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Nachricht vom 21.10.2026    

Retter auf vier Pfoten: Wie sich die DRK-Rettungshundestaffel auf den Ernstfall vorbereitet

Von Regina Morkramer

Nicht selten geht es um Leben und Tod, wenn sie zum Einsatz kommen: Die Hunde der DRK-Rettungshundestaffel im Kreis Altenkirchen helfen dabei, Personen beispielsweise in Wäldern, Trümmern oder unübersichtlichem Gelände aufzuspüren. Wir waren beim Training dabei.

Rettungshund Mia beim Training (Fotos: privat)

Wissen. Die Trümmer des gerade abgerissenen alten Rathauses in Wissen bilden eine eindrucksvolle Kulisse am Samstagmorgen. Geröll, Schutthaufen, fast unzugängliche Räume, verschüttete Wege - wenn in einem solchen Szenario im Ernstfall ein Mensch vermisst wird, zählt jede Sekunde, um ihn zu finden. Und genau dann kommt die DRK-Rettungshundestaffel Altenkirchen ins Spiel. Die Hunde sind darauf trainiert, Menschen in Wäldern, Trümmern oder unübersichtlichem Gelände aufzuspüren. Und damit das auch zuverlässig funktioniert, müssen Mensch und Tier regelmäßig trainieren.

Jeden Samstag und jeden Montag treffen sich deswegen die zwei- und vierbeinigen Mitglieder der Rettungshundestaffel. Für die Ehrenamtler ist das natürlich zeitintensiv. "Aber Kontinuität ist in dem Zusammenhang ganz wichtig", erklärt André Hofmann. Er ist der Leiter der DRK-Rettungshundestaffel im Kreis Altenkirchen, organisiert Training und Einsätze und hat für diesen Samstagmorgen ein ganz besonderes Einsatzszenario zu bieten. "So eine Trümmerlandschaft wie hier ermöglicht realistische Bedingungen für unser Training. Als das alte Rathaus abgerissen wurde, habe ich deswegen bei der Verbandsgemeinde nachgefragt. Und die Verwaltung hat ihr Okay gegeben." Sein Dank geht an die Verbandsgemeinde Wissen und die Abrissfirma TG Umwelt Technik, die dieses Training ermöglicht haben und an die Helfer der DRK-Ortsvereine Wissen und Altenkirchen-Hamm. Für die Hunde und ihre jeweiligen Hundeführer bedeutet das an diesem Samstag nach Sichtung und Überprüfung der Gefahrenstellen neue Erfahrungen und Herausforderungen, die auf den Einsatz im Ernstfall vorbereiten.

Rettungshunde: Spieltrieb und mit gutem Grundgehorsam
Die Hunde der DRK-Rettungshundestaffel Altenkirchen sind auf Flächensuche und Trümmersuche spezialisiert. Rund zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Rettungshund - wobei diese nicht nur den Hund betrifft, sondern vor allem auch seinen Hundeführer, also meist Herrchen oder Frauchen. Die müssen in der Zeit beispielsweise die DRK-Helfergrundausbildung und Sanitätsausbildung absolvieren, hinzu kommen dann noch Ausbildungen speziell für Rettungshundeführer, Einsatztaktik, Orientierung mit Karte, Kompass und GPS, Erste Hilfe und vieles mehr. Für die Hunde stehen Gehorsam, Anzeigeverhalten und Sucharbeit auf dem Lehrplan, vor allem aber der Spaß an erster Stelle. Wer Rettungshund werden kann? "Mittelgroße, spielfreudige Hunde mit gutem Grundgehorsam", fasst André Hofmann die Eigenschaften zusammen. "Es kommt aber natürlich auf verschiedene Kriterien an. Manche Hunde haben das einfach in sich, andere wiederum eignen sich aufgrund ihres Charakters weniger. Und auch das Zusammenspiel mit dem Hundeführer ist hier ausschlaggebend. Grundsätzlich kann aber jeder Mensch und Hund, der sich die Arbeit zutraut, gerne probeweise zu unserem Training kommen." Ein Mindestalter für die Hunde gebe es nicht, von Vorteil sei aber, wenn eine Hundeschule besucht wurde und der Grundgehorsam vorhanden ist. Erst nach erfolgreicher Prüfung bilden Hund und Hundeführer ein einsatzfähiges Rettungshundeteam und stehen im Ernstfall bei Einsätzen zur Verfügung.

