Kritik aus Rheinland-Pfalz: Hausärzte warnen vor Reformplänen der Bundesregierung
Die geplanten Änderungen bei Krankschreibungen sorgen in Rheinland-Pfalz für heftige Reaktionen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband des Landes äußert scharfe Kritik an den Vorschlägen der schwarz-roten Koalition.
Mainz. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Rheinland-Pfalz hat das neue Reformpaket der Regierungsparteien im Bund scharf kritisiert. "Diese Beschlüsse sind eine Katastrophe", erklärte die Vorsitzende des Landesverbandes, Barbara Römer, in einer Mitteilung. "Wir sind nicht die Formular-Deppen der Nation."
Die schwarz-rote Koalition in Berlin plant strengere Vorgaben gegen hohe Fehlzeiten in Unternehmen. Künftig soll bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung Pflicht sein – bislang ist diese erst ab dem vierten Tag erforderlich. Zudem sollen Krankschreibungen per Telefon abgeschafft werden, wie Union und SPD mitteilten.
Bürokratischer Super-GAU
Römer bezeichnete die Pläne als "sinnfreien Aktionismus", der weder die Probleme im Gesundheitswesen löse noch die Zahl der Krankheitstage tatsächlich senke. Vielmehr würden die Praxen mit Fällen überlastet, die keine Behandlung vor Ort erforderten, sondern eher Ruhe als einen Arztbesuch bräuchten. Die neue Regelung wäre damit auch nicht gerade förderlich für die Genesung. "Diese Regelung ist der bürokratische Super-GAU für die Hausarztpraxen."
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Auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung stößt auf Ablehnung. Zahlreiche Studien würden zeigen, dass diese Regelung nicht zu höheren Fehlzeiten führe. Der Anstieg der registrierten Krankheitsfälle sei vielmehr auf die seit 2022 vollständig elektronische Erfassung zurückzuführen.
Faktenfreie Misstrauenskultur
Im Reformpaket haben die Regierungsparteien in Berlin zudem festgelegt, dass die Strafen für das unrichtige Ausstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhöht werden sollen – also bei fehlerhaften oder nicht ausreichend begründeten Krankschreibungen. Römer sieht darin den Vorwurf mitschwingen, Ärzte würden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen leichtfertig oder ohne ausreichende medizinische Grundlage ausstellen. "Das weisen wir mit aller Schärfe zurück! Wir lassen unsere Praxen nicht zum Sündenbock einer vollkommen faktenfreien Misstrauenskultur machen." (dpa/bearbeitet durch Red)
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