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Nachricht vom 06.07.2015    

Jammern nützt nichts - Bäckerhandwerk braucht Zukunft

Das Bäckerhandwerk sieht sich vor großen Herausforderungen, denn es gibt kaum noch einen Supermarkt, wo es Backwaren zu Dumpingpreisen gibt. Die neue Masche der Großkonzerne immer frisch in den Aufbachstationen zu liefern, lässt dem traditionellen Bäckerhandwerk kaum eine Chance. Deshalb gab es den Workshop Zukunft für Bäcker, und weitere Veranstaltungen folgen.

Bäcker informierten sich beim Workshop Zukunft im Zentrum für Ernährung und Gesundheit (ZEG) der Handwerkskammer (HwK) Koblenz über Marktveränderungen und die daraus resultierenden Risiken und Chancen. Foto: HwK Koblenz

Region/Koblenz. Der Markt für handwerkliche Bäckereien und Konditoreien hat sich verändert. Das bedeutet zwar Risiken, eröffnet aber auch neue Chancen. Nur die Bäckerei wird erfolgreich bleiben oder werden, die für ihre Kunden der beste Anbieter ist. Daran gilt es jeden Tag zu arbeiten. Deshalb: „Vorsicht vor dem Weiter so!“, lautete ein Fazit des Workshops Zukunft für Beschäftigte aus dem Bäckerhandwerk, der im Zentrum für Ernährung und Gesundheit (ZEG) der Handwerkskammer (HwK) Koblenz stattfand.

Bernd Kütscher, Direktor der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim, ging zunächst auf die Situation am Markt ein. Neue Ernährungsgewohnheiten der Verbraucher und wachsender Konkurrenzdruck durch Supermärkte mit Backwaren zu Dumpingpreisen, sowie Aufbackstationen im Handel, stehen der Arbeit der handwerklichen Bäckereien und Konditoreien gegenüber. Durch die Werbung protegierte gewichtsreduzierende Diäten, die auf Backwaren gänzlich verzichtet, sind im Gespräch.

Selbst der Versandriese Amazon könnte bald über seine Webseite frische Lebensmittel vertreiben und direkt an den Kunden liefern. Unter dem Namen „Amazon Fresh“ bietet das Unternehmen in den Vereinigten Staaten schon seit 2007 einen solchen Service an. „Die Zeiten zu beklagen ist nicht gut. Verändern auch Sie sich! Bekämpfen Sie den inneren Schweinehund und ihre ,das haben wir doch immer so gemacht`-Einstellung. Suchen Sie die Lücke, das Besondere!“ forderte Kütscher die Bäcker auf. Er riet ihnen, sich Wettbewerben zu stellen und den permanenten Vergleich mit Mitbewerbern zu suchen. „Seien Sie anders als alle anderen. Wenn Sie das Gleiche bieten, sind Sie austauschbar.“

Er empfahl, die Kunden emotional anzusprechen, Gefühle und Geschichten zu verkaufen, statt nur Produkte. Verkaufstraining und Warenpräsentation sind weitere Bausteine zum Erfolg. Frische der Produkte und Abwechslung im Angebot sind verkaufsfördernd. „Der Kunde erwartet nicht täglich frisch, sondern immer frisch. Auch ein ofenwarmes Brot nach 16 Uhr ist meist sehr erfolgreich.“ Kütscher ging auch auf die verbreitete Meinung ein, Bäcker backen nicht mehr selbst und nutzen viel Chemie. „Sehen Sie hier Ihre Chance. Machen Sie authentisches Backen für die Kunden erlebbar, zeigen Sie ihre Bäcker und deklarieren Sie freiwillig Ihre Zutaten.“

Der Direktor der Bundesakademie verwies auf die Möglichkeiten der Bäckergastronomie, die Überprüfung der Standorte und die Einrichtung möglichst mit großem Sitzbereich. „Viele Menschen verpflegen sich außer Haus. Die Bäckerei der Zukunft ist weniger Verkaufsstätte, sondern eher das täglich kleine Glück.“ Förderlich für den Verkauf sei auch das Wissen, dass 76 Prozent der Haushalte in Deutschland Kleinhaushalte sind, für die selbst ein 500 Gramm Brot zu groß ist.

Kütscher unterstrich, dass die Leistungen einer Bäckerei kommuniziert werden müssen und eine informative Internetseite deshalb Pflicht, Social Media Portale wie Facebook eine Überlegung wert sind. „Wer öffentlich jammert, hat schon verloren. Zeigen Sie gegenüber Ihren Kunden Bäckerstolz und Leidenschaft. Deutsche Backkunst ist weltweit gefragt und sogar zum Weltkulturerbe angemeldet“, fordert er die Anwesenden auf.




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Immer mehr Betriebe verschwinden vom Markt. Im Jahr 1954 gab es in der damaligen Bundesrepublik 55.713 Bäckereibetriebe, aktuell sind es noch 12.500. Veranstaltungen wie der Workshop Zukunft sind eine ideale Fortbildung für Mitarbeiter aus Backstube und Verkaufsraum. Sie zeigt, wie man Marktveränderungen „gebacken“ bekommt. Bei dem Lehrgang „Verkaufsleiterin Lebensmittelhandwerk“ ab 7. September in Vollzeit steht ein Modul „Verkaufs-Kundengespräche“ und „Marketing auf dem Stundenplan.

Alle Seminare zum Thema findet man aktualisiert unter www.hwk-bildung.de/ernaehrung Informationen zum Workshop bei der HwK-Weiterbildung, Telefon 0261/ 398-321, Fax -990, bildung@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de


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