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Nachricht vom 03.01.2015    

Köln ruft zum Protest auf - Dom bleibt dunkel

Am Montag, 5. Januar wird es in Köln kein gewohntes Bild geben. Der Dom wird nicht wie sonst beleuchtet als Wahrzeichen der Stadt die Menschen empfangen. Als Reaktion auf die angekündigte "Kögida-Demo" beschloss dies das Domkapitel. Auch sollen die Kölner die Lichter löschen, und es sollen sich möglichst viele Menschen zur Gegendemonstration einfinden. Auch aus dem Umland wünscht man sich Unterstützung.

Das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Köln bleibt am Montag dunkel. Foto: Erzbistum

Region/Köln. Am Montag, 5. Januar, sind die Menschen der Region aufgerufen, Rückgrat, Menschlichkeit und ihre Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger zu zeigen. Um 17.30 Uhr formieren sich Gegner der „Kögida“ (Köln gegen die Islamisierung des Abendlandes), ein neuer Ableger der Pegida aus Dresden.

In Köln rufen mehr als 40 Vereine und Organisationen zur Gegendemo auf. Unter dem Motto: „Wir stellen uns quer“ treffen sich die Teilnehmer um 17.30 Uhr in Deutz am LVR-Turm, in der Altstadt und an Plätzen entlang des genehmigten Zugweges der „Kögida“. Es gibt den Aufruf an die Kölner, die Lichter zu löschen, man folgt damit dem Beispiel des Kölner Domes. Dompropst Dr. Norbert Feldhoff hat angekündigt, dass der Dom am Montagabend dunkel bleibt. Keine stimmungsvolle Beleuchtung wird wie sonst strahlen.

Das Domkapitel und das Erzbistum Köln will damit auch ein Zeichen setzen. Denn die Umtriebe dieser Bewegung, die aus Dresden in mittlerweile mehreren deutschen Städten die Leute montags auf die Straße bringt und ihrer Hintermänner sind alles andere als harmlos. Sie missbrauchen Menschen und einen Satz, (Wir sind das Volk) der vor 25 Jahren zu einer besonderen friedlichen Veränderung in Deutschland führte.

Der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki hatte darauf in seiner Silvesterpredigt hingewiesen. Er fand deutliche Worte zu diesen Strömungen, die auf Hass und Ausgrenzung setzen. Die Predigt im Kern galt der christlichen Nächstenliebe und dem Miteinander der Menschen, egal welcher Hautfarbe und Religion.

Hier ein Auszug aus der Predigt:
„Das gilt gerade in diesen Tagen, in denen Organisationen meinen, sie müssten das
Abendland gegen Menschen verteidigen, die buchstäblich oft nur ihr nacktes Leben nach Deutschland retten konnten. Als Christen sind wir hier aufgerufen, die Wahrheit zu verkündigen und gegen Stimmungsmache aufzutreten: Von den seit Jahren weltweiten 45 Millionen Flüchtlingen (UNHCR) bleiben 80 Prozent im Heimatland oder in einem der Nachbarländer. Menschen sind immer an ihre Heimat gebunden und verlassen sie ohne Not nicht gern dauerhaft weit weg. Der Libanon mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern beherbergt über 1 Million Syrer. In der Türkei befinden sich circa 400.000, in Jordanien 500.000 Flüchtlinge. Über 2 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan befinden sich in Pakistan und dem Iran.

Wir in Deutschland sprechen von der Aufnahme von Zehntausenden von Syrern, von Zehntausenden von Afghanen. Das ist ein Hundertstel von dem, was die armen Nachbarländer leisten. Mehr nicht! Könnten wir nicht ein Zehntel von dem leisten, was Pakistan oder die Türkei tun?

Ähnliches lässt sich auch von den armen Nachbarländern Afrikas sagen. Nicht wir im reichen Europa haben ein Flüchtlingsproblem, sondern die armen Nachbarländer der Krisenregionen. Diese Wahrheit verkünden wir zu wenig, zu zaghaft, zu leise.

Wir exportieren qualitätsvolle, zielgenaue und robuste Waffen in einem großen, noch nicht da gewesenen Umfang. Circa 100.000 Deutsche arbeiten für den Export von Kriegsgütern. Wir verdienen daran. Die Steuereinnahmen daraus fließen in unseren Straßenbau und in unsere Kindertagesstätten. Das ist unsere Realität!




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Und wir wundern uns dann, wenn einige Opfer von Gewalt an unsere Türen klopfen? Unsere Glaubwürdigkeit, liebe Schwestern und Brüder, hängt daran, wie wir uns für eine offene Gesellschaft einsetzen! Die Kraft dafür ist uns geschenkt – von Gott selbst. Es darf uns alle mit Stolz erfüllen, in einer Stadt zu leben, in der Menschen friedlich auf die Straße gehen für eine solche offene Gesellschaft.“

Die Predigt kann man auf der Homepage des Erzbistums Köln in voller Länge hören und sehen.

Unterstützung gewünscht und erforderlich
Die Kölner hoffen auf viel Unterstützung, auch aus dem Umland. Noch immer sind viele Leute geschockt und schauen entsetzt auf das Geschehen der Demo der Hooligans und Rechten vor ein paar Monaten, die völlig außer Kontrolle geriet. Wer nun genau hinter „Kögida“ steht, ist nicht zu erfahren. Beantragt wurde die Demo von einem Pegida-Mitglied aus Dresden. Der Politik fehlen die Antworten auf diese Bewegung, die aus dem Nichts heraus entstand und kürzlich in Dresden mehr als 13.500 Menschen auf die Straße brachte.

Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes - dahinter steht ein Sumpf von rechtem Gedankengut, von Nationalstaaterei, Ausgrenzung, Abschottung und Unfreiheit. Pegida ist ein Sammelbecken von Altnazis, die nur neu verpackt daher kommen. Indem sie Ängste schüren, ziehen sie Menschen an.

Es ist wie ein Hauch von Wiederholung der Geschichte, der da durch Deutschland zieht. Als Ende der 20er Jahre in München, in einem Keller die ersten Treffen eines Kunstmalers aus Österreich stattfanden, ahnte niemand was daraus wurde. Später zogen die Gruppen durch München, und dann irgendwann durch die Städte Deutschlands. Was daraus wurde ist bekannt. Damals wie heute hat die Politik keine Antworten.

Freiheit in jeder Form – das höchste Gut einer Demokratie. Das Demonstrationsrecht ist ebenfalls eines der größten Rechtsgüter und schützenswert. Ein Verbot der "Kögida-Demo" wäre rechtswidrig. Aber man darf Pediga, Kögida, Bogida und wie sie sich plötzlich alle nennen, nicht die Straße und Innenstädte überlassen.

Die grausamen Bilder der letzten zwei Tage aus dem Mittelmeer, wo führerlose Schiffe mit vielen hundert Menschen unterwegs waren und sind, müssen eigentlich jeden normal denkenden und halbwegs mitfühlenden Menschen zum Handeln zwingen. Italien zeigt diese Menschlichkeit bis an die Grenzen der Belastbarkeit, der europäische Staatenbund setzt weiter auf Abschottung und wird das Mittelmeer zu einem großen Friedhof machen. Denn die Flüchtlinge werden nicht weniger.

Auch das kann ein Grund sein, am Montagabend mit den Kölnern zusammen Verantwortung und Menschlichkeit auf der Straße zu zeigen und nicht Rattenfängern hinterherzulaufen, die ein anderes Europa wollen. (Helga Wienand-Schmidt)

Die Polizei Köln rechnet mit erheblichen Verkehrsbehinderungen.


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