.“ Dann“, so Werner Muscheid ergänzend, „nehmen wir gerne auch etwaige Defizite in Kauf.“ Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Vanessa Glomb bestätigt die Einschätzung von Staatssekretär Hüser, wonach die Digitalisierung der Arbeitswelt stetig voranschreite. Und Wolfgang Staus hält es für wichtig, zunächst allgemeine Grundlagen zu schaffen, bevor eine Spezialisierung folge. Der Abend schloss mit einem zwanglosen Nachgespräch, bei dem die Experten für weitere Fragen zur Verfügung standen.

Aufgrund des sehr positiven Vorjahresechos hatte sich das Rhein-Wied-Gymnasium erneut erfolgreich beim Landeswirtschaftsministerium um die Durchführung des Informationsabends beworben. Die Info-Abende zur Berufsorientierung des Ovalen Tisches fanden an 46 ausgewählten Schulen zeitgleich in ganz Rheinland-Pfalz statt. Mit einem „Full House“ war die Resonanz der Veranstaltung im Rhein-Wied-Gymnasium dieses Jahr noch größer. Sie dürfte zu den landesweit bestbesuchten zählen.


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