Asiatische Hornisse breitet sich auch in der Region aus: Abstand halten und melden
Von Regina Morkramer
Sie gehört nicht hierhin und tritt doch immer öfter in Erscheinung: Die asiatische Hornisse breitet sich immer mehr aus. Als invasive Art bringt sie Probleme für Menschen, Tiere und Ökosystem. Was tun, wenn man ein Nest entdeckt?
Region. Es war Experten zufolge nur eine einzige Hornissen-Königin, die Anfang der 2000er-Jahre im Container eines Schiffes ihren Weg von Asien in einen französischen Hafen fand. Was dann passierte, könnte man als Erfolgsgeschichte der asiatischen Hornisse (Vespa velutina) bezeichnen. Denn die breitete sich in den Folgejahren immer weiter in Europa aus: In Deutschland wurde sie erstmals 2014 im Saarland entdeckt, doch auch im Süden Europas, in England und weiter auf ihrem Weg nach Osten taucht sie immer häufiger auf. Und das hat Folgen, denn als sogenannte invasive Art gehört die asiatische Hornisse nicht hierhin. Ihre Fähigkeit, sich so rasant auszubreiten, macht sie umso bedrohlicher.
"Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Die asiatische Hornisse hat sich längst auch bei uns etabliert", erklärt Frank Freund. Der Hobby-Imker aus Wissen hat den Lehrgang "Hornissen- und Wespenberater" des Imkerverbands Rheinland absolviert und gilt in der Region als ein Ansprechpartner für das Thema. "Zu Beginn der Ausbreitung in Deutschland wäre die Bundesregierung nach EU-Verordnung für geeignete Managementmaßnahmen zuständig gewesen. Das ist weitgehend versäumt worden, deswegen kam es zur ungehinderten Ausbreitung. Und das bedeutet, wir müssen lernen mit der asiatischen Hornisse zu leben."
Auswirkungen auf ökologische Zusammenhänge
Betroffen sind davon Menschen, Bienen, Biodiversität. Für Imker stellt die asiatische Hornisse insbesondere deshalb eine erhebliche Herausforderung dar, weil Honigbienen zu ihrer bevorzugten Beute gehören. Das wiederum hat Einfluss auf die Bestäuberpopulationen und damit potenziell auch auf die wichtige Bestäubungsleistung der Bienen. Doch neben den Honigbienen stehen auch andere heimische Insekten unter hohem Jagddruck durch die asiatische Hornisse. Das hat Auswirkungen auf die heimische Insektenvielfalt und bestehende ökologische Zusammenhänge. Besonders bereits belastete heimische Arten geraten durch die asiatische Hornisse weiter unter Druck. Natürliche Feinde hat sie in Deutschland keine, ihre Ausbreitung wird somit auch nicht auf natürlichem Wege eingedämmt.
Auch für Menschen kann die zunehmende Verbreitung relevant werden. Nester können sich beispielsweise in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, Gärten, Spielplätzen, öffentlichen Einrichtungen oder Verkehrswegen befinden. Eine besondere Problematik besteht darin, dass die Nester nicht immer leicht zu erkennen sind und sich die Tiere bei einer Störung ihres Nestbereichs verteidigen. Dann geht die asiatische Hornisse zum Angriff über, denn das Gefährliche an ihr ist insbesondere ihre Aggressivität. Im Vergleich zur Biene hat sie einen längeren Stachel, ihr Gift ist genetisch dem Gift von Schlangen und Spinnen ähnlich. "Wer von einer Hornisse gestochen wird und eine starke körperliche Reaktion bemerkt, sollte zum Arzt gehen", rät Frank Freund. "Das gilt besonders bei mehreren Stichen. Der Körper kann auch nach Stunden noch darauf reagieren, das sollte man auf jeden Fall abklären lassen." Zwar ist der Stich der asiatischen Hornisse in der Regel nicht gefährlicher als der der heimischen Hornisse, aber oft schmerzhaft. Für Allergiker besteht wie bei Bienen- oder Wespenstichen die Gefahr eines allergischen Schocks. Die Aggressivität der asiatischen Hornisse zeigt sich zudem darin, dass sie ihren potenziellen Angreifer bei der Annäherung an ihr Nest für ihre Artgenossen "markiert" und diese dann ebenfalls zum Angriff ansetzen. So kann es zu einer gefährlichen Kettenreaktion kommen.
