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Nachricht vom 14.11.2015    

„Vocal Recall“ mit neuem Programm im Alten Bahnhof

Zum zweiten Mal trat die musikalische Kabarettgruppe „Vocal Recall“ im Alten Bahnhof Puderbach auf. "Ein Lärm, der Deinen Namen trägt" heißt ihr aktuelles Programm, in dem sie wieder unnachahmlich skurril texten und stimmgewaltig a capella singen, begleitet von Tastenluder Matthias am Keyboard.

Schön schräg: Vocal Recall. Fotos: Helmi Tischler-Venter.

Puderbach. Den „Stress im Vorfeld“, einst als Bett im Kornfeld bekannt geworden, bauten die Jazz-Sängerin Alice und ihre beiden männlichen Mitsänger gleich musikalisch ab, denn die Zielrichtung ihrer Darbietung war eindeutig: „Genießt unsere Show!“ Versprochen wurden 18 Lieder von Bier, Verbrechen und dem Ende der Menschheit. Diese Themen waren durchaus geeignet, die Zuhörer prächtig zu unterhalten, zumal gleich einmal Komplimente an die Besucher verteilt wurden. Leider traf das viel zu wenige Personen, offenbar hatten Martinszug, Wetter oder Aberglaube viele Menschen am Freitag, den 13. November vom Besuch des Konzerts abgehalten. Sie verpassten neben genialen und geistreichen Neuinterpretationen altbekannter Schlager auch Informationen über die Lebenswege der agierenden Künstler.

Dieter zum Beispiel verknüpft sein Studienfach Biologie mit Lyrik, indem er ein „Oktopus aus dem Odeuvre Meer“ zum Besten gibt, ein Opus über die Psychologie in der Schifffahrt. Dass Dichter super bei Fischen ankommen, weil Fische dankbar sind für gute Lyrik, kann jeder austesten, indem er den Kopf in ein Aquarium steckt und ein Gedicht rezitiert. Zum Beispiel den philosophischen Reim: „Dass auf jeden Topf ein Deckel passt, macht für mich nur Sinn, wenn jemand ent-deckelt, dass ich in Topform bin.“ Slam-Gedichte wurden immer wieder zwischen die ebenso witzigen Songs gestreut.

Bernhards zweites Standbein ist ein abgebrochenes Studium in technischer Kybernetik, das ihm zu viel Mathematik beinhaltete, weshalb er etwas Sinnvolles, nämlich Gesangstechnik studierte. Aus der ungewöhnlichen Verbindung entstand als Baby das mehrdeutige Lied vom Brenner.

Die „goldene Alice“ berlinerte ihr Lebensmotto: „Wat de heute kannst dir borgen, musst de morgen nicht besorgen.“ Selbstkritisch bekannte sie, dass sie eigentlich nichts so richtig könne, aber sie habe einen Blick fürs Unwesentliche.

Pianist Matthias bot mit schelmischem Grinden in seinem Solo „Für Elise“ den Lieblingstitel seiner Freundin Denise dar. Am Ende mutierte die bekannte Beethoven-Komposition zum Filmtitel-Lied vom Tod.

Einig waren sich die Künstler im Song „Das alles und noch viel mehr würd ich hassen, wenn ich Kunde bei Daimler wär.“ „1000 Mal berührt … und es hat zoom gemacht“ macht auf Elektrizität bezogen wirklich Sinn. Tod und Untergang thematisierte auch der Esoterik-Song aus der Inka-Zeit: „Maya“. Und „Kauf doch beim Discounter“ prangerte musikalisch gekonnt den Konsumwahn an.

Für eine Boygroup mit Dame aus Berlin liegt es nahe, neben dem berühmten Koffer noch einen Kiffer in Berlin zu kennen und in einem Medley die Berliner Luft und die Kreuzberger Nächte auch noch unterzubringen. „Ihr seid Looser!“ sangen sie zu Dieter Bohlen und der Jury von „Deutschland sucht den Biggest Looser“. Aus Billy Joels „Uptown Girl“ machen sie den Hausfrauen-Informations-Song „Abtaun, girl!“ Die Piraten-Partei, Dieters Weisheitszahn und das weiche Frühstücksei wurden ebenso originell thematisiert wie Freizeit und Freibier (nach Müller-Westernhagens Lied „Freiheit“).

„Scheiß-Musik“ gab dem Programm seinen Namen: Ein Lärm, der deinen Namen trägt, ein Lärm, der deinen Namen quält, ein Lärm, den jemand mit sich trägt …“ Da die Gruppe ihre Zuhörer so nicht entlassen wollte, stimmte sie „zum Schluss ein richtig schönes Lied“ an, die Ode an die Plakatierer vom Grafen Unheilig: „Ich bin geboren, um zu kleben“ mit der Botschaft: das Leben ist ein ständiger Lärm-Prozess.

Trotzdem wollten die begeisterten Zuhörer die Künstler nicht gehen lassen und motivierten sie per Applaus zu drei Zugabe-Liedern: „Ich bin ein Veggie“ bekannte Sängerin Alice. Dieter behauptete „Ich komm von der Landwirtschaft her“ und übte dazu mit dem Publikum einen dreistimmigen Tier-Sound ein. Zuletzt ging „Vocal Recall“ der kleine grüne Kaktus auf den Sack, weshalb er unvollendet blieb. Information und Kontakt per Internet: http://vocalrecall.de. htv



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Kommentare zu: „Vocal Recall“ mit neuem Programm im Alten Bahnhof

1 Kommentar

Gute Veranstaltung....für alle die nicht da waren....ihr habt was verpasst!!!
#1 von Arnold Paduch, am 16.11.2015 um 07:59 Uhr

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