Rheinanwohner in Sorge: Was der historische Tiefstand für die Schifffahrt bedeutet
Sinkende Pegelstände und Niedrigwasser sind derzeit ein großes Thema am Rhein. Insbesondere die rheinland-pfälzische Stadt Kaub steht im Fokus, da hier die Wasserstände besonders niedrig sind. Doch was bedeuten diese Zahlen genau und welche Auswirkungen hat das auf die Schifffahrt?
Kaub. Niedrigwasser am Rhein führt zu sinkenden Pegelständen und erschwert den Schiffsverkehr. Der Pegelstand in Kaub spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber warum ist dieser Standort so wichtig? Und ab wann wird Niedrigwasser problematisch für die Schifffahrt?
Wann spricht man von Niedrigwasser?
Ein Fluss erreicht Niedrigwasser, wenn sein Wasserstand deutlich unter dem Durchschnitt liegt - bei längeren Perioden spricht man von einer Niedrigwasserphase. Laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) sind schwankende Wasserstände normal und hängen von verschiedenen Faktoren wie Regen und Schneeschmelze ab. Das Umweltbundesamt betont, dass auch menschliche Aktivitäten wie Wasserentnahme Einfluss haben. Dieses Jahr spitzt sich die Lage am Rhein ungewöhnlich früh zu, mit historischen Tiefstwerten an vielen Pegeln.
Was sagt ein Pegelstand über die Wassertiefe?
Ein Pegel ist eine Messstelle am Fluss, die den Wasserstand anzeigt. Der Wert gibt an, wie hoch das Wasser über einem festgelegten Nullpunkt steht, jedoch nicht direkt die Flusstiefe. In Kaub beträgt der Pegelstand aktuell 16 Zentimeter, was eine rechnerische Fahrrinnentiefe von 129 Zentimetern ergibt.
Warum ist der Rhein eine so wichtige Wasserstraße?
Der Rhein verbindet Industriegebiete mit den Nordseehäfen und ist Europas wichtigste Wasserstraße. Obwohl weniger als zehn Prozent der Fracht über Flüsse transportiert werden, sind sie für bestimmte Güter unverzichtbar. Anhaltendes Niedrigwasser verteuert den Transport und kann Produktionsdrosselungen erzwingen. Eine Studie der DZ Bank zeigt, dass langfristige Einschränkungen schwer nachzuholen sind. Zudem legen niedrige Wasserstände alte Munition frei und beeinträchtigen die Personenschifffahrt. Naturschützer warnen vor negativen Effekten auf Flussökosysteme.
Warum liest man so viel vom Pegel in Kaub?
Kaub liegt zwischen St. Goar und Budenheim und stellt ein Nadelöhr für die Rheinschifffahrt dar. Die Fahrrinne ist dort schlechter ausgebaut, was den Transport erschwert. Die Industrie- und Handelskammern sehen hier einen Engpass. Der aktuelle Pegelstand von 16 Zentimetern könnte laut Prognosen weiter fallen. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) warnt, dass bei solch niedrigen Wasserständen kein Gütertransport mehr möglich ist. Auch die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt wäre betroffen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein sieht bereits jetzt viele Schiffsklassen, die den Mittelrhein nicht mehr befahren können, und erwartet einen Stillstand des Schiffsverkehrs bei weiter fallenden Wasserständen.
Wann wird die Schifffahrt verboten?
Bei Niedrigwasser gibt es kein behördliches Fahrverbot. Der Schiffsführer ist für die sichere Beladung verantwortlich. Die Beladung hängt vom Wasserstand und der Fahrrinnentiefe ab. Bei Hochwasser hingegen wird die Schifffahrt eingestellt, sobald die Hochwassermarke II überschritten wird. (dpa/bearbeitet durch Red)
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