Klaus Lütkefedder als Landrat vereidigt – Achim Schwickert verabschiedet
Von Wolfgang Rabsch
Stehende Ovationen, ein Getränkekühlschrank und ein Termin bei der Feuerwehr: Im Kreishaus Montabaur ist Achim Schwickert nach 17 Jahren als Landrat des Westerwaldkreises verabschiedet und sein Nachfolger Klaus Lütkefedder vereidigt worden. Dessen erste Amtshandlung führte ihn umgehend zurück nach Wallmerod.
Westerwaldkreis. Am Freitagabend, 11. September 2026, berichteten die Kuriere in einem kurzen Artikel vom Amtswechsel im Kreishaus von Montabaur: Klaus Lütkefedder folgte Achim Schwickert als Landrat des Westerwaldkreises. Achim Schwickert wurde offiziell verabschiedet, mit der logischen Folge, dass Klaus Lütkefedder als neuer Landrat ernannt und vereidigt wurde. Doch der Reihe nach.
Zum Kurzbericht vom Amtswechsel: www.ww-kurier.de/artikel/175651-klaus-luetkefedder-ist-neuer-landrat-des-westerwaldkreises
Gabriele Wieland führte durch den Abend
Gabriele Wieland hatte als Erste Kreisbeigeordnete des Westerwaldkreises und kommissarische Vertreterin des Landrats die ehrenvolle Aufgabe, die 12. Kreistagssitzung zu eröffnen und zu leiten. Auf der Tagesordnung standen lediglich zwei Punkte: die Verabschiedung des bisherigen Landrats Achim Schwickert sowie die Ernennung und Vereidigung des neuen Landrats Klaus Lütkefedder.
Wieland begrüßte zunächst die beiden Protagonisten des Abends mitsamt ihren Ehefrauen und ihren Kindern. Die Aufzählung aller Ehrengäste, die in den Peter-Paul-Weinert-Saal im Kreishaus gekommen waren, würde den Rahmen sprengen; stellvertretend seien Dr. Andreas Reingen, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Westerwald-Sieg, und Staatssekretärin Jenny Groß genannt. Anwesend waren zudem Bundestags- und Landtagsabgeordnete, die Bürgermeister der Verbandsgemeinden des Westerwaldkreises, viele Ortsbürgermeister, Freunde und Bekannte von Schwickert und Lütkefedder sowie die Mitglieder des Kreistags.
17 Jahre in bewegten Zeiten
In ihrer Rede befasste sich Wieland zunächst mit dem ehemaligen Amtsinhaber und dem jetzigen Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz. Achim Schwickert war 2009 erstmals zum Landrat des Westerwaldkreises gewählt und 2017 sowie 2025 im Amt bestätigt worden. Als er nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026 zum Innenminister ernannt wurde, musste ein neuer Landrat gewählt werden – eine Wahl, bei der sich Klaus Lütkefedder durchsetzte.
Bereits 2009 hat Schwickert in seiner Antrittsrede gesagt, der Spielraum für zusätzliche Wohltaten sei gleich null. Diese Vorgabe habe sich bis heute fortgesetzt, dennoch sei die Entwicklung des Haushalts stabil geblieben.
In Schwickerts Amtszeit sei viel geschehen, sagte Wieland: die Atomkatastrophe in Fukushima, die Annexion der Krim, die Abschaffung der Wehrpflicht, der Angriffskrieg gegen die Ukraine, Corona, der Klimawandel und die Flutkatastrophe im Ahrtal. All diese Ereignisse hätten Auswirkungen auf den Westerwaldkreis gehabt und den Kreis vor hohe Anforderungen gestellt, die jedoch hervorragend gemeistert worden seien.
Auch die Zusammenarbeit der drei Kreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald in der Initiative „Wir Westerwälder" hat die Entwicklung in Wirtschaft und Tourismus stark gefördert. Über 30 Jahre lang hat Schwickert in der Kreisverwaltung gearbeitet, bevor er zum Landrat gewählt wurde. Mit seiner klaren Sprache, häufig auch im Westerwälder Dialekt, hat er die Menschen erreicht und mitgenommen.