Nest der asiatischen Hornisse entdeckt - was tun?
"Wer ein Nest der asiatischen Hornisse entdeckt, sollte unbedingt Abstand halten", betont Frank Freund. "Es auf eigene Faust entfernen zu wollen, ist keine gute Idee." Zwar steht sie als invasive Art im Gegensatz zur europäischen Hornisse nicht unter Artenschutz, die Beseitigung des Nests sollte man aufgrund der Aggressivität der Tiere jedoch dem Fachmann überlassen. "Wegen des langen Stachels der Hornisse braucht man einen speziellen Schutzanzug und vor allem auch ein Visier. Der herkömmliche Imkeranzug reicht hier nicht aus. Hinzu kommt oft eine spezielle Ausrüstung, von Teleskopstange bis Hubwagen. Denn die Nester können sich in bis zu 30 Meter Höhe befinden, das macht die Bekämpfung zusätzlich schwierig." Laut Frank Freund gibt es bisher keine finanzielle Unterstützung von Behördenseite für die Ausrüstung. "Die kann insgesamt bis zu 2000 Euro kosten. Bislang legen Imker oder Schädlingsbekämpfer sie sich privat zu, eventuell unterstützt durch einen Imkerverein. Das ist natürlich alles andere als optimal - zumal wir hier mit den Folgen der Versäumnisse von Regierungsseite kämpfen." Die fehlende finanzielle Unterstützung durch offizielle Stellen gilt allerdings auch für den Bürger: Wer ein Hornissennest durch den Fachmann entfernen lässt, muss die Kosten von zum Teil mehreren hundert Euro selbst tragen. Hier hilft, einen entsprechenden Zusatz in der Gebäudeversicherung abzuschließen.
Aber woran erkennt man überhaupt, ob man es mit einer asiatischen oder einer europäischen Hornisse zu tun hat? "Die asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die europäische", weiß Frank Freund. Sie hat einen dunklen Körper und gelbe Beine; die europäische dagegen hat einen hellen Körper und dunkle Beine. Die asiatische Hornisse ist zudem tagsüber aktiv, die europäische dagegen am Tag und in der Nacht." Das könne beispielsweise auch eine Rolle bei der Gartenarbeit spielen, erklärt Frank Freund. "Wer an einer Hecke Flugbetrieb bemerkt, sollte das erst mal beobachten und Abstand halten. Sonst kann man schnell einen aggressiven Angriff provozieren." Ist man sich sicher, das Nest einer asiatischen Hornisse entdeckt zu haben, rät Frank Freund in jedem Fall dazu, dies der unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung zu melden. Das dient zum einen dem Überblick über die Ausbreitung und der Dokumentation. Je früher ein Vorkommen erkannt wird, desto eher können geeignete Maßnahmen geprüft und eingeleitet werden. Zum anderen finden Betroffene hier aber auch Ansprechpartner und Tipps für das weitere Vorgehen, etwa Kontakte zu Imkern und Schädlingsbekämpfern, die das Nest entfernen können. "Hornisse erkennen, Abstand halten, melden und beraten lassen", fasst Frank Freund die Tipps zum konkreten Vorgehen zusammen. "Wer nicht auf den Kosten sitzen bleiben will, schließt zudem eine entsprechende Versicherung ab."
Königin überwintert und baut neues Nest
Die Nester der asiatischen Hornisse bestehen noch lange bis in den November hinein. Zum Winter hin sterben die männlichen Tiere und die Arbeiterinnen, die Königin überwintert bis zum Frühjahr. Dann baut sie ein neues Primärnest mit rund 300 Arbeiterinnen. Hier rät Frank Freund wieder zur besonderen Vorsicht, denn dieses etwa handballgroße Nest könnte überall sein - unter der Abdeckung der Gartenmöbel, im Sonnenschirm, im Vogelhaus. Im Idealfall wird dieses Primärnest entdeckt und fachmännisch entfernt. Andernfalls baut die asiatische Hornisse ein im Durchmesser bis zu einem Meter großes Sekundärnest, wenn das Primärnest zu klein geworden ist. Hier können sich dann 5000 Arbeiterinnen und 300 Königinnen befinden - und die Ausbreitung setzt sich fort.
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