Pressemitteilung vom 06.09.2026 
Vom Museum zur Kunst: Anahit Hagemanns Rückkehr nach Koblenz
Vom Museum als Notunterkunft in Gyumri über eine große Fotografieausstellung in Mainz bis zum malerischen Debüt im Ludwig Museum Koblenz: Die Künstlerin Anahit Hagemann kehrt mit "SUB:MERGED" in ihre Heimatstadt zurück. Dort präsentiert sie erstmals ihre Malerei in einem institutionellen Ausstellungskontext.
Koblenz. Für Anahit Hagemann schließt sich im Ludwig Museum ein ungewöhnlicher biografischer Kreis. 1988 zerstörte das schwere Erdbeben große Teile ihrer armenischen Heimatstadt Gyumri. Ihre Familie lebte anschließend mehrere Jahre in einer Notunterkunft in einem Museum. Ein Museum wurde damit bereits früh zu einem prägenden Lebensraum.
1996 kam Hagemann nach Koblenz und wuchs dort auf. 2009 verließ sie die Stadt, lebte und arbeitete in den folgenden 16 Jahren an verschiedenen Orten und kehrte Anfang 2025 nach Koblenz zurück. Rund eineinhalb Jahre später sind ihre Gemälde nun erstmals im Ludwig Museum Koblenz zu sehen.
Von der Fotografie zur Malerei
Künstlerisch arbeitet Hagemann bereits seit vielen Jahren. Ihre bislang größte fotografische Ausstellung zeigte sie 2016 unter dem Titel "BE-WEG-GRÜNDE" in der Halle 45 in Mainz. Rund 2.000 Besucher sahen die unter der Schirmherrschaft des damaligen Mainzer Oberbürgermeisters stehende Ausstellung.
Im Zentrum standen Menschen und ihre individuellen Wege nach Mainz. Hagemann porträtierte Biografien aus unmittelbarer Nähe ebenso wie Geschichten über große geografische Distanzen. Die Ausstellung machte sichtbar, wie selbstverständlich Städte aus Menschen entstehen, die irgendwann von einem anderen Ort gekommen sind – aus dem Nachbardorf ebenso wie aus einem weit entfernten Land. Dieses Interesse an Herkunft, Perspektive und Mehrdeutigkeit zieht sich bis heute durch ihr künstlerisches Schaffen. Mit ihrer Malerei hat Hagemann dafür eine neue Ausdrucksform gefunden.
Malerei der Mehrdeutigkeiten als metamoderne Sensibilität
Hagemanns Arbeiten bewegen sich zwischen Neoexpressionismus, Art Informel und figurativer Abstraktion und lassen sich zugleich innerhalb einer metamodernen Sensibilität lesen. Aus dichten, gestischen und vielfach geschichteten Farbflächen treten Gesichter, Körper und landschaftliche Assoziationen hervor. Ihre Erscheinung bleibt instabil und verändert sich mit dem Blick der Betrachtenden. Damit entwickelt Hagemann eine eigenständige malerische Position innerhalb einer sich zunehmend artikulierenden metamodernen Kunst.
Charakteristisch ist eine fortwährende Oszillation zwischen Figuration und Abstraktion, Nähe und Distanz, Kontrolle und Chaos sowie Sichtbarkeit und Auflösung. Formen werden erkennbar, verändern ihre Bedeutung und treten wieder in den Bildraum zurück. Der Blick konstruiert Bedeutung dadurch immer wieder neu.
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Hagemanns multikulturelle Biografie prägt dabei ihre künstlerische Denkweise. Ihre Arbeiten folgen einer Neither-Nor-Dynamic: Identitäten, Formen und Bedeutungen bleiben beweglich und entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. Gegensätzliche Wahrnehmungen können gleichzeitig bestehen. Ambiguität wird damit zum zentralen Prinzip ihrer Malerei. "Mich interessiert der Moment, in dem mehrere Wahrheiten gleichzeitig im Bild existieren können. Formen kippen, Körper werden zu Landschaften, Nähe kann Distanz enthalten. Diese Zwischenräume entsprechen meiner eigenen Erfahrung mit unterschiedlichen Kulturen, Perspektiven und Zugehörigkeiten", erklärt Hagemann den Hintergrund ihrer Werke. "Vielleicht kommt dieses Denken in Zwischenräumen daher, dass ich selbst zwischen unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten aufgewachsen bin. Mich interessiert der Moment, in dem mehrere Wahrheiten gleichzeitig bestehen können. Genau diesen versuche ich in meiner Malerei sichtbar zu machen."
Rückkehr in die Heimatstadt
Die Ausstellung erhält durch Hagemanns Rückkehr nach Koblenz eine zusätzliche persönliche Ebene. Die Stadt, in der sie ab 1996 aufwuchs und die sie 2009 verließ, ist seit Anfang 2025 wieder ihr Lebensmittelpunkt. Mit ihrer Beteiligung an "SUB:MERGED" verbindet sich diese Rückkehr nun auch mit ihrer künstlerischen Arbeit.
Dabei ist Hagemann als Malerin eine Newcomerin, als Kunst- und Kulturschaffende bringt sie bereits Jahrzehntelange Erfahrung mit. Genau diese Gleichzeitigkeit spiegelt auch das Konzept von "SUB:MERGED" wider: Künstler mit unterschiedlichen Biografien, Erfahrungsstufen und Ausdrucksformen begegnen sich innerhalb eines gemeinsamen Ausstellungsraums.
"SUB:MERGED" – Wohnraum trifft Museum
"SUB:MERGED" verwandelt die obere Etage des Ludwig Museums für eine Woche in einen offenen Ausstellungs- und Begegnungsraum. Unterschiedliche künstlerische Positionen werden miteinander in Beziehung gesetzt und durch Live-Musik, DJ-Sets, Workshops und weitere kulturelle Formate ergänzt.
Interessierte können Hagemanns Werke noch bis Samstag, 12. September 2026, besichtigen, dann findet auch ab 16 Uhr die Finissage statt. (PM)
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