Dass nicht nur die Hunde fit und ausgebildet sein müssen, wird beim Training in den Trümmern des Wissener Rathauses deutlich. Das läuft so ab: Drei Personen aus der Staffel verstecken sich in dem abgerissenen Gebäude. Jeweils ein Hund und sein Hundeführer machen sich dann auf die Suche. Auf ein Kommando beginnt der Hund mit der Suche, nimmt über feinste Windströme Menschengeruch wahr und folgt diesem. Und der Mensch muss hinterher, über Trümmer, Steine und Geröll. Hat der Hund eine "vermisste" Person gefunden, zeigt er dies durch lautes Bellen an und bekommt natürlich eine Belohnung. Sind alle versteckten Personen entdeckt, wechselt das Team. Über mehrere Stunden üben Hunde und Menschen so den Einsatz für den Ernstfall.



DRK-Rettungshundestaffel Altenkirchen: Seit 1998 im Dienst der Allgemeinheit
Und der kommt regelmäßig. "In diesem Jahr hatten wir bisher elf Einsätze", so André Hofmann. "Es kommt auch schon mal vor, dass wir innerhalb von zwei Wochen gleich mehrere hintereinander haben. Das ist für Mensch und Tier intensiv." Die DRK-Rettungshundestaffel Altenkirchen gibt es schon seit 1998, zurzeit sind zehn Hunde Teil der Staffel. Alarmiert wird sie, wie etwa auch der Notarzt, über die Integrierte Rettungsleitstelle Montabaur. Kommen die Hunde zum Einsatz, ist ihre Aufgabe, vermisste oder verschüttete Personen schnell und zuverlässig zu finden. Bei der Flächensuche kann dies im unwegsamen Gelände, in großen Waldgebieten oder auf Wiesenflächen sein; die Trümmersuche spielt etwa nach Katastrophen wie Gebäudeeinstürzen, Explosionen oder nach Erdbeben eine Rolle. In beiden Fällen nehmen die Hunde menschlichen Geruch über Partikel in der Luft wahr. Der Hund schnüffelt - anders als ein Mantrailer - also nicht am Boden, sondern auf Nasenhöhe und nimmt so die Witterung auf. Der Hundeführer muss währenddessen unter anderem die Orientierung und die Einsatzlage insgesamt im Blick behalten und vor allem auf mögliche Gefahren für sich und seinen Hund achten.

Gerade unter solchen Extrembedingungen müssen Mensch und Tier also ein eingespieltes und belastbares Team bilden. "Dadurch, dass wir zwei Mal die Woche mehrere Stunden trainieren, schaffen wir die Voraussetzungen dafür", ist sich André Hofmann sicher. Seine Rettungshundestaffel kommt nicht nur im Kreis Altenkirchen zum Einsatz. "Das läuft auch länderübergreifend. Wir sind auch bei Einsätzen etwa im Rhein-Sieg-Kreis, Oberbergischer Kreis oder im Kreis Siegen-Wittgenstein dabei, wenn wir die Kollegen dort unterstützen können." Die Frage, bei welchen Einsätzen die Rettungshundestaffel am häufigsten hinzugezogen wird, kann er schnell beantworten. "Es sind meistens demente Personen aus Altenheimen, die trotz aller Sicherheitsvorkehrungen die Einrichtung verlassen und nicht mehr selbstständig zurückfinden und bei deren Suche wir mit unseren Rettungshunden unterstützen können. Und wenn die vermisste Person lebend gefunden wird, dann weiß man, wofür man die ganze Trainingszeit investiert hat, und ist stolz, ein Teil der 'Blaulichtfamilie' zu sein."

In unserer Serie "Wo der Westerwald hilft" begleiten wir Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft oder ihr Geld einsetzen, um anderen zu helfen. Wir schauen hinter die Kulissen und zeigen, was ehrenamtliches Engagement im Westerwald ganz konkret bedeutet.


Mehr dazu:   Wo der Westerwald hilft  
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