Ein Kühlschrank als Abschiedsgeschenk
Zum Schluss sagte Wieland, Schwickert habe wesentlich dazu beigetragen, dass alle stolz seien, „Wäller" zu sein. Als sie dem scheidenden Landrat die Entlassungsurkunde überreichte, erhoben sich alle Anwesenden zu Standing Ovations. Ihr Schlusswort: „Gottes Segen und mach's gut, Achim."
Als Abschiedsgeschenk hatten die Kreistagsabgeordneten zusammengelegt und dem völlig überraschten Schwickert einen Getränkekühlschrank einer bekannten Westerwälder Brauerei überreicht, der im Innenministerium ein Jahr lang immer gefüllt sein wird.
Anschließend ergriffen Dr. Andreas Reingen sowie der FDP-Fraktionsvorsitzende Rudolf Schwaderlapp das Wort und würdigten Schwickert als Menschenfreund, der für den Westerwaldkreis ein Glücksfall gewesen sei – auch wegen seiner unnachahmlichen Art, mit Menschen umzugehen.
Der sichtlich berührte ehemalige Landrat dankte seinen Vorrednern für die schönen Worte und hob dabei insbesondere Wieland hervor, der ihn nach seinem Abschied aus dem Kreishaus bis heute in überragender Weise vertreten habe. Sein Dank galt weiterhin dem Personalrat und den Mitarbeitern der Kreisverwaltung, ebenso den 192 Ortsgemeinden und zehn Verbandsgemeinden im Westerwaldkreis mitsamt ihren Bürgermeistern. Ein besonderes Dankeschön richtete Schwickert an seine Ehefrau und seinen Sohn für ihre Unterstützung. Er endete mit den Worten: „Ich bin ein Westerwälder und bleibe auch in Mainz einer." Auch ihn feierten die Anwesenden mit minutenlangen stehenden Ovationen.
Der neue Landrat wurde ernannt und vereidigt
Es folgte die Ernennung und Vereidigung von Klaus Lütkefedder, die Gabriele Wieland und der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Dr. Stephan Krempel, mit ihren Laudationes eröffneten. Beide bescheinigten dem neuen Amtsinhaber übereinstimmend, ein würdiger Nachfolger Schwickerts zu sein: Lütkefedder war insgesamt 17 Jahre lang Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod und verfügt damit über entsprechende Verwaltungserfahrung. Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien offen und bereit, gemeinsam mit dem neuen Landrat neue Wege zu gehen.
Bei der anschließenden Ernennung und Vereidigung erhoben sich erneut alle Anwesenden, als Lütkefedder die Eidesformel nachsprach und damit offiziell in das Amt des Landrats eingeführt wurde.
In seiner ersten Rede als amtierender Landrat betonte Lütkefedder, dass er für den gesamten Westerwaldkreis da sei und sich auf die neue, aber sehr spannende Arbeit freue. Der Westerwaldkreis sei eine starke Region, wirtschaftlich und touristisch gut aufgestellt und zudem von prachtvoller Landschaft geprägt.
Die Schwerpunkte seiner Politik sieht der neue Landrat in Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Gemeinden und der Feuerwehr. Speziell die Feuerwehr sei ein fester Bestandteil der Bevölkerung: Wenn die Westerwälder sie riefen, seien die Kräfte sofort da, um zu helfen. Zuletzt hätten sie das eindrucksvoll bewiesen, als am 19. August ein vom Deutschen Wetterdienst bestätigter Tornado über Höhr-Grenzhausen hinwegfegte und erhebliche Schäden anrichtete.
Sein neues Amt holte den Landrat sofort ein: Er musste sich in seinen Heimatort Wallmerod begeben, weil die dortige Feuerwehr ihr 120-jähriges Bestehen feierte und er als Ehrengast erwartet wurde. Er versprach aber, alsbald ins Kreishaus zurückzukehren, um den Abend dort in geselligem Beisammensein ausklingen zu lassen.
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